CSU-Führungsstreit Pauli will sich bei Parteiklausur Stoiber stellen

Kommt es bei der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth zu einem Aufeinandertreffen zwischen Edmund Stoiber und dem mutmaßlichen Spitzelopfer Gabriele Pauli? Die Fürther Landrätin will eine Aussprache mit dem Parteichef - unterdessen werden Rücktrittsforderungen gegen Stoiber lauter.


Hamburg - Gabriele Pauli hat der christsozialen Landesgruppe im Bundestag angeboten, sich im Januar in Kreuth der von ihr betriebenen Führungs-Diskussion um CSU-Chef Edmund Stoiber zu stellen. "Ich habe kein Problem damit, nach Kreuth zu fahren und mich der Diskussion zu stellen", sagte Pauli der "Bild"-Zeitung. Pauli wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten vor, er habe ihr Privatleben ausforschen lassen. Sie fügte hinzu: "Ich habe keine Angst vor einer Aussprache mit Edmund Stoiber."

Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli: "Keine Angst vor einer Aussprache mit Edmund Stoiber"
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Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli: "Keine Angst vor einer Aussprache mit Edmund Stoiber"

Auch CSU-Bundestagsabgeordnete befürworten ein klärendes Gespräch zwischen der Stoiber-Kritikerin und dem Ministerpräsidenten in Wildbad Kreuth. Bartholomäus Kalb sagte dem Blatt: "Ich habe nichts dagegen, wenn Frau Pauli nach Kreuth kommt." Vielleicht ließen sich Stoiber und Pauli aber auch vom Kreuther Geist inspirieren und legten ihren Streit endlich bei.

Der CSU-Abgeordnete Eduard Lintner findet ebenfalls, dass es an der Zeit ist für ein Treffen der CSU-Rebellin mit Stoiber: "Beide sollten jetzt aufeinander zugehen - wo auch immer ein solches Gespräch zustande kommen kann." Der Konflikt habe eine solche Dimension angenommen, dass man die Sache nicht mehr laufen lassen könne.

Dagegen ist der Führung der CSU-Landesgruppe Gabriele Pauli als Gast nicht willkommen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Hartmut Koschyk, betonte: "Kreuth ist für diese Diskussion der falsche Ort." Man beschäftige sich dort nicht mit dem Innenleben der CSU, sondern mit dem bundespolitischen und europapolitischen Anspruch der Partei.

Unterdessen wächst der parteiinterne Widerstand gegen Stoiber: Der bayerische Landtagsabgeordnete Konrad Kobler hat den CSU-Chef aufgefordert, 2007 den Parteivorsitz abzugeben. Es wäre ein Zeichen der Stärke, wenn Stoiber vor dem Parteitag im nächsten Jahr den Vorsitz zur Verfügung stellen würde, sagte der CSU-Politiker der "Financial Times Deutschland". Auch in der Wirtschaft werde der Übergang ordentlich organisiert. Als Nachfolger schlug er Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer vor.

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer forderte unterdessen ein Ende des parteiinternen Streits zwischen Stoiber und Pauli. Das Zerwürfnis drohe dem Ansehen der CSU auf Bundesebene zu schaden, sagte Ramsauer der Chemnitzer "Freien Presse".

hen/ddp/AP



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