CSU-Parteitag Goppel bleibt bei Nazi-Vergleich

Thomas Goppel schwingt weiter die Keule. Auf dem CSU-Parteitag in München hat der Partei-Generalsekretär seinen Vergleich zwischen dem Ende der Weimarer Republik und der derzeitigen Lage in Deutschland trotz massiver Kritik sogar bekräftigt.


Thomas Goppel
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Thomas Goppel

Hamburg - Goppel sagte, damals wie heute habe angesichts der Wirtschaftslage Ratlosigkeit und Beliebigkeit geherrscht. "Solche Zeiten können zu Geburtsstunden für Populisten und Demagogen werden." Die derzeitige Bundesregierung steuere das Land "in den Graben".

Auf einer Parteiveranstaltung im oberbayerischen Aschheim hatte Goppel am Montagabend Vergleiche zwischen SPD- und Nazi-Wählern angestellt und war über Homosexuelle hergezogen. Der CSU-Generalsekretär hatte über das Thema "Weil Leistung sich lohnen muss" reden wollen. Dabei gab er selbst eine reife Leistung der politischen Analyse ab.

Laut einem Bericht im Bayernteil der "Süddeutschen Zeitung" griff er vor rund 30 Zuhörern, im Bemühen Familie hochzuhalten, Rot-Grün in Berlin an. Nach einer 2000-jährigen europäischen Geschichte komme jetzt eine Regierung, "die sagt, wir nennen alles Familie, wo Kinder drin sind". In diesem Zusammenhang nahm er den Regierenden von Berlin, Klaus Wowereit, ins Visier, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt: "Wowereit und Partner, die allabendlich versuchen, der Biologie ein Schnippchen zu schlagen und keinen Erfolg haben", würden wie Vater und Mutter auf eine Stufe gestellt, die ein ganzes Leben lang zusammen seien.

Dann schwang sich Goppel auf ins Reich der Soziologie und der Wahlanalyse: Um einen grundsätzlichen Mentalitätsunterschied zwischen Nord- und Süddeutschen festzumachen, schlug er den laut "SZ" erheiterten Zuhörern vor, einmal eine Karte der Wahlkreisergebnisse von 2002 mit der von 1933 zu vergleichen. Er erklärte, die Wahlkreise, die 2002 "Schwarz gewählt haben, haben auch 1933 Schwarz gewählt". Wohingegen man in den Wahlkreisen, in denen 2002 SPD gewählt wurde, man 1933 "eine andere Farbe gewählt" habe. Er ergänzte: "In den Bereichen, in denen wir 1933 Probleme hatten, haben wir sie auch heute."

Im ARD-"Morgenmagazin" nahm Goppel zu seinen Äußerungen Stellung. Er erläuterte, er habe "Problemlagen" vergleichen wollen. "Wir hatten 1933 Arbeitslosigkeit und Rezession in hohem Maße. Wir hatten 1933 aufgeregte Bürger." Wenn in dieser Situation heute die "richtigen Figuren" aufträten, könnte das zu echten Problemen führen, weil die Regierung "Schlamperei" habe einreißen lassen. Dann wiederholte Goppel seinen Vergleich zwischen SPD- und Nazi-Wählern: "Schauen Sie sich die Wahlkarte an. Die ist schon wieder ganz ähnlich wie 1933."

Bayerns SPD-Generalsekretärin Susann Biedefeld forderte Goppels Rücktritt. Goppel müsse "zuerst in den Beichtstuhl, nachher zum Facharzt für Psychiatrie und dann in die Wüste" geschickt werden. Auch bei den Grünen lösten Goppels Äußerungen Empörung aus. Landeschefin Margarete Bause sagte: "Goppels Entgleisungen sind selbst auf einer nach oben offenen Skala politischer Infamie nur schwer zu erfassen."

Alexander Schwabe



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