CSU schreibt an SPIEGEL ONLINE "Viel Ärger im Bauch"

SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim hat der CSU in einem persönlichen Brief rechtspopulistische Töne vorgeworfen. Prompt kam die Antwort aus München. Lesen Sie hier den Brief der CSU.

CSU-Zentrale in München
DPA

CSU-Zentrale in München


Eine "hässliche Portion Rassismus" stecke in ihrem Beschluss zur Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik, hielt unser Korrespondent Hasnain Kazim in dieser Woche den Christsozialen vor. "Liebe CSU, moin nach Bayern!", so begann sein Offener Brief an die CSU in München, den Sie hier nachlesen können.

Als Sohn pakistanisch-indischer Einwanderer hat sich Kazim besonders geärgert, als er las, dass die CSU Zuwanderern aus "unserem christlich-abendländischen Kulturkreis" Vorrang geben und somit zwischen kultureigener und kulturfremder Herkunft unterscheiden will. "Mit deinen Worten beförderst du eine Radikalisierung der Sprache, du beflügelst die Gewalttätigen", schrieb Kazim an die CSU.

Nun hat die CSU geantwortet. Lesen Sie hier den Brief aus Bayern:


Lieber Hasnain Kazim,

du hast auf SPIEGEL ONLINE einen Artikel über mich geschrieben. Es interessiert dich bestimmt, was ich über diesen Artikel denke.

Zuerst mal finde ich: Du hast dir echt Mühe gegeben, dass man nicht merken soll, wie sehr du dich über mich ärgerst. Dass du mich deine "liebe CSU" nennst, bin ich von dem Nachrichtenmagazin, für das du schreibst, nun wirklich nicht gewohnt. Aber wenn man deinen Text genauer liest, merkt man halt doch, dass du ihn mit ziemlich viel Ärger im Bauch geschrieben hast.

Du hast dich geärgert über meinen Satz "Vorrang für Zuwanderer aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis." Du findest, dass in diesem Satz eine hässliche Portion Rassismus steckt. Nun weißt du ja selber, dass ich "Kulturkreis" geschrieben habe und nicht Rasse. Und du weißt natürlich auch, dass Kulturkreis eine andere Sache ist als Rasse. Leider schreibst du nicht, was Kulturkreis mit Rassismus deiner Meinung nach zu tun hat. Warum also derjenige, der über Kulturkreise redet, ein Rassist sein soll. Eigentlich geht es dir ja auch nur darum, mich mit dem Wort Rassismus zu bedenken.

Ich finde das schade, dass du gleich zu Anfang deines Textes zu diesem Totschlagargument greifst. Ich hätte es besser gefunden, wenn du stattdessen eine intellektuelle Diskussion versucht hättest. Zum Beispiel darüber, warum sich bei uns bestimmte Kulturkreise schwerer integrieren lassen als andere. Warum zum Beispiel aus dem islamischen Kulturkreis die meisten Abbrecher von Integrationskursen kommen. Oder die meisten Parallelgesellschaften. Gerade mit deinem kulturellen Hintergrund hätten mich deine Erfahrungen dazu sehr interessiert. Du weißt zum Beispiel bestimmt, wie im islamischen Kulturkreis oder im chinesischen Kulturkreis über den westlichen Kulturkreis geredet wird. Nämlich was für große Unterschiede und Unvereinbarkeiten es da gibt. Und ich weiß nicht, ob du das als Rassismus bezeichnen würdest.

Noch etwas, woran du vielleicht nicht gedacht hast: Wir haben schon einen Vorrang für Zuwanderer aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis, nämlich mit der Freizügigkeit innerhalb der EU. Das finden alle ganz normal, und da regt sich auch keiner drüber auf. Es käme auch keiner auf die Idee, diese Freizügigkeit auf Pakistaner, Nigerianer oder Chinesen zu erweitern. Und ich glaube, dass selbst du nicht auf die Idee kommen würdest, der EU deswegen eine hässliche Portion Rassismus vorzuwerfen.

In dem Nachrichtenmagazin, für das du schreibst, wird ja in der Flüchtlingsdebatte immer wieder intellektuelle Redlichkeit eingefordert. Völlig zu Recht. Aber dazu passt es halt schlecht, wenn man andere, über die man sich gerade ärgert, als Rassisten verunglimpft. Oder die Wählerschaft als dumpf beleidigt. Das ist vielleicht gut für die Auflage oder die Klickrate, aber bestimmt nicht für das öffentliche Meinungsklima. In einer Demokratie sollten wir andere Meinungen aushalten und nicht eine Meinungsdiktatur errichten wollen. Ich halte deine andere Meinung ja auch aus.

Ich glaube nicht, dass dir dafür der Scharfblick fehlt, immerhin schreibst du ja für ein großes deutsches Nachrichtenmagazin. Aber vielleicht hast du da einfach ein bisschen Angst vor der Wahrheit.

Ich habe gestern im Leitartikel der FAZ gelesen: Deutschland muss Deutschland bleiben. Daran schloss sich der Gedanke, dass jedes Land die Kontrolle über die Zusammensetzung seiner Bevölkerung beanspruchen sollte. Ich finde das einen interessanten Gedanken. Über den könnte man sich mal austauschen. Argumentativ meine ich, ohne Totschlagargumente. Was meinst du?

Ein herzliches Servus aus Bayern nach Wien

Deine CSU

CHRISTLICH-SOZIALE UNION

CSU-Landesleitung
Franz Josef Strauß-Haus
Mies-van-der-Rohe-Str. 1
80807 München

Hasnain Kazim hat der CSU geantwortet:

"Liebe CSU, vielen Dank für deine Antwort."

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insgesamt 566 Beiträge
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Seite 1
dherr 15.09.2016
1.
Zu dieser Antwort gibts nur eins zu sagen: BRAVO!
Herr Knigge 15.09.2016
2.
Offenbar nicht verstanden, dass es genau um den Fehler geht in einer globalen Welt regional zu denken...und ja: das ist nicht wirklich rassistisch. Eher Feudal. Ob das nun besser ist...Am Ende steht dahinter die Idee, dass der eine Mensch mehr wert ist als der andere. Als ich letztes mal in das Grundgesetz geguckt habe, war das noch anders angedacht (wenn auch bis heute als Utopie).
sven2016 15.09.2016
3.
und wieder wird in der ewigen Debatte Zuwanderung und Asylrecht vermischt. Asylbewerber aus EU-Staaten gibt es nun mal nicht. Die C-Gruppen hätten gerne Asylbewerber aus christlich-abendländischen Gebieten? Dann sollten sie Problemstrukturen und Waffen nur in "passende" Länder liefern. Stimmt, "liebe CSU" ist ein dicker Fehler
henson999 15.09.2016
4. Der Klassiker
Man wechselt die Begriffe und schiebt die Diskussion dann in diese Richtung. Auf die ganzen anderen Punkte des Briefes muss man dann nicht mehr eingehen. Das lernt man in jedem Rethorik Grundkurs in der ersten Woche. Und darum sind die Leute alle so politikverdrosssen!
johannesraabe 15.09.2016
5.
Guter Konter!
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