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13. November 2017, 11:29 Uhr

Machtkampf in der CSU

Ex-Parteichef Huber kritisiert angeschlagenen Seehofer

"Die Demokratie kennt keine Erbhöfe, die man weitergeben kann": Erwin Huber attackiert Horst Seehofer und warnt den CSU-Chef vor einem Alleingang bei der personellen Neuausrichtung der Partei.

Vor wenigen Tagen erklärte Horst Seehofer öffentlich, das innerparteiliche "Trommelfeuer" gegen ihn sei während der Sondierungsgespräche schädlich. Genützt hat es nichts: Nun meldet sich der frühere CSU-Chef Erwin Huber zu Wort und warnt Seehofer vor einem Alleingang bei der personellen Neuausrichtung der Christsozialen. "Die Demokratie kennt keine Erbhöfe, die man weitergeben kann", sagte er im Bayerischen Rundfunk. Die Entscheidungen, die nun anstünden, würden demokratisch in den zuständigen Parteigremien gefällt.

Seehofer hatte zuletzt angekündigt, nach Abschluss der Sondierungsphase in Berlin zu sagen, welche künftige Formation er sich für seine Partei vorstelle. Huber sagte, Seehofer solle "jetzt nicht den Anspruch haben, alle Personalentscheidungen und alle Weichenstellungen für die Zukunft der Partei vorzugeben".

Nach der Schlappe bei den Bundestagswahlen hatten Bayerns Finanzminister Markus Söder und der Landesverband der Jungen Union eine Debatte über einen Rückzug von Seehofer vom Posten des Parteichefs forciert. Seehofer wiederum machte seine internen Widersacher für die schlechten Umfragewerte der Partei verantwortlich. CSU-Vize Ilse Aigner beklagte vor dem Hintergrund dieses Machtkampfs das "katastrophale" Bild, das ihre Partei gegenwärtig abgebe.

Für Seehofer sieht der nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl 2008 gestürzte Huber offenbar keine Zukunft mehr. "Ein Weiter so wird es nicht geben - das Wahlergebnis wird zu Konsequenzen führen." Dabei befürwortete Huber das zuletzt diskutierte Modell, die Ämter des Parteivorsitzenden und des Ministerpräsidenten zu trennen.

dop/AFP

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