CSU Habt keine Angst, wir sind nicht dominant

Nach dem Sieg von Edmund Stoiber im unionsinternen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur ist die CSU um Entspannung bemüht. Die Nominierung des Bayern-Chefs werde nicht zu einer Dominanz gegenüber der Schwesterpartei führen, heißt es demonstrativ an die Adresse der Merkel-Partei.


Berlin - Nach Presseberichten haben führende CDU-Politiker in einer Vorstandsklausur in Magdeburg die Befürchtung geäußert, die CSU werde nun die größere Schwesterpartei dominieren. Stoibers Staatskanzler-Chef Erwin Huber sagte der "Passauer Neuen Presse": "Kein Mensch in der CSU will die CDU unterbuttern".

Huber kündigte ein baldiges Gespräch zwischen Stoiber und CDU-Chefin Angela Merkel über die Zusammensetzung der Unions-Wahlkampfmannschaft an. Voraussetzung für einen Erfolg der Union bei der Bundestagswahl am 22. September sei die Geschlossenheit der Schwesterparteien.

Wahlkampfzentrum ist Berlin

Stoiber sagte der Tageszeitung "Die Welt", außerhalb Bayerns sei er der Kandidat der CDU. Deshalb werde der Bundestagswahlkampf im Schwerpunkt aus Berlin geführt werden.

Der CSU-Chef erklärte, über Einzelheiten wolle er mit CDU-Chefin Angela Merkel reden. Nach Informationen der "Welt" soll wenige Tage nach diesem Treffen ein weiteres Gespräch führender Vertreter beider Unionsparteien folgen, auf dem Details der Wahlkampfkonzeption beschlossen werden sollen.

Stoiber war am Freitag als Kanzlerkandidat von CDU/CSU nominiert worden. Zuvor hatte CDU-Chefin Angela Merkel auf ihre Bewerbung verzichtet. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff sieht die Siegeschancen der Union mit der Nominierung Stoibers deutlich erhöht. Wulff sagte der in Chemnitz erscheinenden Zeitung "Freie Presse", der bayerische Ministerpräsident stehe für nachgewiesenen Erfolg, während Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nur auf Verheißungen verweisen könne, die drei Jahre lang nicht eingetreten seien. Beim Wahlkampf 2002 handele es sich um eine interessante Konstellation aus Erfolg und Misserfolg.

Die CDU-Sozialausschüsse (CDA) erwarten von Stoiber einen arbeitnehmerfreundlichen Kurs. Stoiber sei in der praktischen Politik sehr nah an den Überzeugungen der Sozialausschüsse, sagte der CDA-Vorsitzende Hermann-Josef Arentz der Ludwigshafener "Rheinpfalz".



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.