S.P.O.N. - Im Zweifel links Hui Buh der CSU

CSU-Chef Seehofer will Guttenberg zurück in die erste Reihe der Politik holen. Passend zur Plagiatsaffäre Schavan kündigt der bayerische Ministerpräsident die Rückkehr des Ober-Plagiators aus der Verbannung an. Die spinnen, die Konservativen!
Guttenberg (l.), Seehofer: Auferstehung aus dem Reich der politischen Untoten

Guttenberg (l.), Seehofer: Auferstehung aus dem Reich der politischen Untoten

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa

"Bayern ist das Beste, was es in Europa gibt", hat Horst Seehofer am Wochenende beim Parteitag der CSU gesagt. Zwar "nicht das Paradies, aber eine Vorstufe davon". Und da man die CSU sozusagen mit Bayern gleichsetzen kann, muss also auch die CSU ein kleines Paradies sein. Man gibt sich jedenfalls Mühe. Und so will man jetzt einen kleinen Schönheitsfehler korrigieren und einen Mann zurückholen, der ihnen im christsozialen Idyll so sehr fehlt - Karl-Theodor zu Guttenberg.

Horst Seehofer spielte mit diesem Gedanken am Rande des CSU-Parteitags. Man muss das so formulieren: Er spielte damit. Er wolle sich bemühen, dass Guttenberg nach den Landtagswahlen im kommenden Jahr wieder eine "maßgebliche" Aufgabe in der CSU übernehme, sagte Seehofer, der Spieler, und ihm selbst war das sicher ein Genuss. Als Guttenberg noch ganz oben stand in allen Umfragen, war er es, der Seehofer ins politische Austragshäusel schicken wollte.

Die Ankündigung des Parteichefs freut in der CSU viele. Und viele freut sie überhaupt nicht. Zum Beispiel die vier Kandidaten, die Seehofer für seine Nachfolge vorgeschlagen hat, dürften wenig amüsiert gewesen sein. Darunter Noch-Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die gerade den politischen Rücksturz nach Bayern angeht, um sich dort auf ihre politische Vergangenheit vorzubereiten.

Seehofer denkt an sich

Seehofer hätte keinen schlechteren Zeitpunkt für die Ankündigung wählen können, Guttenberg neues politisches Leben einzuhauchen: Gerade steht die Wissenschaftsministerin Schavan wegen ihrer Doktorarbeit in der Kritik. Die Universität spricht im Gutachten von Täuschungsabsicht. Und Friedrich Küppersbusch hat gerade geschrieben, Merkels Guttenberg-Verteidigung "Er ist nicht mein wissenschaftlicher Mitarbeiter!" verkehre sich hier ins Gegenteil: Die Wissenschaftsministerin Schavan sei genau das.

Aber Seehofer ficht das nicht an und erinnert die Leute daran, dass Plagiate in der Union mit einer gewissen Lässigkeit behandelt werden.

Seehofer denkt an sich. Er will sich den Geist von Guttenberg zunutze machen, der über der CSU schwebt. Das ist die Schuld der Partei, die sich von dem Plagiator nicht wirklich losgesagt hat. Sie hat sich mit dem Freiherren ihre eigene Kyffhäuser-Legende geschaffen: Irgendwo auf einem Schloss im Wald sitzt ein Adelsmann, der uns retten kann. Das soll Seehofer bei den Wahlen helfen: CSU, jetzt wieder mit Guttenberg! Ein paar Extra-Prozente sind drin. Aber die Beschwörung der Geister ist, wie man weiß, eine gefährliche Sache. Manchmal wird man sie nicht wieder los.

Der Freiherr ist unberechenbar. Das hat sein erratischer Politikstil vor dem Scheitern gezeigt, das konnte man während der Affäre um seinen kopierten Doktortitel erkennen und das stellte er auch in seinem verpatzten Comeback unter Beweis, das er mit dem Buch "Vorerst gescheitert" nur wenige Monate nach dem Rücktritt versucht hatte. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte da im Herbst 2011 versucht, Guttenberg den Steigbügel zu halten, damit er wieder aufs Pferd kommt. Aber die Sache war so stümperhaft angelegt, dass der Herrenreiter auf der anderen Seite gleich wieder herunterfiel.

Ein Dieter Bohlen der Politik

Guttenberg, das ist Chuzpe als politisches Prinzip: Erst täuschen, dann leugnen, dann zurücktreten - und sich am Ende für den eigenen Anstand loben. Er war der erste echte berlusconische Politiker in Deutschland. "Scheiß auf den Doktor", hatte die "Bild"-Zeitung damals geschrieben. Solcher Anti-Intellektualismus sollte Guttenberg schützen. Zu einer bürgerlichen Partei passte das nicht gut. Aber die Leute liebten ihn einfach, sie wollten gar nicht so genau wissen, was er getan hatte, als Doktorand oder als Politiker. Die eine Bilanz fiel verheerend aus, die andere katastrophal.

"Zeit"-ChefGiovanni di Lorenzo schrieb über Guttenberg, er zähle "zu den größten politischen Talenten des Landes". Da muss es sich dann aber um ein schlummerndes Talent handeln. Mit Blick auf die verpatzte Bundeswehrreform mault jetzt ein Unionspolitiker: "Wir sind doch immer noch dabei, die Scherben seiner Amtszeit aufzukehren."

Guttenberg war einfach nur ein Wortheld erster Güte, der über ein schlichtes und zugleich zynisches Gemüt verfügt. Ein Felix Krull der Politik - oder besser: ein Dieter Bohlen.

Und jetzt soll er als sein eigenes Gespenst die Opposition erschrecken? Als Hui Buh der CSU. Die Opposition glaubt nicht an Gespenster. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat gesagt: "Guttenberg ist keine Bedrohung mehr, weil er auch in Zukunft das Image eines Blenders haben wird."