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CSU-Nachwuchspolitikerin: Schlappe für die "Albsteigerin"

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Aus dem Amt gedrängte JU-Chefin "Ich gehe nicht freiwillig"

Sie zählt zu den Jüngsten im Bundestag, CSU-Chef Seehofer pries sie als Nachwuchstalent. Doch jetzt stürzt Katrin Albsteiger von der Spitze der Parteijugend in Bayern. Im Interview spricht sie über das Gefühl, keinen Rückhalt mehr zu haben - und verteidigt ihren Führungsstil.

SPIEGEL ONLINE: Frau Albsteiger, Sie sitzen das erste Mal für die CSU im Bundestag. Wie fühlt sich das neue Leben als Abgeordnete an?

Albsteiger: Ich freue mich sehr, aber so richtig angekommen bin ich noch nicht. Dafür sind in meiner Heimat noch zu viele Dinge offen.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen auf die Unruhe in der Jungen Union Bayern an, deren Vorsitzende Sie seit zwei Jahren sind. Nun haben Sie Ihre Kandidatur für eine weitere Amtszeit überraschend zurückgezogen. Die "Süddeutsche Zeitung" spricht von einem Putsch . Wurden Sie aus dem Amt gedrängt?

Albsteiger: Ich habe selbst entschieden, nicht mehr anzutreten. Aber wahr ist auch, dass ich nicht ganz freiwillig gehe. Noch vor der Bundestagswahl habe ich angekündigt weiterzumachen. Ich habe früh signalisiert, dass ich meine Arbeit nicht als beendet ansehe.

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie gemerkt, dass Ihnen nur der Rückzug bleibt?

Albsteiger: Es blieb nicht nur der Rückzug, ich denke, ich hätte die Delegiertenmehrheit in Bayern erringen können. Für mich entscheidend war aber, dass ich in meinem eigenen Bezirksverband Schwaben keine Mehrheit bei der Nominierung hatte. Ein Grundsatz von mir lautet: Wer in seiner Heimat keinen Rückhalt hat, der soll es lassen. Das habe ich dann getan.

SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich den Widerstand?

Albsteiger: Möglicherweise fühlten sich Mitglieder aus der Führungsebene nicht genügend in Entscheidungen eingebunden. Das liegt vielleicht auch an meinem Verständnis von Kommunikation. Ich habe mich viel mit Kreisvorsitzenden und der Basis ausgetauscht, über Facebook, Foren und Online-Konferenzen. Also lieber direkt durch die Ebenen hindurch und nicht so sehr in Gremien, die sich dadurch vielleicht geschwächt sahen.

SPIEGEL ONLINE: Sie wurden in den Medien als "Hoffnungsträgerin" und "Nachwuchstalent" der CSU beschrieben. Waren Sie einfach zu präsent?

Albsteiger: Ich selbst habe mich nie als Hoffnungsträgerin gesehen. Ich wollte die JU Bayern überregional bekanntmachen und dazu beitragen, dass das Image der CSU jünger, weiblicher und frischer wird. Ich habe die Spitze personalisiert und war über alle Kanäle ansprechbar. Das muss nicht allen im Verband immer gefallen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, nur die eigene Karriere im Blick zu haben.

Albsteiger: Die Bezeichnung Karrieristin ist nicht falsch, ich verstehe Karriere nicht als negativen Begriff. Mein Ziel war es, in ein Parlament zu kommen. Und zwar auch, um Politik nicht mehr ehrenamtlich machen zu müssen, und um unsere Inhalte viel stärker als bislang vermitteln zu können. Und nicht nur ich bin eingezogen, sondern viele andere junge Leute. Das wird jetzt auch der JU nutzen.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren die erste Frau an der Spitze der bayerischen JU. Hatten Sie es schwerer als Ihre männlichen Vorgänger?

Albsteiger: Ich würde das niemals darauf reduzieren, dass ich eine Frau bin, dafür ist die Gemengelage zu komplex. Aber es schürt Vorurteile, wenn man im beruflichen Leben bewusst einen Weg geht. Gerade bei Frauen wird das manchmal noch immer skeptisch beäugt.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es für Sie weiter?

Albsteiger: Ich konzentriere mein Engagement jetzt auf die Bundesebene. Zum einen durch mein Mandat, ich freue mich darauf, wenn die Arbeit im Bundestag richtig losgeht. Zum anderen bewerbe ich mich für den Posten der Vizevorsitzenden im Bundesvorstand der Jungen Union Deutschlands. Es wäre schön, wenn das klappt.

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