Auszubildende und Studenten CSU fordert verpflichtendes "Deutschland-Praktikum"

Müssen junge Männer und Frauen künftig ein Praktikum bei der Bundeswehr oder einer zivilen Organisation absolvieren? Die CSU will laut einem Medienbericht ein entsprechendes Positionspapier beschließen.

Offiziersschüler in Sachsen: CSU will junge Menschen zu Praktikum bei Bundeswehr verpflichten
Oliver Killig/ DPA

Offiziersschüler in Sachsen: CSU will junge Menschen zu Praktikum bei Bundeswehr verpflichten


Im vergangenen Sommer wurde in Deutschland darüber diskutiert, ob junge Menschen eine Zeit lang für das Wohl der Gesellschaft arbeiten sollten. Nun könnte ein Positionspapier der CSU die Debatte neu entfachen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") berichtet, fordert die Partei in dem Papier ein verpflichtendes "Deutschland-Praktikum" für alle Auszubildenden und Studenten.

Anders als früher bei der Wehrpflicht oder beim Zivildienst soll es dem Bericht zufolge nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen gelten. Das gehe aus dem Positionspapier hervor, das der CSU-Vorstand in Kürze beschließen wolle, berichtet die Zeitung. Offen sei noch, ob es mit dem freiwilligen sozialen Jahr verknüpft werden könnte. Wann dieses Praktikum eingeführt werden und wie lange es dauern soll, steht demnach noch nicht fest.

Wörtlich heißt es laut "SZ" in dem Positionspapier: "Wir wollen darüber hinaus die Einführung eines staatsbürgerlichen Deutschland-Praktikums während der Ausbildungszeit, das bei staatlichen, sozialen, ökologischen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen oder der Bundeswehr absolviert werden kann."

Das Praktikum ermögliche der jungen Generation einen wertvollen Einblick in Berufe, die für die Gesellschaft von besonderer Bedeutung seien, sagte der stellvertretende CSU-Generalsekretär Florian Hahn der "SZ". Hahn habe das Konzept im Auftrag von Parteichef Markus Söder erarbeitet.

Von der Leyen: "Ein guter politischer Impuls"

Das Positionspapier trage den Namen "Bekenntnis zu Bundeswehr und Bündnissen". Die CSU will laut Bericht damit das Ansehen der Bundeswehr innerhalb der Gesellschaft stärken. Bei Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen findet die Idee Zuspruch.

"Der Vorschlag zum Deutschland-Praktikum ist ein guter politischer Impuls, weil er den hohen Wert von Diensten für unser Land und unsere Gesellschaft in den Mittelpunkt der politischen Diskussion rückt", sagte von der Leyen dem SPIEGEL. "Wir freuen uns immer, wenn junge Menschen in Kontakt zur Bundeswehr kommen." Das gehe nicht nur, aber selbstverständlich auch über Praktika, wie sie heute bereits in sehr vielen Dienststellen der Bundeswehr möglich seien.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Union eine Debatte über die Wiedereinführung des Wehrdienstes und die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für junge Menschen angestoßen. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht durch die Hintertür sei jetzt aber nicht vorgesehen, sagte Hahn der "SZ". Dies sei bei der derzeitigen Rechtslage gar nicht möglich. Von einem solchen Praktikum sollen vielmehr staatliche und zivilgesellschaftliche Einrichtungen ebenso profitieren wie die Bundeswehr.

Auch in Frankreich wurde im vergangenen Jahr über eine allgemeine Dienstpflicht für Jugendliche debattiert. Dort ist man allerdings schon weiter. Im Sommer 2019 hat das Kabinett von Staatspräsident Emmanuel Macron die rechtliche Grundlage dafür geschaffen. Noch in diesem Jahr sollen Schüler ab 16 Jahren unabhängig vom Geschlecht zum sogenannten "Service national universel" (SNU), dem universalen Nationaldienst, verpflichtet werden.

Jugendliche sollen dann in einem zweiwöchigen Kurs über ihre bürgerlichen Rechte und Pflichten informiert werden. Anschließend müssen sie zwei Wochen in der Armee, einem Krankenhaus oder einer anderen karitativen Einrichtung hospitieren.

asc/AFP



insgesamt 47 Beiträge
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dachauerthomas 06.05.2019
1. Praktikum
Praktikum soll es jetzt heißen. Hoffentlich lesen das viele Junge Menschen noch vor der Wahl durch und erfahren, wo sie kein Kreuzerl machen sollten. Warum sollen sie hier für die Fehler der alten, konservativen Garde büßen.
dergrosseonkel 06.05.2019
2. Das Töchterlein...
...sagt ganz lieb und freundlich:"Nein Danke! Ich habe besseres zu tun". Recht hat sie!
wizz0r86 06.05.2019
3. Wohl der Gesellschaft
Mein Vorschlag: Wie wäre es wenn die CSU/CDU mit gutem Beispiel voran geht und damit anfängt für das Wohl der Gesellschaft zu arbeiten?
geschädigter5 06.05.2019
4. Ich halte es für wichtiger,
Wenn die Granden der CSU und der cdu zu einem solchen Kurs verpflichtet werden würden. Damit sie sich endlich mal wieder ihr Handeln entsprechend dem GG ausrichten würden. Zum Wohle des Volkes. Und nicht zum Wohle einiger Reicher.
im_ernst_56 06.05.2019
5. Alles nicht neu, sondern nur frisch aufgewärmt
Wieder mal eine tolle Idee aus der Ideenküche der CSU und dabei nicht mal wirklich neu: Schwander, Die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht – ein Treppenwitz aus dem Sommerloch, JuWissBlog Nr. 73/2018 v. 8.8.2018, https://www.juwiss.de/73-2018/ In diesem Zusammenhang darf auch noch mal gefragt werden, warum die jungen Leute in anderen Ländern früher mit dem Studium anfangen und früher mit ihm fertig werden und welchen Vorteil das für die jeweiligen Volkswirtschaften hat, dass sie früher ins Berufsleben einsteigen.
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