CSU-Rebellin Pauli Fesche Fotos von der Latex-Landrätin

Die CSU-Rebellin Gabriele Pauli, die Edmund Stoiber vom Thron stieß, will nicht mehr nur Landrätin sein, sondern strebt nach höheren Weihen. Macht sie sich das Leben selber schwer? Für ein Hochglanz-Magazin posierte sie jetzt als Fotomodell - mit Latex-Handschuhen.

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Hamburg - Gabriele Pauli trägt viele Titel: schöne Landrätin, CSU-Rebellin, die Stoiber-Kritikerin aus Fürth, Zerstoiberin, Heldin der Basis, Jeanne d'Arc der CSU. Nun könnte noch einer dazu kommen, so etwas wie: die Domina vom Landratsamt. Oder vielleicht einfach Latex-Landrätin.

Landrätin Pauli mit Latex-Accessoires in der neuen "Park Avenue": "Es hat Spaß gemacht"
Park Avenue/ Jens Boldt

Landrätin Pauli mit Latex-Accessoires in der neuen "Park Avenue": "Es hat Spaß gemacht"

Eine Fotostrecke im Lifestyle-Magazin "Park Avenue" könnte ihr den zweifelhaften Spitznamen einbringen. Der Hamburger Fotograf Jens Boldt hat sie für die morgen erscheinende April-Ausgabe des Hochglanz-Heftes in leicht verruchter Pose abgelichtet: Ein bisschen lasziv schaut sie unter dem Pony einer roten Perücke hervor, sie trägt eine cremefarbene Seidenduchess-Jacke, die Arme stecken in knallengen, schwarz-glänzenden Latex-Handschuhen.

"Warum macht Gabriele Pauli Domina-Fotos?" fragt die Münchener "Abendzeitung" ein wenig irritiert, fast schon besorgt, auf der Titelseite. Ja, warum denn nur, stimmt der geneigte Leser ein.

Sie will doch eigentlich hoch hinaus.

Gerade einmal drei Wochen ist es her, da hatte Gabriele Pauli erklärt, dass ihr die fränkische Provinz zu eng geworden ist, dass sie nach 18 Jahren das muffige Landratsamt von Fürth im nächsten Jahr gern gegen ein schickes Büro in der bayerischen Landeshauptstadt tauschen würde. Schließlich war sie es doch, die mit ihren Spitzelvorwürfen gegen Edmund Stoibers Staatskanzlei, mit ihren Forderungen nach einer Mitgliederbefragung zum CSU-Spitzenkandidaten für die nächsten Landtagswahlen erst dafür sorgte, dass der bayerische Landesfürst vom Thron stürzte.

Pauli denkt ans Kabinett

Ihre Zukunft könne sie sich "in der freien Wirtschaft oder auch in Form eines höheren politischen Amts" vorstellen, ließ Pauli bald wolkig wissen. Dabei sind ihre Ambitionen in Wahrheit schon viel konkreter: Ein CSU-Stellvertreter-Posten sollte es schon sein, auch für einen Ministerposten hält sie sich geeignet. "Ich will mehr Verantwortung für mehr Menschen übernehmen", sagt sie im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Und da bleibt nicht mehr viel anderes als das Kabinett."

Dumm nur, dass es derjenige, der bei der Besetzung der Regierungsbank künftig ein gewichtiges Wort mitzureden haben, von einer Ministerin Pauli so gar nichts hält. "Ein höheres politisches Amt" komme für die Noch-Landrätin unter ihm nicht in Frage, hat der designierte Ober-Bayer Günther Beckstein bereits mitgeteilt.

Der 49-Jährigen Pauli schlägt in den eigenen Reihen inzwischen weniger Dankbarkeit, als vielmehr aufrichtige Abneigung entgegen. Binnen weniger Wochen zur bekanntesten CSU-Frau geworden, distanzierten sich zuletzt sogar einstige Paulianer von der omnipräsenten Stoiber-Kritikerin. "Zuletzt überwog bei der Gabi die Show", konstatierte Nürnbergs dritter Bürgermeister Klemens Gsell, der ihr zu Beginn der Krise als erster öffentlich zur Seite sprang. Beim politischen Aschermittwoch in Passau musste Pauli sich dann vom bierseligen Partei-Fußvolk als "Hexe" beschimpfen lassen.

"Manches ist tragbar, manches nicht"

Die "Pauli raus"-Rufe aus der Dreiländerhalle dürften der Landrätin am Tag darauf noch in den Ohren geklungen haben, als sie sich mit dem Fotografen in einer Münchener Villa zum Shooting traf. "Es war mal was anderes, es gab viel zu experimentieren - und es hat Spaß gemacht", sagt Pauli heute SPIEGEL ONLINE. Für eine Fotostrecke mit "Kleidern gehobenen Stils" hatte man sich verabredet. Die Stylistin ließ sie mit aufgemalter, schwarzer Augenmaske posieren, im goldenen Stretch-Mini, auf High Heels im Cocktailkleid aus schwarzer Seide.

"Manches ist tragbar, manches nicht", kommentiert Pauli die Klamotten. Als die Latex-Handschuhe ins Spiel kamen, hat sie sich nichts dabei gedacht. "Phantasievoll" sei das, "kreativ" und "ästhetisch". "Wir haben die sogar noch eingeölt." Latex, Öl, nun ja, Geschmackssache. Von einem Domina-Outfit zu sprechen, ist dann aber doch ein bisschen weit hergeholt.

Provokation ist nichts Neues im Kommunikationsstil der Landrätin. Auf ihrer Homepage mimt sie die Motorrad-Braut in Lederkluft, bei der Franken-Fastnacht in Veitshochheim trat sie als Unschuldsengel auf und trieb Schabernack mit einem Stoiber-Maskenmann. Jetzt die Latex-Fotos... Ein gefundenes Fressen für die Kritiker.

Wer sich was bei Latex-Handschuhen denkt...

Die promovierte Politologin, die einst ihre Doktorarbeit über Polit-PR bei der CSU schrieb, gibt sich selbstbewusst: Die Bilder seien ein "Signal der Offenheit", sagt sie. "Mausgraue Politiker" gebe es schließlich zur Genüge. Sie dagegen wolle zeigen, dass sie "gerne lebt". "Und wenn die Latex-Handschuhe bei jemandem Assoziationen wecken, dann ist das deren Sache. Dann sollten sich diejenigen fragen, von welchem Erfahrungsschatz diese Gedanken herrühren."

Bei der CSU-Führung in München lässt man die Vorlage heute passieren. Man genießt wohl und schweigt - darauf spekulierend, dass sich Pauli mit den Hochglanz-Bildern keinen Gefallen getan hat, die ab Morgen zu Zehntausenden über den Ladentisch gehen werden.

Bürgermeister Gsell nimmt das alles nicht mehr ernst. "Frau Pauli sieht sehr gut aus auf den Fotos, aber politisch bewerte ich das nicht", sagte er und lacht. "Jeder wird nach seiner Facon glücklich."



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