CSU-Führungsstreit Abgeordneter fordert Stoibers Rücktritt als Parteichef

Der Widerstand gegen Ministerpräsident Stoiber in der Partei wächst: Jetzt verlangt ein CSU-Abgeordneter aus dem Lager von Verbraucherminister Seehofer erstmals offen seinen Rückzug als Parteichef. Seehofer, bisher CSU-Vize, solle den Spitzenjob übernehmen, forderte Konrad Kobler.


Hamburg - Es wäre "ein Zeichen der Stärke", wenn Stoiber den Vorsitz vor dem Parteitag im kommenden Herbst "zur Verfügung stellen würde", sagte Konrad Kobler der "Financial Times Deutschland". "Auch in der Wirtschaft wird der Übergang ordentlich organisiert", fügte Kobler hinzu.

CSU-Chef Stoiber: Es drohe eine Demontage
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CSU-Chef Stoiber: Es drohe eine Demontage

Als Nachfolger schlug Kobler Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer vor. "Mit einem solchen Schritt würde Stoiber die Partei befrieden und könnte sich den Rückhalt für die Landtagswahl 2008 sichern", sagte Kobler. Andernfalls drohe Stoiber auf dem CSU-Parteitag im Herbst 2007 eine Demontage.

Koblers Forderung gewinnt Brisanz dadurch, dass der Sozialexperte sich schon öfter auf Seehofers Seite gestellt hat. Als vor zwei Jahren die CSU widerwillig mit der CDU einen Kompromiss zu Merkels Kopfpauschale einging, protestierte der CSU-Vizechef und Sozialexperte Horst Seehofer - gegen Stoiber, der mit Merkel verhandelt hatte. Sozialfachmann Kobler sagte damals zu Seehofers Widerstand: "Das ist eine tolle Kiste." Seehofer ist Chef der CSU-Arbeitnehmerorganisation CSA - und einer seiner Stellvertreter heißt Konrad Kobler.

Schon bei der Diskussion um eine Urwahl des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 hatte Kobler dafür plädiert, diesen künftig von der Basis bestimmen zu lassen. Dies wäre eine Stärkung der Demokratie, sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Ein großer Teil der CSU sieht das ganz genauso", meinte Kobler. "In Sachen Demokratie muss der Ministerpräsident noch einiges dazulernen."

In den vergangenen Tagen hatte es einen heftigen Schlagabtausch zwischen Stoiber und der Fürther Landrätin Gabriele Pauli gegeben. Stoibers Büroleiter in der Staatskanzlei, Michael Höhenberger, war Ende vergangener Woche wegen des Vorwurfs zurückgetreten, er habe Paulis Privatleben ausspionieren wollen, um dunkle Punkte aufzuspüren und die Kritikerin so mundtot machen zu können.

bri/AFP



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