SPIEGEL-Videointerview Stoiber rät Söder von Kanzlerkandidatur ab

Seit Längerem wird über eine mögliche Kanzlerkandidatur von Markus Söder spekuliert. Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber hat eine andere Empfehlung für den bayerischen Landeschef.
CSU-Ehrenvorsitzender Stoiber

CSU-Ehrenvorsitzender Stoiber

Foto: Tobias Hase/ dpa

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von einer Kanzlerkandidatur im kommenden Jahr abgeraten. "Meine Empfehlung bleibt: Dieses Land Bayern jetzt stabil halten, es an Platz eins zu halten und dann vor die Bayern zu treten bei der nächsten Landtagswahl", sagte Stoiber in einem Videointerview dem SPIEGEL. Stoiber ergänzte: "Aber das muss er selbst entscheiden."

Zuletzt war über eine mögliche Kanzlerkandidatur Söders spekuliert worden, dessen Beliebtheitswerte seit Beginn der Coronakrise stark gestiegen sind, und der in Umfragen zum Teil weit vor anderen potenziellen Kanzlerkandidaten wie Armin Laschet oder Friedrich Merz liegt.

Der langjährige bayerische Ministerpräsident lobte Söder zugleich für dessen Auftreten in der Coronakrise. "Die Ministerpräsidenten spielen gerade eine wichtige Rolle", betonte Stoiber. Und dass "der präziseste und auch wohl besonnenste Markus Söder ist", sei "eine Anerkennung für seine Art und Weise, Politik zu betreiben".

Dass Söder ein Bayer und CSU-Vorsitzender ist, sei kein Hindernis, um später einmal Bundeskanzler zu werden, erklärte Stoiber. Auf eine entsprechende Nachfrage sagte er: "Bestimmt nicht!" Stoiber war im Jahre 2002 als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen gegangen und hatte knapp gegen Gerhard Schröder (SPD) verloren.

Stoiber plädiert für Großzügigkeit gegenüber anderen EU-Staaten

Stoiber verglich die aktuelle Krise mit der Zeit unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs. "Wir haben jetzt eine Zeit aus dem Lockdown herauszukommen, die ein Stück vergleichbar ist mit dem Wiederaufbau der Bundesrepublik", sagte Stoiber. Damals sei Deutschland innerhalb von 20 Jahren wieder ein starkes wirtschaftliches Land geworden. 

Stoiber plädierte zudem für Großzügigkeit gegenüber den am schwersten von der Krise betroffenen Staaten Europas. Mit Blick auf das geplante 500 Milliarden umfassende Wiederaufbauprogramm der EU sagte er: "In diesem Fall ist es gerechtfertigt, dass ein Kredit aufgenommen wird, der von den Mitgliedstaaten zurückgegeben werden muss - allerdings ich muss das der Bevölkerung auch deutlich sagen: Da haften wir auch. Von den 500 Milliarden müssen die Deutschen dann 135 Milliarden schultern. 

Das Videogespräch mit SPIEGEL-Redakteur Markus Feldenkirchen wurde am heutigen Dienstag aufgezeichnet und wird ab 19 Uhr auf SPIEGEL.de gesendet.

mfk/asc
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