CSU-Hauskrach Schiffbruch nach Spreefahrt

Die CSU-Mittelstandsunion hat Ärger mit ihrem Chef, dem Bundestagsabgeordneten Michelbach. Es geht um die Abrechnung von Sommer-Schifffahrten - unter anderem mit Samba-Tänzerinnen. Angeblich kursierte gar eine gefälschte Presseerklärung.

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München - Hans Michelbach lädt jedes Jahr im Sommer aufs Schiff. Mit einer illustren Truppe gleitet der Unternehmer aus dem fränkischen Coburg die Spree im Berliner Regierungsviertel entlang, samt Bier, Wein, Tanz und Gesang - auch Samba-Tänzerinnen traten mal auf. Mindestens 12.000 Euro kostet das angeblich jedes Mal, abgerechnet wurde über die Mittelstandsunion (MU) Bayern.

CSU-Mittelstandspolitiker Michelbach: "Dann sucht euch doch einen anderen!"
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CSU-Mittelstandspolitiker Michelbach: "Dann sucht euch doch einen anderen!"

Michelbach nennt den Ausflug eine Pressefahrt mit Journalisten, mittelständischen Unternehmern und Politikern zur Kontaktpflege; Vorstandsmitglieder der bayerischen MU nennen ihn eine Schifffahrt vornehmlich mit befreundeten Winzern und Bauunternehmern aus dem Wahlkreis - und wollen das Sommerfest auf der Spree künftig nicht mehr bezahlen. Rund 120.000 Euro sollen in den vergangenen Jahren über die MU abgerechnet worden sein, behaupten Insider.

Kurz vor Fasching kam es zum Eklat. Auf der MU-Vorstandssitzung am 19. Februar in der CSU-Zentrale beklagte sich ein Mitglied des Gremiums über die Ausgabepraxis der Vereinigung, so berichten es Teilnehmer. Dabei seien der vergangene Neujahrsempfang der MU sowie die Schifffahrten auf der Spree hinterfragt worden. Zudem soll sich der Kritiker auch per Brief beschwert haben: Das teure Spree-Spektakel solle über Michelbachs Wahlkreis abgerechnet werden, "oder er soll es selber bezahlen".

Insgesamt sei es zwar "ein wenig ärgerlich" gewesen, wie der kritische Kollege auf der Vorstandssitzung insistiert habe, doch dürfe man "ja mal fragen", meint einer, der dabei war.

Krisengespräch in der CSU-Landesleitung

Michelbach aber reagierte verärgert: "Dann sucht euch doch einen anderen!", soll er gerufen haben. Man habe sich gewundert. Das sei "eine völlig überzogene Reaktion" des 59-Jährigen gewesen, sagt ein Teilnehmer. Schließlich habe man vereinbart, den Sinn künftiger Spree-Ausflüge zu überprüfen. Dies sei bereits ein Tagesordnungspunkt auf der nächsten Sitzung des Vorstands, die aber noch nicht terminiert sei. Zumindest so viel scheint festzustehen: Am 26. März soll es in der Parteizentrale zu einem Krisengespräch von Michelbach und der MU kommen.

Michelbach selbst ist die Aufregung ein Rätsel. "Es handelt sich nur um eine strittige Übernachtung in Höhe von tausend Euro", erklärte er vor einigen Tagen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Abrechnungen seien von den Kassenprüfern nicht beanstandet worden.

Nachdem der Zwist um Geld und Partys am Wochenende publik wurde, weitete sich der Fall Michelbach jedoch zum handfesten Hauskrach aus. So erreichte am vergangenen Montag Lokalzeitungen in Franken eine Presseerklärung, in der MU-Landesgeschäftsführer Michael Heut behauptet, die gegen Michelbach erhobenen Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage.

Doch Heut will offenbar von dieser Mitteilung nichts wissen. Laut "Coburger Tageblatt" beschwerte er sich über diese von ihm nicht autorisierte Presseerklärung. Wer ihm das in den Mund gelegt habe, könne er nur vermuten. Der Zeitung zufolge behält sich Heut sogar rechtliche Schritte vor.

Auch zu den umstrittenen Dampferfahrten wird er mit harschen Worten zitiert: "Transparenz ist angesagt in der neuen CSU, aber das haben noch nicht alle begriffen." Michelbachs Berliner MU-Veranstaltungen seien in die Kritik nicht nur eines Vorstandsmitglieds geraten, weil er auch Besuchergruppen aus seinem Wahlkreis auf die Rundfahrtschiffe eingeladen und auf Kosten des Landesverbandes bewirtet habe, so Heut laut "Coburger Tageblatt". Es rufe auch Verärgerung in der MU hervor, wenn immer nur der Winzerverband aus Michelbachs fränkischer Heimat zum Zuge komme.

Weder Heut noch Michelbach waren in der laufenden Woche für SPIEGEL ONLINE zu erreichen. Die Zentrale der Christsozialen habe alle Beteiligten in der Sache zu Stillschweigen aufgerufen, hieß es aus Parteikreisen. Die CSU ließ nur erklären, die Sache habe mit der Partei nichts zu tun.



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