Machtkampf in der CSU Ex-Parteichef Huber kritisiert angeschlagenen Seehofer

"Die Demokratie kennt keine Erbhöfe, die man weitergeben kann": Erwin Huber attackiert Horst Seehofer und warnt den CSU-Chef vor einem Alleingang bei der personellen Neuausrichtung der Partei.

Erwin Huber (Archiv)
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Erwin Huber (Archiv)


Vor wenigen Tagen erklärte Horst Seehofer öffentlich, das innerparteiliche "Trommelfeuer" gegen ihn sei während der Sondierungsgespräche schädlich. Genützt hat es nichts: Nun meldet sich der frühere CSU-Chef Erwin Huber zu Wort und warnt Seehofer vor einem Alleingang bei der personellen Neuausrichtung der Christsozialen. "Die Demokratie kennt keine Erbhöfe, die man weitergeben kann", sagte er im Bayerischen Rundfunk. Die Entscheidungen, die nun anstünden, würden demokratisch in den zuständigen Parteigremien gefällt.

Seehofer hatte zuletzt angekündigt, nach Abschluss der Sondierungsphase in Berlin zu sagen, welche künftige Formation er sich für seine Partei vorstelle. Huber sagte, Seehofer solle "jetzt nicht den Anspruch haben, alle Personalentscheidungen und alle Weichenstellungen für die Zukunft der Partei vorzugeben".

Nach der Schlappe bei den Bundestagswahlen hatten Bayerns Finanzminister Markus Söder und der Landesverband der Jungen Union eine Debatte über einen Rückzug von Seehofer vom Posten des Parteichefs forciert. Seehofer wiederum machte seine internen Widersacher für die schlechten Umfragewerte der Partei verantwortlich. CSU-Vize Ilse Aigner beklagte vor dem Hintergrund dieses Machtkampfs das "katastrophale" Bild, das ihre Partei gegenwärtig abgebe.

Für Seehofer sieht der nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl 2008 gestürzte Huber offenbar keine Zukunft mehr. "Ein Weiter so wird es nicht geben - das Wahlergebnis wird zu Konsequenzen führen." Dabei befürwortete Huber das zuletzt diskutierte Modell, die Ämter des Parteivorsitzenden und des Ministerpräsidenten zu trennen.



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dop/AFP

insgesamt 28 Beiträge
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velence 13.11.2017
1. Seehofer scheiter an Selbstüberschätzung
Nun hat wohl in Bayern die Götterdämmerung begonnen und das Ende der Regentschaft Seehofers steht kurz vor dem Finale. Huber hat Recht, es werden keine Erbhöfe vergeben und in derr Demokratie entscheidet die Basis. Tschüss Horst kann man da nur sagen.
beliebig 13.11.2017
2. Realitätsverlust
Leider ist es bei nahezu allen gehoben Positionen in einer hierarchischen Struktur immer wieder zu erleben, dass die Personen jeglichen Bezug zur Realität verlieren. Ob jetzt Seehofer, Schulz und wie sie alle heißen, oder auch die "Manager" in der Industrie, sie alle werden nehmen erst dann den Hut, wenn es viel zu spät ist und der Karren an die Wand gefahren ist. Und so wird auch der Seehofer Horst erst gehen, wenn der Schaden der Partei ein katastrophales Ausmaß angenommen hat. Und selbst dann wird er es immer noch nicht kapiert haben, dass es an ihm gelegen hat. Aber eines hat er erfolgreich geschafft: Seine ganzes Engagement hat er daran gesetzt, zu verhindern, dass ein nur halbwegs brauchbarer Nachfolger aufgebaut werden konnte. So hält er sich vielleicht ein paar lausige Tage länger, aber dafür gehts hinterher umso schneller den Berg hinab. Schade für Bayern!
isi-dor 13.11.2017
3.
Huber hat zwar Recht, aber es spricht nicht gerade für die derzeitige Politkamarilla, dass man das erwähnen muss. Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
FraCo 13.11.2017
4. Warum
gibt es keine Erhebung darüber, wie ein Wahlergebnis ohne Merkel und Seehofer aussehen würde.
s.l.bln 13.11.2017
5. Wie schön
Ich sehe der CSU bei der Selbstdemontage nicht weniger gerne zu, wie der AFD. Sowohl Seehofer als auch Söder haben Schwierigkeiten, weiter als bis ans Ende der eigenen Nasenspitze zu sehen. Blöderweise wird Seehofers ebenfalls profilierungssüchtige Nachfolge bundespolitisch vermutlich nicht weniger Schaden anrichten. Nützen wird es dem bayrischen Ergebnis wohl nichts.Auch in Bayern wird man zukünftig mehr Parteien im Landtag sehen und die Zeiten der Alleinregentschaft sind vorbei.
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