Cyberangriffe auf Politiker Generalbundesanwalt ermittelt gegen Putins Hacker

Erstmals hat die Bundesregierung Russlands Militärgeheimdienst GRU öffentlich für die Hackerkampagne »Ghostwriter« angeprangert. Nach SPIEGEL-Informationen ermittelt nun auch die Bundesanwaltschaft.
Bundesanwaltschaft in Karlsruhe

Bundesanwaltschaft in Karlsruhe

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Generalbundesanwalt Peter Frank ermittelt wegen einer groß angelegten Cyberangriffskampagne Russlands vor der Bundestagswahl. Das bestätigte ein Sprecher der Karlsruher Behörde dem SPIEGEL.

Seit Monaten versuchen Hacker der Gruppe »Ghostwriter« sich mit sogenannten Phishingmails Zugang zu privaten E-Mail-Konten von Bundestags- und Landtagsabgeordneten zu verschaffen. Hinter den Angriffen steckt nach Überzeugung der deutschen Sicherheitsbehörden der russische Militärgeheimdienst GRU. Vor allem Politiker von Union und SPD sollen dabei ins Visier geraten sein.

Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, warnte im Juli, dass bei den Attacken persönliche Informationen erbeutet und später für Fake News und Schmutzkampagnen verwendet werden könnten – ähnlich ist die Gruppe bereits in Polen und im Baltikum vorgegangen.

Russischer Geheimdienst GRU hackte 2015 das Bundestagsnetzwerk

Trotz mehrerer Warnungen der Deutschen in direkten Gesprächen mit Russland soll die Hackerkampagne zuletzt allerdings nochmals intensiver geworden sein. Deshalb ging am Montag nun das Auswärtige Amt mit einer außergewöhnlich scharfen Stellungnahme an die Öffentlichkeit. »Die Bundesregierung fordert die russische Regierung mit allem Nachdruck auf, diese unzulässigen Cyberaktivitäten mit sofortiger Wirkung einzustellen«, sagte eine Sprecherin.

Dabei benannte das Auswärtige Amt auch erstmals namentlich, wen die Bundesregierung für die Hackerangriffe verantwortlich macht: den russischen Militärgeheimdienst GRU, der 2015 schon das Bundestagsnetzwerk gehackt hatte. Die Regierung betrachte dieses »inakzeptable Vorgehen als Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und für den demokratischen Willensbildungsprozess«.

»Die Bundesregierung fordert die russische Regierung mit allem Nachdruck auf, diese unzulässigen Cyberaktivitäten mit sofortiger Wirkung einzustellen.«

Sprecherin des Auswärtigen Amtes

Die Sicherheitsbehörden haben den Bundestag in diesem Jahr bereits mindestens dreimal über Cyberangriffe ausländischer Geheimdienste auf Parlamentarier informiert.

»Ghostwriter«-Hacker kaperten Twitteraccount eines polnischen Politikers

In einem Schreiben vom 24. Juni warnten der Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: »Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl 2021 beobachtet das Bundesamt für Verfassungsschutz derzeit, dass sich nachrichtendienstliche Angriffe gegen Parteiangehörige intensivieren.« Fremde Dienste könnten mit den Hackerattacken darauf abzielen, »persönliche und intime Informationen oder auch fabrizierte Falschnachrichten zu veröffentlichen«.

Gespeist werden die Befürchtungen auch aus Erfahrungen aus den baltischen Staaten, wo eine erfundene Nachricht über die angebliche Schändung eines jüdischen Friedhofs in Litauen durch deutsche Soldaten platziert wurde.

Auch Vorfälle in Polen ließen die mit Spionageabwehr befassten Dienste hierzulande aufhorchen. Dort übernahmen Hacker der »Ghostwriter«-Gruppe unter anderem den Twitteraccount eines Politikers der regierenden PiS-Partei und veröffentlichten intime Fotos einer Parteifreundin – eine moderne Form des Rufmords.

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