Debatte über CSU-Vorsitz Stoiber wendet sich gegen Seehofer

CSU-Chef Seehofer ist angezählt - und Bayerns Ministerpräsident Söder lauert auf die Chance, dessen Nachfolge anzutreten. Unterstützung erhält er einem Medienbericht zufolge nun vom Ehrenvorsitzenden Stoiber.
Horst Seehofer

Horst Seehofer

Foto: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Den Sonntag über trifft sich CSU-Chef Horst Seehofer mit seinen bayerischen Bezirksvorsitzenden in München. Offiziell geht es unter anderem darum, wen die Christsozialen ins neue bayerische Kabinett unter Ministerpräsident Markus Söder schicken. Doch möglicherweise geht es auch um die politische Zukunft von Seehofer selbst.

Der frühere bayerische Ministerpräsident und CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber ist der Ansicht, Horst Seehofer solle sein Amt als CSU-Vorsitzender aufgeben. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" schlug er vor, die Positionen des bayerischen Regierungschefs und des CSU-Vorsitzenden zusammenzulegen.

Ergo: Seehofer verzichtet auf seinen Parteivorsitz - und Ministerpräsident Söder übernimmt dessen Amt. Der 77-jährige Stoiber ist als Förderer der politischen Karriere von Söder bekannt. Auch weitere CSU-Politiker vertreten der "FAS" zufolge diese Auffassung, darunter Hans Michelbach, Vorsitzender der Mittelstands-Union.

Seehofer droht angeblich mit Rückzug von beiden Ämtern

"Als Franz Josef Strauß zugleich bayerischer Ministerpräsident und Vorsitzender der CSU war, wurden alle wesentlichen Entscheidungen in der Bundespolitik von ihm mit geprägt", begründete Stoiber seine Aussage. "Er nahm Einfluss über die Runde der Parteivorsitzenden. Wenn man das Amt des Ministerpräsidenten von dem des Parteivorsitzenden trennt, ist das schwächer." Über den Weg zum Wechsel sagte Stoiber: "Ich nehme an, dass es einen Sonderparteitag geben wird."

Söder selbst zeigt nach SPIEGEL-Informationen immer mehr Interesse an dem Job. Auf Nachfragen von Parteifreunden via SMS, ob er Seehofer als Parteivorsitzender beerben will, antwortet er: "Wenn ihr das so wollt ."

Ohne den Parteivorsitz der CSU will Seehofer nach einem Zeitungsbericht aber auch nicht länger Innenminister bleiben. Man könne vielleicht noch einige Monate weiterarbeiten, aber ein "Durchwursteln" auf diesem Posten in der GroKo werde es mit ihm nicht geben, zitiert die "Bild am Sonntag" enge Vertraute Seehofers. Dieser wolle bei der Nachfolgeregelung und der Erneuerung der CSU eine einvernehmliche Lösung in der Partei. Sollte es diese nicht geben, wolle er einen klaren Schlussstrich ziehen - in beiden Ämtern.

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dop/dpa