CSU Seehofer bekennt sich zu unehelicher Tochter

Er will Verantwortung übernehmen - auch für seine uneheliche Tochter: CSU-Vize Seehofer hat sich erstmals öffentlich zu dem Mädchen bekannt, dass seine Freundin in der Nacht zu gestern in einer Berliner Klinik zur Welt gebracht hatte.

Hamburg - "Ich freue mich, dass ich eine gesunde Tochter habe und dass die Mutter die Geburt gut überstanden hat", sagte der Bundesagrarminister in München, wo er an einem Agrarforum teilnahm. "Ich liebe alle meine vier Kinder. Ich übernehme auch die Verantwortung für die jüngste Tochter, werde mich um sie kümmern und dafür sorgen, dass es ihr gut geht", so Seehofer. Der 57-Jährige ist verheiratet und hat aus dieser Ehe drei Kinder. Im Januar wurde seine außereheliche Affäre öffentlich. Seehofer will im Herbst CSU-Chef werden.

Das Agrarforum des "BayWa"-Konzerns erfreute sich aufgrund seines prominenten Gasts einer hohen journalistischen Aufmerksamkeit. Landwirtschaftliche Fragen rückten dabei allerdings in den Hintergrund. Als Seehofer seinem schwarzen Audi A8 entstieg, wurde er prompt mit einer lautstarken, wieder und wieder hervorgebrachten Frage konfrontiert: "Herr Seehofer, Millionen Mütter wollen den Namen ihres Kindes wissen."

Aber nein, Seehofer sagte dem drängenden Frager nichts. Auch das Kompromissangebot, nur den Anfangsbuchstaben zu nennen, schlug Seehofer aus. Einzig Gewicht (3040 Gramm) und Größe (50 Zentimeter) ließ sich der Minister entlocken. Die Freundin Seehofers, eine 33-jährige Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten, hatte das Mädchen in der Nacht zum Donnerstag in der Berliner Charité zur Welt gebracht.

Die Bundesregierung sprach von einer Privatangelegenheit Seehofers. "Ich äußere mal die starke Vermutung, das ist für alle Beteiligten Privatsache, strikte Privatsache", sagte Vize- Regierungssprecher Thomas Steg. Jeder müsse für sich entscheiden, wie er mit der Information umgehe. Dies entspreche den üblichen Gepflogenheiten unter den Kabinettsmitgliedern.

Seehofer will im September Edmund Stoiber an der Parteispitze nachfolgen und gegen Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber antreten. Ende Mai hatte er mit Äußerungen im Magazin "Stern" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als er sagte, dass er Informationen über das Privatleben von Parteikollegen habe. "Ich weiß viel. Ich habe viel Material", sagte er damals.

Erstmals seit Bekanntwerden seiner Affäre hatte er sich im Mai beim EU-Agrarministertreffen in Mainz öffentlich mit seiner Ehefrau Karin gezeigt. Seehofer sagte heute über sein gegenwärtiges Verhältnis zu ihr: "Wir gehen vernünftig miteinander um."

flo/sef/dpa/AP

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