CSU-Debakel Huber und Haderthauer offenbar kurz vor Rückzug

Fast bis Mitternacht beriet die CSU-Spitze am Ende eines hektischen Tages in einer Geheimsitzung über die Konsequenzen aus dem Wahl-Desaster. Kein Kommentar zu den Ergebnissen, hieß es nachher. Doch ein baldiger Wechsel im Parteivorsitz zeichnet sich ab.

Von , München


München - Es war ein Geheimtreffen. Der engere Führungskreis der CSU versammelte sich am Montagabend zu einem erneuten Krisentreffen im Franz-Josef-Strauß-Haus. Nachdem man bei der Vorstandssitzung am Morgen noch auf Zeit spielte, scheinen nun Beschlüsse über das zukünftige Personaltableu der Partei getroffen worden zu sein.

Bald auf getrennten Wegen: Parteichef Erwin Huber (l.) geht wohl bald, Ministerpräsident Günther Beckstein darf noch bleiben
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Bald auf getrennten Wegen: Parteichef Erwin Huber (l.) geht wohl bald, Ministerpräsident Günther Beckstein darf noch bleiben

Doch offiziell herrscht Stillschweigen. "Ich bin froh, dass wir in der Lage sind, in dieser schwierigen Situation Beschlüsse zu fassen und sie auch für uns zu behalten", sagte CSU-Vize Horst Seehofer nach dem etwa zweieinhalbstündigen Treffen. Es falle ihm zwar schwer, aber er könne nichts sagen: "Ich habe ein bestimmtes Verfahren angekündigt - und das halten wir ein."

Ähnlich verklausuliert Ministerpräsident Günther Beckstein: Es seien "heute Abend von uns keine förmlichen Beschlüsse zu fassen", denn das Gremium sei eben kein förmliches. Neben Beckstein und Seehofer nahmen Parteichef Erwin Huber, CSU-Fraktionschef Georg Schmid, Landesgruppenchef Peter Ramsauer, der Europagruppen-Vorsitzende Markus Ferber, die CSU-Vizes Beate Merk, Ingo Friedrich, Barbara Stamm, Generalsekretärin Christine Haderthauer sowie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und CSU-Vordenker Alois Glück an dem Krisengespräch teil.

Man habe "in vielen Punkten Gesprächsbedarf" gehabt, sagte Beckstein nach dem Treffen. Es würden noch viele Gespräche und Sitzungen benötigt, "bis wir wieder optimal aufgestellt sind". Ob an diesem Abend Rücktritte beschlossen worden seien? "Aus meiner Sicht ist Derartiges heute Abend nicht beschlossen worden", sagt Beckstein etwas sperrig. Er stehe für eine Koalition zur Verfügung: "Wir werden die weitere Entwicklung sehen."

Ob er denn auch mit einem Parteivorsitzenden Seehofer leben könne? Beckstein zögert einen Moment. Dann sagt er: "Da fragen Sie bitte alle Beteiligten, wenn Entscheidungen getroffen sein sollten."

Eine klare Antwort hört sich anders an. Offenbar hat sich die Runde bereits verständigt. Ein Teilnehmer sagte, die Öffentlichkeit werde noch frühzeitig in dieser Woche informiert.

CSU-Chef Erwin Huber verließ um Punkt elf Uhr die Parteizentrale. "Ist doch klar, dass intensive Gespräche stattfinden", sagte er schmallippig. Christine Haderthauer will gar nichts sagen. Mit versteinertem Blick strebt sie schnell ihrem schweren Dienst-Audi zu, sagt "Schönen Abend", der Chauffeur tritt aufs Gaspedal - und ein Kameramann kann gerade noch zur Seite springen.

Huber und Haderthauer - beide scheinen an diesem Abend ihre Posten verloren zu haben. Beckstein könnte in diesem Szenario ein Ministerpräsident des Übergangs sein und Seehofer den Vorsitz übernehmen.

Ein anderes Szenario: Der doppelte Seehofer. Der bisherige CSU-Vize übernähme demnach Vorsitz und Staatskanzlei. Die Bewegung geht vom CSU-Bezirksverband Oberbayern aus. Mehrere oberbayerische CSU-Politiker wollen erreichen, dass neben Huber und Haderthauer auch Beckstein zurücktritt, hieß es in informierten Kreisen. Allerdings hätte ein Regierungschef Seehofer außerhalb Oberbayerns kaum Unterstützer.

Mehrere Oberbayern hatten wohl erwartet, dass Beckstein und Huber bei der Sitzung des Vorstands von sich aus ihren Rückzug bekannt geben würden.

Am Dienstagmorgen jedenfalls tagt in München das bayerische Kabinett unter Beckstein und die CSU-Landesgruppe kommt in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Zeitlich vor diesen beiden Terminen ist mit einer Erklärung Hubers zu rechnen.

Mit dpa

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