CSU Das vielsagende Schweigen der Schwester

Der bayerische Löwe brüllt nicht. Sowohl in der Unionsfraktion in Berlin als auch in der Bayerischen Zentrale halten sich CSU-Politiker zur Zeit vornehm zurück mit guten Ratschlägen für ihre angeschlagene Schwesterpartei. Das Schweigen hat Gründe.


Berlin - Öffentlich zitiert werden wollen sie nur mit den allgemein bekannten Phrasen und möglichst harmlosen Sätzen: Vollständige Aufklärung, aber die Einheit der Partei wahren, lautet der gemeinsame Nenner. Aber hinter vorgehaltener Hand schimpfen die Bundestagsabgeordneten der CSU über das in ihren Augen ungeschickte und stümperhafte Krisenmanagement der CDU.

CSU: "Schäuble ist nach wie vor der richtige Mann"

Offiziell beeilte man sich am Mittwoch, CDU-Chef Wolfgang Schäuble in der Finanzaffäre weiter den Rücken zu stärken. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber dementierte Berichte über angebliche Absprachen zur Nachfolge von Schäuble. Das sei "blühender Unsinn". Zwar habe er sich am Dienstag tatsächlich mit seinen Länderkollegen Bernhard Vogel (Thüringen) und Erwin Teufel (Baden-Württemberg) getroffen. Bei dem seit längerem vereinbarten Gespräch sei es jedoch um den Neubau von ICE-Strecken gegangen. Natürlich komme bei solchen Treffen am Rande auch die aktuelle Lage zur Sprache. Dabei hätten alle drei Ministerpräsidenten deutlich gemacht, dass sie hinter Schäuble stehen.

Auch CSU-Generalsekretär Thomas Goppel stützte den CDU-Chef, der Medienberichten zufolge von Bernhard Vogel abgelöst werden sollte. "Wolfgang Schäuble hat nach wie vor unser Vertrauen", sagte Goppel. Schäuble sei der richtige Mann an der Spitze der CDU. Angesichts der "gegenwärtigen Hysterie" sei im schlimmsten Fall eine Kurzschlussreaktion des CDU-Parteitags möglich. Das wäre nach Goppels Ansicht jedoch eine völlig falsche Entscheidung.

Ein schwacher Schäuble stärkt Stoiber

Denn Schäuble ist in den Augen der Bayern der richtige Mann für die CDU, weil er auch für die CSU noch nützlich ist. Der CDU-Chef wird noch gebraucht. Er soll den Affärensumpf trockenlegen und wird sich dabei selbst ausreichend mit Dreck beschmutzen.

Ein schwacher Schäuble stärkt Stoiber, der seine Ambitionen als Kanzlerkandidat noch nicht aufgegeben hat. Käme er mit diesem Anspruch bereits jetzt aus der Deckung, würde die CDU schlagartig ihre Kräfte sammeln. Griffe er Schäuble bereits jetzt massiv an, bestünde die Gefahr, dass die CDU bereits im April auf ihrem Parteitag einen frischen, unbelasteten Kandidaten an ihre Spitze wählen würde. Das wiederum würde Stoibers Chancen mindern.

Auf der anderen Seite nützt eine Dauerkrise und damit eine zerrissene und massiv geschwächte CDU auch der CSU nichts. Für bundespolitische Ambitionen braucht sie die Schwesterpartei. Eine Abspaltung von der CDU und bundesweite Ausdehnung der CSU halten selbst die selbstbewusstesten Bayern für illusorisch. "Das Kapitel ist abgeschlossen", sagte Peter Ramsauer, Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Politische Beobachter sehen aber auch noch andere Gründe für den zahmen Umgang der CSU mit ihrer Schwester. Die Parteiführung des Helmut Kohl war der eines Franz Josef Strauß sehr ähnlich. Und der Waffenhändler Schreiber spendierte nicht nur der CDU Geld. Eilig hat man bei der CSU die eigenen Konten überprüft: "Bei uns ist das wiederholt durchleuchtet worden. Da hat man nichts gefunden", schloss Ramsauer gegenüber SPIEGEL ONLINE ein ähnliches Finanzierungssystem wie bei der CDU für seine Partei aus. Denn auch in Bayern weiß man: Solange Schreiber hauptsächlich mit der CDU in Verbindung gebracht wird, riecht es in München nicht ganz so arg nach Schwefel.



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