CSU-Generalsekretärin Haderthauer "Es braucht Unterweisung in christlich-abendländischer Tradition"

Wie groß darf eine Moschee sein? Welche Werte gelten? Und welche Loyalitäten? Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer über Fragen, die auf der Islamkonferenz - noch - nicht beantwortet wurden.


SPIEGEL ONLINE: Auf Initiative von Innenminister Schäuble hat sich die Islam-Konferenz heute auf islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen geeinigt. Eine taugliche Idee?

Haderthauer: Ja, aber nur unter gewissen Voraussetzungen. Die Lehrpläne muss unser Staat aufstellen, und nur staatlich geprüfte deutsche Lehrer dürfen unterrichten. Wir müssen die Hoheit über die Inhalte haben.

CSU-Generalsekretärin Haderthauer: "Wer es zu etwas bringen will, muss sich an unsere Spielregeln halten"
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CSU-Generalsekretärin Haderthauer: "Wer es zu etwas bringen will, muss sich an unsere Spielregeln halten"

SPIEGEL ONLINE: Sie sind eher zurückhaltend ...

Haderthauer: … ich sehe es differenziert. Es ist nicht schlecht, wenn muslimische Schüler Islamunterricht bekommen - aber sie müssen auch lernen und wissen, warum wir etwa Weihnachten oder Ostern feiern. Sie brauchen eine Unterweisung in christlich-abendländischer Tradition und Kultur.

SPIEGEL ONLINE: Also ein zusätzliches Unterrichtsfach "Christliche Werte" für Muslime?

Haderthauer: Ich fordere einen speziellen Werte-Unterricht für Kinder mit Migrationshintergrund. Ob das jetzt ein zusätzliches, eigenes Fach ist oder ob das in Geschichte, Heimat- oder Sachkunde einzubauen ist, das sollen die Fachleute entscheiden. Wichtig ist: Wir müssen Kinder aus Zuwandererfamilien besser mit unseren geistigen und kulturellen Grundlagen ausrüsten.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt wolkig. Konkret?

Haderthauer: An der Türkei und anderen Staaten der islamischen Welt ist das Zeitalter der Aufklärung spurlos vorüber gegangen. Die haben diese ideengeschichtliche Revolution, die Trennung von Staat und Religion, nicht in der Weise mitgemacht wie wir. Auf diesem Denken baut unsere Kultur auf. Das müssen wir schon den Kindern vermitteln. Oder die christlichen Traditionen. Wir müssen erklären, warum uns Weihnachten, Ostern und Pfingsten heilig sind.

SPIEGEL ONLINE: Sollen die Migranten deutsche Weihnachtslieder singen und Ostereier suchen?

Haderthauer: Ob er diese Feste mitbegeht, soll bitte jeder selbst entscheiden. Aber wer bei uns lebt, muss sich in unserer Kultur auskennen, muss wissen, warum hier das Grundgesetz, warum die Gleichberechtigung von Mann und Frau gilt und welche Sitten und Gebräuche bei uns herrschen. Wir respektieren ja auch, dass man sich am Strand eines islamisch geprägten Landes nicht entblößen sollte.

SPIEGEL ONLINE: Konservative Vertreter der organisierten Muslime lehnten es im Vorfeld der Islam-Konferenz ab, sich zu einer deutschen Werteordnung zu bekennen.

Haderthauer: Wenn sich Migranten integrieren, haben sie die besten Chancen in Deutschland. Wer es zu etwas bringen will in dieser Gesellschaft, der muss sich an unsere Spielregeln halten. Das müssen wir den Vertretern der Muslime klar machen. Wer meint, gegen unsere Werte leben zu können, wird sich schwer tun mit sozialem Aufstieg und gesellschaftlicher Anerkennung.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Partei fällt durch eine abwehrende Haltung auf. Zum Beispiel mit der Forderung, eine Moschee dürfe nicht höher sein als die örtliche Kirche - das ist doch defensives Klein-Klein.

Haderthauer: Nein, das ist sehr wichtig! Wir müssen die in die Schranken weisen, die mit überdimensionierten Moscheen Machtansprüche zementieren wollen und damit das Miteinander der Menschen erschweren. Denen geht es im Zweifel nicht um Integration, sondern um Macht und Konfrontation. Wir dürfen da nicht naiv und blauäugig sein.

SPIEGEL ONLINE: Machtanspruch drückt sich in Minarett-Metern aus?

Haderthauer: Ja, natürlich. So wird es von den Menschen verstanden. Viele Bauwerke dokumentieren doch Machtansprüche.

SPIEGEL ONLINE: In der Zwischenbilanz der Islamkonferenz dagegen heißt es, der Moscheebau sei "ein wichtiger Schritt zur Integration des Islam in Deutschland". Die scheinen da weiter zu sein als die CSU.

Haderthauer: Moment. Es kommt in dieser Frage immer auf die Dimensionen an. Geht es beim Bau einer Moschee vorrangig um den Machtanspruch oder um die Religionsausübung. Den Machtanspruch wollen wir nicht, das Gebetshaus respektieren wir selbstverständlich. In meiner Heimatstadt Ingolstadt gibt es eine Moschee, die sich bestens ins Stadtbild einfügt, da funktioniert das Miteinander.

SPIEGEL ONLINE: Wünschen Sie sich weitere Moscheen zur besseren Integration, wie es die Islamkonferenz nahe legt?

Haderthauer: Wenn Muslime das möchten, sollten sie Moscheen bauen dürfen. Es wäre aber schön, wenn die Christen in der Türkei dort auch Kirchen errichten dürften.

SPIEGEL ONLINE: Nach einer in der "Zeit" veröffentlichten Umfrage fühlen sich 85 Prozent der Türken mit deutschem Pass nicht durch Kanzlerin Merkel vertreten. Vermittelt die Politik deutschen Muslimen kein Heimatgefühl?

Haderthauer: Die Deutsch-Türken sind sicher ein Sonderfall. Es gibt viele, mit denen wir ein gutes Miteinander in Deutschland haben. Aber es gibt auch andere Fälle: die türkische Familie, die seit Jahrzehnten hier lebt, und die Frau spricht noch immer nicht Deutsch. Das gibt’s doch bei kaum einer anderen Volksgruppe. Manchmal fordert die Politik dies vielleicht nicht entschieden genug ein.

SPIEGEL ONLINE: Ist es hilfreich, wenn der türkische Premierminister Erdogan sagt, die 800.000 türkischstämmigen Deutschen sollten gegenüber beiden Ländern loyal sein?

Haderthauer: Diese Aussage von Herrn Erdogan ist vollkommen daneben und alarmierend. Man hat dem Land gegenüber loyal zu sein, in dem man lebt.

SPIEGEL ONLINE: Was erwarten Sie sich überhaupt noch von der Islamkonferenz?

Haderthauer: Sie könnte der Stimmung entgegenwirken, die Erdogan unter den Türken mit oder ohne deutschem Pass geschürt hat. Ich habe nur leider manchmal das Gefühl, vor lauter Befindlichkeit auf Seiten der Vertreter des Islam trauen sich viele Politiker nicht, ausreichend Klartext zu sprechen. Wenn alles weich und beliebig formuliert wird, dann verpasst die Islamkonferenz ihre Chance: Nämlich Botschaften zu senden, die hängen bleiben, bei den Menschen ankommen. Integration geschieht ja nicht in dieser Konferenz, sondern am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Nachbarschaft.

Das Interview führte Sebastian Fischer



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