CSU-Krach Haderthauer wagt Einspruch gegen Partei-Ikone Strauß

Ausgerechnet eine frühere CSU-Generalsekretärin rüttelt am Denkmal Franz Josef Strauß: Bayerns Sozialministerin Haderthauer sprach dem langjährigen CSU-Chef in einem Interview die Vorbildfunktion ab. In der Parteizentrale herrscht Entsetzen.


München - Die bayerische Sozialministerin und frühere CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sieht in dem früheren Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß kein Vorbild für die Menschen. "Der war superinteressant und imponierend und faszinierend", als "Vorbildpolitiker" empfinde sie ihn aber nicht, sagte Haderthauer dem Regionalradiosender Radio IN in Ingolstadt.

Früherer bayerischer Ministerpräsident Strauß (Archivbild von 1987): "Superinteressant und imponierend"
AP

Früherer bayerischer Ministerpräsident Strauß (Archivbild von 1987): "Superinteressant und imponierend"

Sie fügte hinzu: "Da gab's ja dann doch viele Dinge, die ich jetzt vielleicht anderen nicht zur Nachahmung empfehlen würde."

Auf die Frage nach Vorbildpolitikern fiel Haderthauer auch kein anderer Parteifreund ein: Sie nannte mit dem früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Ex-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zwei CDU-Politiker und hob mit Hildegard Hamm-Brücher gar eine FDP-Frau besonders hervor: "Die fand ich immer stark."

In der CSU-Zentrale sorgte ihre Äußerung für höchste Empörung: "Bei manchen Politikern würde man sich durchaus wünschen, dass sie sich Strauß mehr zum Vorbild nehmen", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Freitag auf ddp-Anfrage mit Blick auf die Aussage seiner Vor-Vorgängerin.

Seehofer bemüht sich um Annäherung

Strauß sei der "Architekt des modernen Bayern" und habe "unendlich viel" für das Land getan. Dobrindt fügte hinzu: "Dass es in Bayern heute die besten Lebensbedingungen und die größten Zukunftschancen von ganz Deutschland gibt, hat maßgeblich mit seinen herausragenden Leistungen zu tun."

Doch das Urteil Haderthauers kommt nicht von ungefähr: Unter Edmund Stoiber, einem Ziehsohn von Strauß, entfernte sich die Partei von dem Politiker, der sie wie kein anderer geprägt hat. Die Christsozialen taten sich schwer mit dem Erbe des Mannes, unter dessen Führung Bayern und CSU zum Synonym wurden, aber dessen Name auch mit Skandalen und Amigo-Geschäften verbunden wird.

CSU-Chef Horst Seehofer selbst, der Strauß stets als sein großes Vorbild nennt, bemüht sich seit Amtsantritt als CSU-Chef um das Verhältnis zur Familie des verstorbenen Parteipatriarchen. So hätte er es gern gesehen, dass Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, die frühere bayerische Kultusministerin, als Spitzenkandidatin für die CSU in die Europawahl gezogen wäre. Doch da machte die Parteibasis nicht mit.

In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" kurz nach Weihnachten sagte Seehofer, er habe mit der Personalie Hohlmeier auch ein Signal setzen wollen, "dass die CSU wieder mit der ganzen Familie ins Reine kommt". Franz Josef Strauß sei schließlich "der Vater des CSU-Erfolges". Seehofer damals: "Ich möchte, dass wir wieder in Harmonie mit der Familie Strauß auskommen."

Rücktritt nach der SPIEGEL-Affäre

Im Sommer 2008 erregte der Umgang mit der Partei-Ikone Strauß großes Aufsehen, als der Berliner Ableger des berühmten Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussauds in London Strauß auf einer Bildcollage abdruckte - unter dem Titel: "Helden und Bösewichte". Und Strauß schien gemeinsam mit DDR-Spion Günter Guillaume klar zur Kategorie der Letzteren gerechnet zu werden.

Im erklärenden Strauß-Text unter der Überschrift "Politischer Skandal" wurde auf die SPIEGEL-Affäre verwiesen, die der CSU-Politiker 1962 als Verteidigungsminister auslöste: "Strauß veranlasste, den Verleger Rudolf Augstein zu verhaften. Dieser wurde daraufhin 103 Tage lang gefangen gehalten. Strauß stritt zunächst jegliche Verantwortung ab, musste aber in einer Befragung vor dem Bundestag unter Druck zugeben, dass er gelogen hatte. Daraufhin trat er zurück."

Bayerns damaliger Europaminister Markus Söder forderte daraufhin gar diplomatische Konsequenzen, der deutsche Außenminister müsse ran: "Er muss in London vorstellig werden, ein solches Vorgehen belastet die bayerisch-englischen Beziehungen." Söder, der nach eigenem Bekunden als Jugendlicher ein "riesiges Poster" von Strauß im Schlafzimmer hängen hatte, zeigte sich empört: "Es ist ein großer Skandal. Es ist der Versuch, mit einer Ausstellung zu provozieren."

sef/amz/ddp



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