Umstrittenes Wahlplakat Chabos wissen, wer CSU-Kandidat ist

Er wollte mit seinem Wahlplakat jugendlich und "hip" wirken: "Chabos wissen, wer der Babo ist!", ließ CSU-Kandidat Fabian Giersdorf auf sein Plakat zur Kommunalwahl schreiben. Doch dass sich der entsprechende Facebook-Post so schnell verbreitet, liegt nicht an Begeisterungsstürmen.

Hamburg - Das Jugendwort des Jahres als Wahlkampfslogan zu wählen, kann funktionieren, muss aber nicht. Linus Vollmar von der FDP versuchte es im vergangenen August mit der Botschaft #YOLO (Abkürzung für "You only live once" und Jugendwort 2012) und erntete spöttelnde Kommentare im Netz. Nun startete Fabian Giersdorf für die CSU den nächsten Versuch - mit "Chabos wissen, wer der Babo ist!". "Lach-Flashs" und "Facepalms" sind die Antworten, so ziemlich die schlimmsten Abstrafungen im Internet.

Als Giersdorf auf Facebook sein neues Plakat als "riesen Überraschung" ankündigte, hatte der 23-Jährige vermutlich auf ein positives Echo gehofft. "Hocherfreut" postete er dann das frisch geklebte Poster . "Chabos wissen, wer der Babo ist!", steht darauf. Und: "Fabian Giersdorf, Ihr Stadtrat für Roth". Mehr als 2000-mal wurde der Post geteilt, auch Blogs wie das "Kraftfuttermischwerk"  oder "Testspiel"  verbreiten das Foto. Für einen Kandidaten zur Kommunalwahl in Bayern ein absoluter viraler Erfolg.

Doch neben den 1800 Facebook-Likes fallen die Kommentare eher ironisch aus: "Danke für den amüsanten Wochenstart", schreibt einer . "Das möchte ich niemandem vorenthalten", ein anderer . Von "Werbung für Kinderschokolade", "lauwarmer Milch" und "Problemen mit der Ü-60-Wählerschaft" ist in den Kommentaren die Rede. Und das sind noch die freundlichen Varianten.

"Was los, du Hurensohn?"

Positive und konstruktive Kritik habe er sich zu Herzen genommen, antwortet "Fabi" am Sonntag. Dennoch wolle er klarstellen : "Der Sinn des Spruchs war es, augenzwinkernd junge Wähler auf Kommunalpolitik aufmerksam zu machen - das habe ich wohl geschafft." Für die Redaktion war Fabian K. Giersdorf am Montag nicht zu erreichen. "Vom Text des Originalsongs distanziere ich mich deutlich", schreibt Giersdorf in dem sozialen Netzwerk weiter.

"Babo" ist nicht nur das Jugendwort des Jahres 2013, und bedeutet so viel wie "Boss" oder "Anführer". Das gesamte Zitat stammt aus dem Refrain eines Songs von Rapper Haftbefehl. Sein bürgerlicher Name lautet Aykut Anhan, er war früher einmal Drogendealer und betrieb ein Wettbüro. Heute gilt der 27-Jährige als erfolgreichster Gangsta-Rapper Deutschlands. "Dein Yokuzuna-Sumo ficke ich mit 'nem Pushkick", heißt es in der Strophe des Babo-Songs. Oder: "Was los, du Hurensohn? Komm wieder, wenn du Luft kriegst." Was genau Haftbefehl mit seinem Text sagen will, bleibt unklar.

Die "Babos" der CSU bleiben neutral: "Als Parteizentrale haben wir keinen Einfluss auf die Wahlplakate bei der Kommunalwahl", sagt ein Parteisprecher. "Die Kandidaten agieren da sehr eigenständig."

Haftbefehl selbst zeigt sich auf seiner Facebook-Seite  zumindest wenig amüsiert: Er frage sich, "wie man meinen Songtitel ausnutzen kann, um neue Wähler für sich zu gewinnen", schreibt er. "Abgesehen davon wurde bei mir nach keiner Freigabe gebeten! Herr Giersdorf - die Tage erhalten Sie Post von uns..."

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