CSU-Vorsitz Huber packt es schon im ersten Versuch

Es reichte nur ein Wahlgang: Erwin Huber ist neuer CSU-Chef. Der bayerische Wirtschaftsminister setzte sich in einer Kampfabstimmung um die Nachfolge von Edmund Stoiber gegen seine Rivalen Horst Seehofer und Gabriele Pauli klar durch. Die Fürther Landrätin bekam nur 2,5 Prozent der Stimmen.


München - Huber erhielt 558 von 959 gültigen Stimmen, was einer Zustimmung von 58,2 Prozent entspricht. Für Bundesagrarminister Horst Seehofer votierten 375 Delegierte, er kam damit auf 39,1 Prozent. Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli fiel mit nur 24 Stimmen (2,5 Prozent) durch.

Huber: 58,2 Prozent im ersten Wahlgang
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Huber: 58,2 Prozent im ersten Wahlgang

Huber tritt damit die Nachfolge von Stoiber an, der nach neun Jahren aus dem Amt scheidet. Der 61-jährige Niederbayer will zunächst in der Landespolitik bleiben und erst 2009 nach Berlin wechseln. Seehofer wollte nach seiner Niederlage wieder als stellvertretender CSU-Vorsitzender kandidieren. Der 58-jährige Ingolstädter hatte Huber schon vor der Wahl seine Unterstützung zugesagt. Er will Bundesminister in Berlin bleiben.

Seehofer zeigte sich trotz der Schlappe zufrieden. "Das ist bei der Konstellation das, was möglich ist." Er wolle wieder als CSU-Vize antreten. Seehofer gratulierte Huber als einer der ersten und sagte zu ihm: "Danke für den tollen Kampf."

Unmittelbar nach der Wahl wurde der langjährige Parteichef Edmund Stoiber per Akklamation zum Ehrenvorsitzenden gekürt. Stoiber gratulierte Huber und sagte, die CSU habe ein "hohes Maß an kollektiver Vernunft bewiesen". Huber bat unmittelbar nach seiner Wahl den Verlierer Seehofer und den künftigen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, in Gemeinsamkeit die großen Aufgaben in Bayern und in Deutschland anzugehen. "Ich bitte alle, dass wir zusammenstehen."

Mit rund 20-minütigen Reden hatten die drei Kandidaten zuvor um die Stimmen geworben. Als erster war Seehofer an der Reihe. Er ging in seiner Rede auch indirekt auf seine außereheliche Affäre ein, die für viel Wirbel gesorgt hatte. "Wir wissen um die Unvollkommenheit des Menschen - auch um meine eigene." Klar sei zudem, dass Ehen in Schwierigkeiten geraten oder auch scheitern könnten. Deshalb dürfe man jedoch nicht seine Wertmaßstäbe relativieren. Er stehe weiter zum Schutz von Ehe und Familie.

Seehofer betonte, der Vorschlag von Pauli für eine Ehe auf Zeit sei mit der CSU "nicht zu machen". Der Minister kündigte an, im Falle seines Erfolges wolle er die Parteibasis stärker als bisher mit einbeziehen. Er warb für einen "Stil der Offenheit und Transparenz".

Pauli, die zweite Rednerin, verteidigte dagegen ihren Vorstoß. Ihr gehe es nicht darum, dass ihre Ideen bei den Delegierten gut ankämen. Vielmehr seien in der CSU auch kontroverse Debatten wichtig. Sie sprach sich außerdem gegen das von der CSU-Spitze geforderte Betreuungsgeld aus. Viele Bürger hätten es satt, dass Politiker ihre persönliche Meinung und lebendige Debatten unterdrückten zu Gunsten von Parteidisziplin und taktischem Spielchen nach dem Motto: "Was kommt gut an." "Ich tue das nicht", sagte die 50-Jährige.

Als letzter durfte Huber ans Mikrofon. Die CSU stehe "hervorragend da". Deshalb brauche sie auch "keine große Richtungsänderung". Vielmehr solle die CSU an "Bewährtem" festhalten. Huber forderte zugleich die Partei zu Loyalität und Zusammenhalt auf. Ziel müsse es sein, dass die CSU bei der bayerischen Landtagswahl in einem Jahr "50 Prozent plus X" erreiche. Bei der nächsten Bundestagswahl müsse erreicht werden, dass nicht ohne die Union und nicht gegen sie regiert werden könne. "Die CDU muss wissen, sie braucht eine starke CSU in Deutschland."

Huber lehnte Paulis Forderung nach der Befristung von Ehen ab. "Kinderfreundlich ist so etwas nicht." Es könne in der CSU nicht sein, dass jeder sein eigenes Programm vorlege.

als/ddp/dpa



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