CSU-Führungsstreit "In der CSU sind Frauen gleichberechtigte Partner"

CSU-Rebellin Pauli warf Parteichef Stoiber Probleme im Umgang mit Frauen vor. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE hingegen lobt Bayerns Europaministerin und Frauen-Unions-Chefin Emilia Müller das "offene Ohr" Stoibers, berichtet von der weiblichen Nachwuchsarbeit - und spricht von der ersten CSU-Ministerpräsidentin.


SPIEGEL ONLINE: Frau Ministerin, die Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli mutmaßte zuletzt, Edmund Stoiber habe manchmal ein Problem, mit Frauen in der Politik umzugehen. Männer mit einem klassischen Rollenbild könnten oft nicht verstehen, dass Frauen auf gleicher Ebene mit gleicher Kompetenz mitreden. Welchen Eindruck haben Sie da als Vorsitzende der Frauen-Union von Ihrem Parteichef?

Bayerische Frauen-Unions-Chefin Müller: "Haltlose Unterstellungen"
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Bayerische Frauen-Unions-Chefin Müller: "Haltlose Unterstellungen"

Müller: Ich finde bei Edmund Stoiber immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Frauen-Union und für eine frauenfreundliche Politik. Edmund Stoiber hat sich auch immer dafür eingesetzt, dass Frauen in Führungspositionen und in Gremien der Partei besser vertreten sind. Von daher sind die jüngsten Äußerungen von Frau Pauli nicht richtig.

SPIEGEL ONLINE: Wie gefährlich ist es heute für einen Politiker, in den Ruf zu kommen, er nehme Frauen nicht ganz ernst? Heiner Geißler etwa hat mal gesagt, wenn ein Politiker nicht auch die "lieben Wählerinnen" in seine Ansprache miteinbeziehe, habe er schon verloren. Der Vorwurf von Frau Pauli gegen Stoiber ist wesentlich härter.

Müller: Aber er ist komplett falsch. In der CSU sind Frauen gleichberechtigte Partner. Ich finde es schon bedauerlich, dass Gabriele Pauli hier keine sachliche Auseinandersetzung betreibt, sondern mit haltlosen Unterstellungen operiert.

SPIEGEL ONLINE: Die CSU gilt als männerdominiert, zum Beispiel befinden sich unter den 124 CSU-Landtagsabgeordneten nur 24 Frauen. Bei der letzten Bundestagswahl erreichte Ihre Partei bei den über 60-jährigen Frauen zwar deutlich über 50 Prozent in Bayern, bei den 18- bis 45-jährigen aber deutlich weniger. Wie wollen Sie dies ändern?

Müller: Wir in der Frauen-Union tun viel, um gerade junge Frauen für Politik und für die Mitarbeit in der CSU zu interessieren. Zum Beispiel mit unserem Mentoring-Programm, das ein großer Erfolg ist. CSU-Frauen von der Ministerin bis zur Kreisvorsitzenden stellen sich dabei als agierende Mentorinnen für interessierte Frauen zur Verfügung und vermitteln Parteiarbeit ganz persönlich. Die CSU wird weiblicher. Ich bin froh, dass wir unter den Neumitgliedern einen besonders hohen Anteil an Frauen und jungen Menschen haben.

SPIEGEL ONLINE: Warum soll Edmund Stoiber als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2008 antreten und was spricht gegen einen Mitgliederentscheid über seine Kandidatur?

Müller: Die CSU ist basisdemokratisch. Alle Gremien werden von der Basis herauf gewählt. Das geht über alle Ebenen – von der Orts- über die Kreis- und Bezirksebene bis hin zur Landesebene. Die CSU hat hier keinen Nachholbedarf. Wir haben hier ein basisnahes Entscheidungssystem, das sich über Jahrzehnte bestens bewährt hat. Wichtig ist jetzt, dass wir unsere erfolgreiche Arbeit geschlossen mit Edmund Stoiber fortsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Wann gibt es die erste Ministerpräsidentin in Bayern?

Müller: Sie wird in Bayern jedenfalls aus der CSU kommen.

Das Interview führte Sebastian Fischer



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