CSU Söder schließt Atommüllendlager in Bayern aus

Drückt sich Bayern davor, hoch radioaktiven Atommüll zu lagern? Markus Söder zufolge ist die Beschaffenheit des Gesteins im Freistaat entscheidend - das sei weniger sicher als etwa jenes in Gorleben.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU): "Die Frage muss wissenschaftlich entschieden werden"
Britta Pedersen/DPA

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU): "Die Frage muss wissenschaftlich entschieden werden"


CSU-Chef Markus Söder will kein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll auf bayerischem Boden. Ein solches Lager schließt er wegen Sicherheitsaspekten kategorisch aus. "In Bayern macht ein Atommüllendlager keinen Sinn. Geologisch gesehen passt Bayern nicht, da das vorhandene Gestein eine deutlich schlechtere Sicherheit aufweist als zum Beispiel Gorleben", sagte er. "Deshalb wird es hier auch kein sicheres Endlager geben."

Söder reagierte damit auf die Kritik seines niedersächsischen Amtskollegen Stephan Weil (SPD). Dieser hatte zuvor moniert, dass Bayern und Sachsen versuchten, sich von der bundesweiten Suche nach einem Standort zu drücken.

Söder lässt das nicht gelten: "Die Frage nach einem Atommüllendlager darf nicht politisch, sondern muss wissenschaftlich entschieden werden. Die größtmögliche Sicherheit muss an oberster Stelle stehen."

Erste Ergebnisse sind für 2020 angekündigt

Ursprünglich hatte Deutschland ein Endlager im niedersächsischen Gorleben geplant. Nach jahrzehntelangen Protesten hatte der Bund 2017 ein neues Suchverfahren gestartet. Ziel ist es, bis 2031 einen geeigneten Ort zu finden. Der Atommüll soll unterirdisch tief in einem Bergwerk entsorgt werden. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie Granit infrage. Erste Ergebnisse sind für 2020 angekündigt.

Söder kündigte außerdem an, einen früheren Ausstieg aus dem Kohlestrom durch den Ausbau von Gaskraftwerken ermöglichen zu wollen. Ein Kohleausstieg bereits 2030 sei die "effektivste Strategie, um die Klimaziele 2030 zu erreichen", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Dazu brauchen wir einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien, der Speicherung über Power-to-Gas-Technik und den Einsatz von modernen Gaskraftwerken." Technisch sei das möglich, "es fehlt nur der politische Wille", sagte Söder.

vks/dpa/AFP



insgesamt 197 Beiträge
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sans_words 08.07.2019
1. Wo?
Es gibt keinen sicheren Platz in Deutschland für ein Endlager. Selbst weltweit gibt es keinen sicheren Platz, bis die Radioaktivität abgeklungen wäre. Es gibt nur eine bestmögliche Lösung. Hierzu schlage ich vor, sämtlichen weltweiten Atommüll in einer Gegend gemeinsam zu lagern, ihn optimal zu sichern und Menschen dort möglichst weit wegzusiedeln. Mir fallen dazu Russland (Sibirien) oder Australien ein.
tomatenpflückerin 08.07.2019
2. Bester Standort für Atommüll ist Bayern
Zum einen ist es sehr dünn besiedelt und zwischen den dicken Felsen der Berge ist auch noch genug Platz.
Fragende_Leere 08.07.2019
3. Wenn die Endlagerfrage wissenschaftlich entschieden werden soll:
Warum äußert sich dann der Politiker Söder? Vor allem jetzt? Nein, alles sehr durchsichtig. Bayern will vom Atomstrom profitieren, aber nicht die Verantwortung tragen. Schade: erwachsen geht anders
Akkon 08.07.2019
4.
Wofür werden eigentlich Steuergelder ausgegeben, mit denen man entsprechende geologische Untersuchungen bezahlt, wenn wir in Bayern doch jemand mit einem geologischen "Röntgenblick" sitzen haben, der bereits jetzt weiß, wo ein Endlager auf keinen Fall funktioniert? Und wie viele AKWs stehen gleich noch in Bayern?
Bayernnichtmöger 08.07.2019
5. Deutsche Atommüll den Deutschen, bayerischer Atommüll den Bayern!
Es ist ganz einfach. Der Atommüll wird aufgeteilt in deutschen und bayerischen Anteil, wir im Norden werden uns schon einig werden, die Bayern entsorgen dann ihren Atommüll in Bayern oder finden eine andere Lösung. Es ist einfach nur zum Erbrechen wie sich dieses Bundesland, einst ein vom Norden abhängiger, armer Agrarstaat anmaßt anderen auf der Nase herumzutanzen, uns ständig mit CSU-Pfeiffen und anderen CSU Ideen zu beglücken, aber wenn es darum geht Verantwortung zu übernehmen gilt NIMBY - Not in my backyard. Fein, macht euren Strom selbst, vergrabt euren Atommüll, behaltet eure Politiker und eure Ideen. Gerne könnt ihr auch die Freiheit suchen und/oder euch den Österreichern oder den Ungarn oder Tschechen anschließen. Servus! oder besser Tschüss!
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