CSU-Generalsekretär Söder Showdown für den Stoiberianer

Huber oder Seehofer - darum dreht sich derzeit alles in der CSU. Allerdings stehen noch andere Karrieren auf dem Spiel, zum Beispiel jene von Generalsekretär Söder. Er gibt sich "ganz relaxt", aber es wird eng für ihn.

Von , München


München - Während Edmund Stoiber in den Tagen nach seiner Kapitulation vorm Kreuther Ansturm der kritischen CSU-Mandatare regelrecht aufblühte, Witzchen riss und sich so locker wie selten gab, baute Markus Söder sichtlich ab.

CSU-Generalsekretär Söder: "Immer wenn ich was sage, flippen hier alle aus!"
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CSU-Generalsekretär Söder: "Immer wenn ich was sage, flippen hier alle aus!"

Der CSU-Generalsekretär galt manchen in der Partei als gar zu liebedienerischer Gefolgsmann Stoibers. Als einer, der keine Hausmacht hat, sondern nur den Parteivorsitzenden als Schutz- und Schirmherr. Deshalb galt eigentlich: Wenn Stoiber fällt, stürzt auch Söder.

Am 18. Januar verkündete Stoiber seinen Rückzug vom Staats- und Parteiamt zum September. Drei Tage danach musste Markus Söder bei "Sabine Christiansen" in der ARD ran, um sich von FC-Bayern-Manager und Stoiber-Fan Uli Hoeneß sagen zu lassen, er habe sich in den letzten Wochen ja nicht sonderlich für Stoiber eingesetzt.

"Ich habe mich mein ganzes Leben für Stoiber eingesetzt"

Es ging in diesem Moment schon längst nicht mehr um Edmund Stoiber und das Ende einer politischen Karriere. Es ging um die politische Zukunft seines Ziehsohnes. Es ging um Markus Söder. Und dem platzte der Kragen: Er finde diese Vorwürfe unfair, er habe sich sein "ganzes Leben für Edmund Stoiber eingesetzt", und er bleibe auch "mein Leben lang Stoiberianer". Überhaupt: "Immer wenn ich was sage, flippen hier alle aus!"

Man erlebte in dieser ersten Zeit nach Stoibers Ende einen grimmig dreinblickenden Söder, einen, der den Menschen draußen ständig die Führungsquerelen seiner Partei erklären musste, dabei aber nicht wusste, was aus ihm selbst werden wird. Dann folgte eine lethargische Phase. Wo er sonst eher lässig im Landtagsgestühl lümmelte, hing er nun abgespannt durch.

Klar ist: Egal ob der CSU-Parteitag im September Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber oder Bundesagrarminister Horst Seehofer zum neuen Vorsitzenden wählt, Markus Söder hat bei keinem der beiden eine garantiertes Bleiberecht fürs Amt des Generalsekretärs. "Alle Personalfragen werden erst ab Oktober geklärt, wenn die Führungsfrage in der CSU geregelt ist", sagt Söder zu SPIEGEL ONLINE. Er "arbeite da, wo man mich hinstellt".

Söders möglicher Vorteil: die im kommenden Jahr anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen. Von Söder-Getreuen ist zu vernehmen, dass ein neuer Generalsekretär doch kaum Zeit hätte, sich genügend einzuarbeiten, um die nahenden Herausforderungen zu stemmen. Söder selbst sagt zu SPIEGEL ONLINE: "Bereits jetzt bereiten wir die Kommunal- und Landtagswahl fürs nächste Jahr vor."

Doch mögliche Söder-Nachfolger im Amt des Generalsekretärs werden in Parteikreisen bereits genannt: Aus dem bayerischen Landtag die 44-jährige Ingolstädterin Christine Haderthauer, aus dem Bundestag die Abgeordneten Georg Fahrenschon (39, Vize-Vorsitzender der CSU-Grundsatzprogramm-Kommission) und Alexander Dobrindt (36). Sollte Landespolitiker Huber Parteichef werden, sind Fahrenschon und Dobrindt wegen des Proporzes als Bundespolitiker im Vorteil.

"Jeder trägt seine eigenen Schuhe"

Erwin Huber selbst war auch einmal Generalsekretär. Zwar wurde er einst von CSU-Chef Franz Josef Strauß eingesetzt, doch übernahm ihn Strauß-Nachfolger Theo Waigel. Ein Beispiel für Söder? Huber erklärte in dieser Woche auf entsprechende Fragen: "Jeder trägt seine eigenen Schuhe." Und mit Bezug auf Stoibers Personal fügte er hinzu, er werde "nicht in die Schuhe großer Vorsitzender hineinschlüpfen". "Personelle Vorentscheidungen" gebe es nicht, so Huber.

Unter einem Vorsitzenden Seehofer, das gilt als ausgemacht, hätte Söder erst recht keine Chance auf Verbleib im Posten des Parteimanagers. Zuletzt lieferten sich die beiden am Freitag ein Scharmützel.Der Unterschied zwischen Huber und Seehofer sei, dass es in der CSU zwar nicht nur "Huber-Euphoriker" gebe, Seehofer hingegen echte Gegner habe, etwa in der Wirtschaft, wurde Söder von der "Passauer Neuen Presse" zitiert.

Seehofer reagierte in der "Rheinischen Post" - und wandelte Söders Zitat leicht ab: "Einfach anonym zu sagen, 'Seehofer hat echte Gegner aus dem Bereich der Wirtschaftspolitik', ohne auch nur einen einzigen Namen zu nennen, das hat mit Fairness nichts zu tun." Er habe für Söders Verhalten "kein Verständnis", so Seehofer. Dem "Münchner Merkur" diktierte er, man wolle ihn "als Person und Politiker beschädigen". Dies sei "keine Medienkampagne, sondern sie wird von bestimmten Leuten gespeist".

Kein Verständnis für "den Horst"

Söder sagte am Freitag, er "verstehe den Horst nicht". Es sei "keine Wahlempfehlung, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme der Stimmung in der Partei" gewesen. Er halte sowohl Huber als auch Seehofer für gute Kandidaten.

Was Söder nicht sagt: Natürlich steht er Huber näher. Mit ihm teilt er das konservative Profil, das beide dieser Tage betonen. "Wir müssen den Wertkonservativen eine Heimat bieten", sagte Huber am Mittwoch in München. Söder sagte dem "Focus", die Unionsparteien müssten "Hüter des konservativen Tafelsilbers" sein.

Markus Söder betreibt Profilbildung. Zu lange galt er nur als Stoibers Lautsprecher und Wadlbeißer. Mit harten Themen sucht er nun seine Karriere abzusichern. Im vergangenen November hat er seiner Partei ein Zwölf-Seiten-Papier zu Klimaschutz, gesunden Lebensmitteln und Tierschutz zusammengeschrieben. Er hat - gegen den zuständigen Minister Seehofer - eine kritische Haltung zur grünen Gentechnik entwickelt und ein fünfjähriges Moratorium gefordert. Nach anfänglicher Zurückhaltung scheint die Parteispitze - insbesondere nach der jüngsten UN-Studie zum bedrohlichen Klimawandel - auf Söders grünen Kurs einzusteigen. Bezüglich der Umwelt-Thematik hat Söder schon mal den schönen Satz formuliert: "Wenn Inhalt politischen Nutzen bringen kann, dann ist das ein Gewinner-Thema." Es läuft ganz gut: Noch-Parteichef Stoiber sieht die CSU in der "Welt" auf dem Weg zur konservativ-ökologischen Volkspartei.

"Grüner Markus"

Das verbucht Söder als Erfolg für sich: "Mich freut es, dass die CSU auf dem Weg ist, eine ökologische Partei zu werden." Man habe den Klimaschutz "in den letzten zehn bis 15 Jahren unterschätzt". Jetzt setzt Söder auf die Förderung von erneuerbaren Energien und Wasserstofftechnologie sowie steuerliche Anreize und spricht vom Umweltschutz als zentralem Wirtschaftsthema. Für energiesparende Gebäudesanierung schlägt er einen Rabatt auf die Erbschaftssteuer vor. Privat suche er gerade nach einem Wasserstoffauto, so Söder. Andererseits beharrt er dabei auf alten CSU-Positionen, was die Grünen spotten ließ, Söder spiele nur eine Rolle im Fasching: Atomkraftwerke sollen erstmal weiter laufen und über ein Tempolimit auf Autobahnen will Söder nicht reden.

In Bayerns Umweltministerium reagiert man derweil etwas nervös auf den "grünen Markus". Die Avancen des 40-Jährigen scheinen offensichtlich - und CSU-Amtsinhaber Werner Schnappauf gilt nach den vergangenen Gammelfleisch-Skandalen als angeschlagen.

Ein Wechsel Söders ins bayerische Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein - mit dem er sich gut versteht - könnte allerdings aus Gründen des Regionalproporzes schwierig werden: Wie Beckstein ist der Nürnberger Söder Mittelfranke, auch Fraktionschef Joachim Herrmann stammt aus dieser Gegend. Die Oberbayern, die mit Stoiber bisher den Ministerpräsidenten stellen konnten, fürchten den Verlust ihres Einflusses.

Markus Söder wirkt einen Monat nach dem politischen Ende seines Ziehvaters nicht mehr derart angeschlagen wie damals bei "Christiansen". Mit 40 Jahren sei er "jung genug, um mir vorstellen zu können, auch mal etwas anderes zu machen", sagt er SPIEGEL ONLINE. Er sehe "das sehr relaxt".



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