CSU Polit-Grantler Gauweiler plant Comeback

Peter Gauweiler ist als Euro-Gegner bekannt und als Rebell in der eigenen Partei. Nun will das CSU-Urgestein noch einmal Vize-Parteichef werden. Gauweiler sagt, er tue es wegen der Euro-Krise - und durchkreuzt damit die Pläne von Parteichef Seehofer.

CSU-Urgestein Peter Gauweiler: Kandidatur für den Vize-Vorsitz
dapd

CSU-Urgestein Peter Gauweiler: Kandidatur für den Vize-Vorsitz


München - Er hat seinem Ruf wieder einmal Ehre gemacht. Peter Gauweiler gilt als Querulant und Rebell, gerade auch in seiner eigenen Partei. Nun hat der 62-Jährige, der für die CSU im Bundestag sitzt, überraschend seine Kandidatur für die Parteiführung angekündigt.

Gauweiler will auf dem Parteitag Anfang Oktober in Nürnberg zu einem der vier Stellvertreter von CSU-Chef Horst Seehofer gewählt werden. Er begründete seine Bewerbung unter anderem mit der aktuellen Debatte um die EU und den Euro. Gauweiler hatte eine der Verfassungsbeschwerden gegen den Euro-Rettungsschirm und die Griechenland-Hilfen eingereicht, die das Bundesverfassungsgericht vor einer Woche abwies.

Gauweiler sagte auch, er wolle einen Beitrag dazu leisten, "die thematische und personelle Bandbreite" der CSU zu erweitern. Er kandidiere "für keine Gruppe in der Partei, niemand hat mich zu dieser Kandidatur gedrängt", hieß es in einer schriftlichen Erklärung Gauweilers.

Parteichef Seehofer hat andere Pläne

Dabei betonte er: "Selbstverständlich richtet sich meine Kandidatur gegen keinen der bereits benannten Bewerber persönlich." Denn Gauweiler durchkreuzt mit seiner Kandidatur die Pläne von Parteichef Seehofer. Der hatte erst am Montag die Personalplanungen der Parteispitze bekräftigt. Danach sollen Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Bayerns Justizministerin Beate Merk als Vizevorsitzende wiedergewählt werden. Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt wurde als Nachfolger für den Europaparlamentarier Ingo Friedrich vorgeschlagen, der nicht mehr kandidiert.

Die Parteiführung gab sich betont gelassen. Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte: "Kandidaturen für politische Ämter sind in der Demokratie der Normalfall."

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle, CSU-Bezirkschef in München, lobte die Bewerbung Gauweilers: "Sein Entschluss, für das herausragende Amt eines stellvertretenden Parteivorsitzenden zu kandidieren, wird aus der Münchner CSU unterstützt."

Gauweiler, der unter den Mandatsträgern in seiner Partei seit langem umstritten ist, macht vor allem als Euro-Kritiker immer wieder von sich reden. Vor seiner Klage gegen den Euro-Rettungsschirm war er auch bereits gegen den Vertrag von Lissabon vor Gericht gezogen.

Gauweiler erklärte, er wolle seiner Partei helfen. "Die CSU war für Bayern eigentlich systemrelevant - und das sollte sie auch in Zukunft sein", sagte der Bundestagsabgeordnete.

Die CSU steckt im Stimmungstief, vor allem seitdem Münchens Oberbürgermeister Christian Ude signalisiert hat, als Spitzenkandidat für die SPD bei den Landtagswahlen 2013 anzutreten. Die Christsozialen müssen den Verlust ihrer Regierungsmacht befürchten. Nach einer Forsa-Umfrage von Ende August liegt die CSU im Freistaat in der Wählergunst nur noch bei 41 Prozent. Dagegen kommen SPD, Grüne und Freie Wähler zusammen auf 47 Prozent.

fab/dpa



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
redkiller 13.09.2011
1. versuchen kann er es
Zitat von sysopPeter Gauweiler ist als Euro-Gegner bekannt und als Rebell in der eigenen*Partei.*Nun will das CSU-Urgestein noch einmal Vize-Parteichef werden. Gauweiler sagt, er tue es wegen der Euro-Krise - und*durchkreuzt damit die Pläne von Parteichef*Seehofer. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,786088,00.html
Ich sehe keine Chance , er ist in vieler Hinsicht zu radikal. Auch sind die Partei gut genug aufgestellt um einem Mann alleine den Durchmarsch nach oben zu blockieren. Um Vize zu werden braucht Gauweiler die Unterstützung der CSU-Bezirke und deren Delegierte, die wird er nicht bekommen. Was bliebe wäre wenn er scheitert, das er sich von der CSU abspaltet, mal Schauen ob er sich zur Pauli musert und dem nächst sich in Lack und Leder ablichten lässt.
derweise 13.09.2011
2. Gauweiler
Gauweiler hat mit seinen abweichenden Ansichten viel für Deutschland getan. Wenn alle Politiker so wären wie er, wäre unser Land besser regiert!
Benjowi 13.09.2011
3. Immerhin jemand, der meistens auch meint, was er sagt.
Immerhin muss man bei Herrn Gauweiler nicht dauernd untersuchen, ob er gerade nicht doch das Gegenteil meint, was er sagt, wie es ansonsten mehr oder weniger üblich ist. Davon habe zumindest ich genug, denn politische Lügen zum Normalfall zu machen, wie es jetzt Alltag geworden ist, geht mir einfach zu weit. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Herr Gauweiler durchaus Dinge bewegen kann und nicht dauernd nur heiße Luft ablässt, das hat sich seinerzeit gezeigt, als er nach ewigem Getue endlich den Nordteil des Münchner Auobahnrings in die Realisierungsphase gebracht hat!
detektuv 13.09.2011
4. Gut, dass Gauweiler kommen will!
Zitat von derweiseGauweiler hat mit seinen abweichenden Ansichten viel für Deutschland getan. Wenn alle Politiker so wären wie er, wäre unser Land besser regiert!
Gauweiler ist ein exzellenter Jurist und hat es nicht notwendig, sich politisch zu engagieren. Seine Geradlinigkeit hat er zuletzt mit seiner Verfassungsklage unter Beweis gesstellt.
saarländerin1 13.09.2011
5. gehöre nicht seiner Couleur an
aber ich halte in für einen der wenigen integeren Politiker. Würde mir wünschen, dass er sein Ziel erreicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.