Seehofer und Merkel Er lädt sie ein... Er lädt sie nicht ein... Er lädt sie ein... Er lädt sie...

In zwei Wochen ist CSU-Parteitag - und Angela Merkel hat noch keine Einladung. So wird es wohl auch bleiben. Damit steht der Gegenbesuch des CSU-Chefs ebenfalls auf der Kippe.

Parteichefs Merkel, Seehofer
DPA

Parteichefs Merkel, Seehofer


Das hat es noch nicht gegeben: Eine CDU-Kanzlerin, die nicht zum CSU-Parteitag eingeladen wird. Doch genau so wird es aller Voraussicht nach kommen.

In zwei Wochen, am 4. und 5. November, trifft sich die CSU in München, ein knappes Jahr vor der Bundestagswahl. Seit Tagen verdichten sich die Signale, dass Horst Seehofer die Kanzlerin nicht in München empfangen möchte - wie es eigentlich Tradition ist zwischen den Schwesterparteien. Eine Festlegung, so ist aus CSU-Kreisen zu hören, gebe es noch nicht.

Aber die Tendenz geht wegen des Streits um die Flüchtlingspolitik wohl doch in eine Richtung: Angela Merkel wird nicht kommen.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer windet sich am Mittwoch noch um eine Antwort, sagt nur: "Ich warte auf die Ergebnisse, die mir der Parteivorsitzende mitteilen wird." Es gelte, was Seehofer selbst bereits am Vortag auf einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hin gesagt habe: Er und Merkel seien "in sehr guten Gesprächen". Scheuer beteuert: "Wirklich, es ist alles offen."

Auch in der CDU richten sie sich offensichtlich längst darauf ein, dass die Parteivorsitzende am ersten Novemberwochenende nicht nach München reisen wird: Es bestehe gar nicht die Erwartung, hieß es bei den Christdemokraten vorsorglich, dass Merkel unbedingt eingeladen werden müsse. Wichtiger sei, dass man den vereinbarten Prozess zur Verständigung über die sechs Deutschlandkongresse von CDU und CSU ernst nehme, damit die Reihen der Union bis zum Bundestagswahlkampf geschlossen werden können.

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In Sachen Versöhnung kontraproduktiv

Erkennbar ist das beiderseitige Bemühen, den Affront einer Nichteinladung nicht als Affront erscheinen zu lassen. Sondern als Wegmarke im Prozess der Wiederannäherung.

Und wenn Merkel im November nicht zur CSU reiste, was hieße das dann für Seehofers Auftritt auf dem CDU-Parteitag im Dezember? Würde der dann ebenfalls entfallen? "Wenn der eine Besuch nicht stattfindet, dann findet der andere auch nicht statt", schätzt CSU-Generalsekretär Scheuer die mögliche Lage ein. Es handele sich ja immer um eine Art gegenseitiger Einladung.

Klar ist: Weder die Strategen von CDU noch CSU wollen eine Wiederholung der Vorgänge aus dem letzten Jahr riskieren. Das wäre in Sachen Versöhnung tatsächlich kontraproduktiv - und darüber sind sich Merkel und Seehofer offenbar auch einig.

Damals, beim CSU-Parteitag im November 2015, griff Seehofer die Vorsitzende der Schwesterpartei nach ihrer Rede auf offener Bühne wegen des Konflikts um eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen an, hielt ihr eine minutenlange Standpauke. Merkel musste das schweigend und neben Seehofer stehend ertragen.


sef/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
angelobonn 19.10.2016
1. Glaubwürdigkeit
Merkel hat inzwischen überdeutlich gemacht, dass sie unbelehrbar ihren Kurs fortsetzen wird. Wenn die CSU wieder glaubwürdig werden will, darf sie diese Kanzlerin nicht mehr unterstützen. Deutschland braucht dringend einen konservativen Kanzler. Die CSU hat mehr als nur einen geeigneten Kandidaten dafür. Mein Favorit wäre HP Friedrich.
heinzi55555 20.10.2016
2. Seehofer
Dem Seehofer geht es nur noch um den Machterhalt in Bayern. Mit ihm ist doch keine vernünftige Politik mehr möglich.
mostly_harmless 20.10.2016
3. Zwerg Nase ....
Ist es für Merkel von irgend einer Relevanz, wenn ein zweitklassiger Provinzfürst sie zum Parteitag seiner Provinzpartei nicht einläd?
man 20.10.2016
4. Man kann das zum Drama
stilisieren. Ich aber finde die Linie gegen Merkel gut!
yvowald@freenet.de 20.10.2016
5. Hans-Peter Friedrich wäre in der CDU nicht vermittelbar
Zitat von angelobonnMerkel hat inzwischen überdeutlich gemacht, dass sie unbelehrbar ihren Kurs fortsetzen wird. Wenn die CSU wieder glaubwürdig werden will, darf sie diese Kanzlerin nicht mehr unterstützen. Deutschland braucht dringend einen konservativen Kanzler. Die CSU hat mehr als nur einen geeigneten Kandidaten dafür. Mein Favorit wäre HP Friedrich.
Es ist schon abenteuerlich, wie sich der Vorsitzende der Regionalpartei CSU, Horst Seehofer, aufspielt. Eigentlich ist die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD gar nicht auf die Stimmen der CSU im Bundestag angewiesen. Warum läßt sich die Bundeskanzlerin denn von diesem Regionalfürsten Seehofer düpieren und am Nasenring durch die Politarena führen? Das alles sollte ein Ende haben, aber schnell. PS: Der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wäre in der CDU nicht vermittelbar. Zu reaktionär erscheinen seine politischen Ansichten. Schließlich ist die CDU keine "Rechts-Union" mehr, sondern inzwischen eine eher liberale, nicht-mehr-klerikale Partei. Gott sei Dank!
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