Andreas Scheuer CSU-Politiker kritisieren eigenen Generalsekretär nach Senegalesen-Äußerung 

Das Schlimmste sei ein "fußballspielender, ministrierender Senegalese" - denn den "kriegen wir nie wieder los". Mit dieser Äußerung ist CSU-Generalsekretär Scheuer auch nach Meinung eigener Parteikollegen zu weit gegangen.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer
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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer


Die Äußerung von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer über abgelehnte Asylbewerber, die sich integriert haben, stößt nun auch bei Parteikollegen auf Unverständnis. "Wir müssen Obacht geben, dass wir, wenn wir konservative Wähler wollen, nicht die kirchlichen Wähler verprellen", sagte der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel der "Augsburger Allgemeinen".

Der langjährige CSU-Landtagsfraktionschef Alois Glück warnte vor einem "gefährlichen Entfremdungsprozess" zwischen der CSU und sozial engagierten Bürgern. Er höre immer öfter von in der Flüchtlingshilfe engagierten Katholiken, sie wüssten nicht mehr, wem sie bei der nächsten Landtagswahl in Bayern ihre Stimme geben sollten. "Die Gesamtpartei leidet immer wieder unter der Sprache einiger ihrer Akteure", fügte Glück hinzu.

Scheuer hatte in der vergangenen Woche gesagt, "das Schlimmste" sei "ein fußballspielender, ministrierender Sengalese, der über drei Jahre da ist - weil den wirst Du nie wieder abschieben. Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht, sondern der ist Wirtschaftsflüchtling."

Dafür war er bereits in Kirchenkreisen heftig kritisiert worden. Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann warf Scheuer in der "Main-Post" "beleidigendes Denken" vor. (Lesen Sie hier einen Kommentar zu den Äußerungen Scheuers.)

Harsche Kritik aus der Kirche

Empört äußerte sich auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. "Diese Tonlage ist nicht hilfreich für die Integration Hunderttausender Flüchtlinge", sagte Marx. Mit Blick auf die politische Debatte warnte er davor, Ressentiments gegen andere Kulturen und Religionen zu schüren. Die vielen in Deutschland lebenden Migranten brauchten das Gefühl, willkommen zu sein.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte zu den Scheuer-Äußerungen: "So redet man nicht über Menschen", solche Sätze seien "Futter für Rechtspopulisten", sagte der bayerische Landesbischof dem Evangelischen Pressedienst. Wenn Flüchtlinge sich am gesellschaftlichen Leben beteiligen, könne man das nur begrüßen. Dass die Asylverfahren so lange dauerten, könne den Flüchtlingen nicht vorgeworfen werden.

Scheuer hatte nach Lautwerden der Kritik an seinem Satz von einer bewussten Zuspitzung gesprochen und gesagt: "Im Zusammenhang ging es um die Schwierigkeit, abgelehnte Bewerber nach einem abgeschlossenen, rechtsstaatlichen Verfahren wieder zurückzuführen, wenn diese sich über einen längeren Zeitraum hier aufhalten."


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde ein Zitat von Scheuer so wiedergegeben: "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre in Deutschland - als Wirtschaftsflüchtling - den kriegen wir nie wieder los." Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE hat die "Mittelbayerische Zeitung" das Zitat inzwischen korrigiert. Scheuer sagte tatsächlich : "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Sengalese, der über drei Jahre da ist - weil den wirst Du nie wieder abschieben. Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht, sondern der ist Wirtschaftsflüchtling." Wir haben die Textpassagen entsprechend korrigiert.

anr/dpa



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