"Compact" Das Magazin, das jetzt auch der Verfassungsschutz liest

Die Zeitschrift "Compact" verbreitet seit Jahren Verschwörungstheorien und Rechtsaußen-Gedankengut. Nun hat es der Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft - als der galt bislang auch der AfD-"Flügel".
Jürgen Elsässer, Chefredakteur des rechtspopulistischen "Compact"-Magazins.

Jürgen Elsässer, Chefredakteur des rechtspopulistischen "Compact"-Magazins.

Foto: Sebastian Willnow/ DPA

Xavier Naidoo hat treue Freunde. Nachdem der Sänger wegen wiederholt rassistischer Aussagen von RTL am Mittwoch aus dem Programm genommen wurde, dauerte es nicht lange, bis Vertreter eines anderen Mediums zu seiner Unterstützung eilten.

"Wow, dieser Mann ist der Hammer", hieß es bereits nach wenigen Stunden auf der Internetseite des "Compact"-Magazins. Und: "Dieser Sohn Mannheims ist einer der wenigen Helden, die Deutschland noch hat." In Kürze solle eine Sonderausgabe über Naidoo folgen.

Die Begeisterung für einen Sänger mit Hang zu Verschwörungstheorien und offenem Rassismus passt zu "Compact". Seit zehn Jahren arbeitet sich das Heft, das sich als "Magazin für Souveränität" versteht, an Deutschland und seinen Institutionen ab. Ganz vorn dabei: Chefredakteur Jürgen Elsässer, der die Zeitschrift nicht nur erfand, sondern seitdem auch engagiert im neurechten Milieu bewirbt.

Rechtsextremer Verdachtsfall

Diese Verbindungen interessieren inzwischen auch die Sicherheitsbehörden. Am Donnerstagmorgen erklärte Verfassungsschutz Thomas Haldenwang in Berlin, dass "Compact" als sogenannter Verdachtsfall eingestuft werde - als der galt bislang auch der AfD-"Flügel", bevor er am Donnerstag vom Verfassungsschutz offiziell unter Beobachtung gestellt wurde: "Das Magazin bedient sich revisionistischer, verschwörungstheoretischer und fremdenfeindlicher Motive."

Wie das Heft politisch aufgestellt ist, lässt sich bereits auf den Titelseiten erahnen.

Halbmond über Berlin

Die Darstellungen sind meist düster, aber immer eindeutig. "Die Königin der Schlepper”, heißt es dann über Bildern der Bundeskanzlerin und junger Migranten. Ein anderes Mal steht der Halbmond in dunklen Wolken über dem Reichstagsgebäude. Davor weist ein orientalisches Ortsschild den Weg in die Hauptstadt. Titel: "Fremd im eigenen Land.”

Die Auflage, die "Compact" damit erzielt, scheint recht stabil zu sein. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise verkaufte sich das Magazin 85.000 Mal. Seitdem seien es etwa 40.000, sagte Elsässer vor zwei Jahren dem SPIEGEL, später wurden ähnliche Zahlen bekannt. Neben den regelmäßigen Heften erscheinen immer wieder Sonderausgaben, zuletzt etwa über Björn Höcke ("Interviews, Reden, Tabubrüche") oder den NSU ("Warum Beate Zschäpe freigelassen werden muss").

Mit solchen Formulierungen ist Elsässer zu einem der Stichwortgeber der Neuen Rechten geworden. Der 63-Jährige spricht bei Pegida, trifft sich mit anderen Szene-Publizisten wie Götz Kubitschek oder veranstaltet Kongresse mit AfD-Politikern. Für Elsässer selbst war es ein weiter Weg dorthin - noch vor zwanzig Jahren schrieb er für die linke "Konkret". In den Achtzigern war er im Kommunistischen Bund.

Verschwörungstheorien über Hanau

Geblieben ist über all die Jahre neben dem schwäbischen Einschlag vor allem Elsässers Lust an Verschwörungstheorien. Nach dem Anschlag in Hanau veröffentlichte sein Magazin ein YouTube-Video im Stile eines Fernsehbeitrags. "Ein Bandenkrieg" habe vor den neun Morden in der Luft gelegen, raunte da der Reporter faktenfrei in die Kamera: "Mit den Russen aus Frankfurt am Main."

"Irgendwie stinkt die Sache zum Himmel", schlussfolgerte kurz darauf Chefredakteur Elsässer und fand schließlich historische Parallelen: "So wie bei Marinus van der Lubbe, was den Reichstagsbrand angeht."

Dass der "Compact"-Chef die rassistischen Morde von Hanau in wenigen Sätzen mit dem Ende des Reichtstags 1933 verknüpft, zeigt anschaulich, warum das Magazin inzwischen auch die Sicherheitsbehörden interessiert. Aus der Zeitschrift, die sich lange dem "Querfront"-Spektrum zwischen Friedensmahnwachen und Pegida-Spaziergängen zuordnen ließ, ist inzwischen eine oft unverhohlen rechtsradikale Publikation geworden.

AfD-Verbindungen und offen rechtsradikale Positionen

Das Magazin ist längst auf verschiedenen Kanälen aktiv. Die Videos von "Compact TV" erreichen auf YouTube aktuell meist fünf-, manchmal sechsstellige Abrufzahlen. Zu den Moderatorinnen gehörte zeitweise die Ehefrau eines AfD-Bundestagsabgeordneten.

In wenigen Wochen plant das Magazin unter dem Titel "Verbrechen an Deutschen" eine Konferenz über den Zweiten Weltkrieg. Über einen der Referenten heißt es auf der Internetseite des Magazins: "Seine These: Juden, Russen und Deutsche wurden Opfer derselben angloamerikanischen Finanzmächte."

Seit' an Seit': AfD-Politiker zusammen mit "Compact"-Chefredakteur Jürgen Elsässer beim Politischen Aschermittwoch der sächsischen AfD 2018.

Seit' an Seit': AfD-Politiker zusammen mit "Compact"-Chefredakteur Jürgen Elsässer beim Politischen Aschermittwoch der sächsischen AfD 2018.

Foto: Sebastian Kahnert/ DPA

Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte "Compact" eine Sonderausgabe über den angeblichen "Tiefen Staat". In einem YouTube-Video erklärte Elsässer, was es damit auf sich habe: "Darunter versteht man ein Geflecht aus Geheimdiensten, Wirtschaftsbossen, Börsengurus, linken Medien."

Außerdem, so erzählte der Rechtspublizist, habe diese Struktur "engste Verbindungen zum Großkapital, zur Hochfinanz". Auch die AfD sei im Visier des Geheimdienstes. Vor allem die Junge Alternative und der "Flügel" würden beobachtet und, so Elsässer: "Natürlich werden diese Geheimdienstleute auch Compact beobachten."