Streit in der CDU Daniel Günther verteidigt Kanzlerin gegen Kritik von "älteren Männern"

Nach der Landtagswahl in Thüringen hatte Friedrich Merz scharfe Kritik an Angela Merkel geübt. Jetzt springt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther der Kanzlerin zur Seite - und wird deutlich.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU): "Kein guter Stil"
Frank Molter/dpa

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU): "Kein guter Stil"


Nach der Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther seine Parteifreundin in Schutz genommen. Es sei sehr offensichtlich, "dass es hier eher darum geht, alte Rechnungen zu begleichen", sagte das beratende Mitglied des CDU-Präsidiums in einem Interview des ZDF. "Ich habe wenig Verständnis dafür."

Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz hatte nach der Landtagswahl in Thüringen das Erscheinungsbild der Bundesregierung als "grottenschlecht" bezeichnet und vor allem Merkel heftig attackiert. Die CDU musste bei der Abstimmung heftige Verluste hinnehmen.

Die Forderung nach einem vorzeitigen Ende von Merkels Amtszeit bezeichnete Günther als "Debatte, die von älteren Männern geführt wird, die vielleicht nicht ihre Karriereziele in ihrem Leben erreicht haben". Aber dies sei eine Sache, "die sollten sie mit sich persönlich ausmachen, und das sollten sie jetzt nicht in die CDU reintragen".

Natürlich müsse nach einem Wahlergebnis wie in Thüringen eine sorgsame Analyse erfolgen, sagte Günther. Und ohne Zweifel sei es so, "dass auch die Situation auf Bundesebene nicht geholfen hat, um ein ordentliches Ergebnis hinzubekommen". Insofern sei es in Ordnung, eine kritische Debatte auch innerhalb der Partei zu führen.

Ihn erinnere das aber an die Situation, in die die SPD geraten sei, sagte Günther: "Man fängt an, sich sozusagen von eigenen Entscheidungen zu distanzieren, die man mal getroffen hat. Jetzt geht's darum, die Lebensleistung Merkels zu kritisieren, mit der wir vier Wahlen gewonnen haben, und es geht darum, schlecht über die eigene Arbeit zu sprechen."

Günther weiter: "Ich halte das nicht für hilfreich, gerade wenn das von der Seitenlinie kommt - von Menschen, die mal Verantwortung für die Union getragen haben, aber das ist auch lange vorbei."

Immer dann, wenn es möglich sei, eine Schlagzeile zu produzieren, dann sehe man etwas von diesen Leuten. Aber wenn es darum gehe, wirklich auch für die Partei zu arbeiten, dann "machen sie sich wieder vom Acker". "Das, finde ich, ist wirklich unverantwortlich. Und von daher halte ich das schlicht und ergreifend für keinen guten Stil", so Günther.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Angela Merkel sei noch CDU-Parteichefin. Wir haben dies korrigiert.

jki/dpa/AFP



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