CSU-Führungsstreit Krisengipfel gescheitert - Machtkrampf tobt

Der CSU steht vor einem monatelangen Machtkampf. Edmund Stoiber ist als Schiedsrichter zwischen Erwin Huber und Horst Seehofer vorerst gescheitert - sofort nach dem Krisengipfel machten die Rivalen klar: Befriedungsversuche interessieren sie nicht.

München - Peter Ramsauer hofft auf eine göttliche Fügung. Als der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag vor der Münchener Staatskanzlei aus dem Fond seines schweren Dienst-BMWs steigt, da rufen ihm die Reporter zu: Was muss denn bloß passieren, damit es endlich eine Einigung gibt? Ramsauer schaut ein wenig ratlos drein. Dann sagt er: "Höhere Eingebungen."

Dummerweise überlässt der Herrgott die CSU derzeit lieber sich selbst - auch heute in der Runde in der Staatskanzlei.

Drei Stunden sitzen sie zusammen, die Granden der Partei aus München, Berlin und sogar Brüssel, um die oft beschworene "einvernehmliche Lösung" zu finden. Wer wird CSU-Chef: Erwin Huber, wie es sich der designierte Ministerpräsident Günther Beckstein wünscht? Oder Horst Seehofer, der sich übergangen fühlt? Noch-Chef Stoiber will bei der Regelung seines Erbes vermitteln. Er scheitert.

Um kurz nach 13 Uhr tritt er vor das Riesenportal des Regierungssitzes, schüttelt sich kurz, reibt sich die Hände. "Eine gute Nachricht vorweg", verkündet der Noch-Ministerpräsident und Noch-Parteichef: "Es hat keine Kämpfe gegeben, es hat keine Verletzungen gegeben." Die schlechte Nachricht: Es hat auch keine Entscheidung gegeben - immer noch nicht.

Der Münchener Machtkampf wird zum Machtkrampf.

Bayerns Wirtschaftsminister Huber und Bundesagrarminister Seehofer haben ihren Hut in den Ring geworfen - und da bleibt er vorerst. Die Bewerber hielten an ihrer Kandidatur fest, sagt Stoiber: "Wir brauchen noch ein wenig Zeit." Nur nichts übers Knie brechen, nur keine Fehler machen, sonst "werden wir das 2008 und 2009 zu spüren bekommen", warnt er mit Blick auf die Wahlen in Bayern und im Bund. In den kommenden zwei, drei Wochen soll es nun weitere Gespräche geben, "in unterschiedlichen Konstellationen", sagt Stoiber.

Es wird überhaupt viel geredet in diesen Tagen in der CSU, unter vier Augen, in kleinen und großen Gruppen, miteinander, gern auch übereinander. So haben es Huber und Seehofer zuletzt getan, sich gegenseitig in Interviews Vorhaltungen gemacht. Jetzt spricht Stoiber von "neu gebildetem Vertrauen" und einer "offenen Aussprache". Nur ist man bei dem Spitzentreffen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE keinen Schritt weitergekommen.

Stoiber sagt, er wolle "alle Köpfe dabei haben", wenn es darum geht, die "beste Mannschaft, die beste Formation" für Bayern und Berlin aufzustellen. Stoiber hat keine Präferenz zwischen Huber und Seehofer erkennen lassen. Er will Schiedsrichter sein. Stoibers Worte sind kaum mehr als Appelle an die eigenen Reihen - vor allem an die beiden Kontrahenten, die Geschlossenheit der CSU nicht weiter aufs Spiel zu setzen.

Womöglich geht das noch Monate so. Letztlich werde der Parteitag am 28. September entscheiden, sagt Stoiber. Das sei schließlich "ein ganz normales demokratisches Verfahren". Doch würde er auf eine Kampfkandidatur am liebsten verzichten: Das wäre das Beste "für Land und Partei". Stoiber: "Ich habe die Sorge, dass es sonst zu Auseinandersetzungen in der Partei kommt." Die CSU steht vor einer Zerreißprobe.

"Niemand will Seehofer ausschließen"

Seehofer ist der Volkstribun. 41 Prozent der CSU-Anhänger wollen ihn an der Parteispitze, ergibt eine Umfrage des GMS-Instituts. Nur 31 Prozent sind für Huber.

Letzterer gibt auf diese Zahlen nichts: Er könne die "gesamte Bandbreite einer Volkspartei repräsentieren", sagt Huber n-tv nach dem Krisentreffen. Kein Wunder. Huber hat den Rückhalt des Vorstands, des Präsidiums, der Landtagsfraktion, auch der Berliner Landesgruppe. Seehofer hat nur seine Fans.

Das Kalkül des Huber-Lagers: Irgendwie muss Seehofer doch zum Verzicht zu bewegen sein. "Niemand will Horst Seehofer ausschließen", sagt Huber. Nur hat Seehofer bisher jedes Kompromissangebot ausgeschlossen. Die Position eines Ersten Stellvertreters unter Huber? Ein Sitz im Berliner Koalitionsausschuss? Seehofer interessiert das nicht mal im Ansatz.

Er hat keine Eile. Horst Seehofer verlässt den Gipfel wortlos, meldet sich erst Stunden später per Interview in seiner Ingolstädter Heimatzeitung, dem "Donaukurier". "Eine partnerschaftliche Lösung" wolle auch er, sagt er. "Sicher bin ich mir nicht und kann sich niemand sein. Denn wir stehen in der CSU an einer Weggabelung." Die komplizierten Gespräche seien "der Schwierigkeit der Situation angemessen".

Wolkige Worte. Die Botschaft: Seehofer gibt nicht auf. Er fühlt sich nicht in Zugzwang - und gibt das auch zu verstehen: "Da wurde auf niemanden Druck ausgeübt, auch nicht auf mich."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.