De Maizière in Mali Crashkurs mit vielen Unbekannten

Stippvisite in Mali: Noch vor dem Start der deutschen Ausbildungsmission reiste Thomas de Maiziére in den Krisenstaat. Der Verteidigungsminister erlebte hautnah, dass es bei der neuen Aufgabe für die Bundeswehr noch viele Unklarheiten gibt.

Aus Bamako berichtet  


Thomas de Maizière ist bekannt für deutliche Aussagen. Am Montag aber, nach einer kurzen Unterredung des Bundesverteidigungsminister mit dem Übergangspräsidenten des Krisenlands Mali, erlebt man den CDU-Politiker anders. Vom Himmel brennt die gleißende Sonne Westafrikas, der deutsche Gast hat sich unter eine Palme im Garten der Präsidentenresidenz platziert. Er spricht von der deutschen Ausbildungsmission für die desolaten malischen Truppen, die mit der Entsendung von rund 40 Trainern schon in den kommenden Wochen beginnen soll.

Konkrete Fragen aber kann de Maiziére bei seinem ersten Besuch in Westafrika noch nicht beantworten: Welche Soldaten Malis sollen die Deutschen eigentlich ausbilden? Wie werden diese ausgesucht? Wie gefährlich wird die neue Auslandsmission für die Bundeswehr?

Auf die meisten Fragen hat de Maizière keine konkreten Antworten parat. Man werde sehen müssen, wie sich die Lage entwickelt, sagt er. Dann folgen Standardsätze über die Notwendigkeit von Wahlen und einen Versöhnungsprozess. Schließlich fällt ihm doch noch eine kleine Pointe ein: Unter den malischen Soldaten, mit denen die Deutschen zusammen arbeiten sollen, sei ja auch eine hochrangige Soldatin. Das sei doch eine tolle Sache.

De Maizière ist mit seiner Stippvisite in Mali früh dran. Zwar unterstützt die Bundeswehr schon seit einigen Wochen mit Transportflugzeugen den schleppenden Anmarsch der versprochenen afrikanischen Ecowas-Soldaten und betankt mit einem Luftwaffenairbus fast jeden Tag französische Kampfjets und Aufklärungsmaschinen, die Einsätze über dem Norden des Lands fliegen. Das alles findet im Senegal statt. Die eigentliche Mission aber, ein Ausbildungsprogramm für die schwache und schlecht ausgerüstete malische Armee, soll erst in den kommenden Wochen beginnen. Dazu sollen rund 40 deutsche Trainer in Mali stationiert werden, 40 weitere werden in dem Armeestützpunkt in Koulikoro ein Feldlazarett für die Gäste aus Europa aufbauen.

Politisch ist die Mission auf vielen Seiten Papier detailreich geplant. Nach einer nur 15 Monate dauernden Turbo-Schulung sollen die malische Armee oder zumindest einige Brigaden wieder voll leistungsfähig sein. Neben einer Grundausbildung sollen die Soldaten lernen, wie man Operationen plant, Einheiten verlegt und die Missionen vor allem durchhält. Quasi nebenbei sollen die Europäer ihren malischen Kameraden auch noch einen Crash-Kurs in Sachen Menschenrechte verpassen. Dass dies in ein paar Monaten nicht zu schaffen ist, weiß de Maizière, im Palmengarten mahnt er deswegen auch gleich einen "langen Atem" in der Heimat an.

Die EU lässt sich mit der Mission auf ein Abenteuer ein

Tatsächlich lässt sich die EU mit ihrer neuen Mission auf ein Abenteuer ein: Seit dem Frühjahr 2012 wurde über die Trainingsmission geredet, doch erst nach der französischen Intervention gegen die Islamisten im Norden des Lands ein Jahr später konnte man sich zu Beschlüssen durchringen. Nun soll alles ganz schnell gehen: Ab Anfang April sollen rund 500 Europäer mit dem Training beginnen und um die 4000 malischen Soldaten irgendwie wieder einsatzfähig machen. Die Deutschen haben es dabei noch gut: Die Bundeswehr hat bereits ein Ausbildungsprojekt für Pioniere in Mali betrieben, an das Programm lässt sich jetzt nahtlos anschließen.

Über den Zustand der malischen Truppen insgesamt aber weiß man wenig, in Bundeswehrpapieren wird immer wieder eine aktuelle Stärke von rund 5000 Mann angegeben. Ob dies realistisch ist, kann jedoch bisher niemand sagen. Ebenso unklar ist die Führung der Streitkräfte. Einige Offiziere putschten sich im März 2012 an die Macht in Bamako, seitdem geht durch die Ränge der militärischen Führung ein tiefer Riss. Wer die Truppen derzeit befehligt, ist weitgehend rätselhaft. Zwar traf de Maizière in Mali auch den amtierenden Verteidigungsminister. Welche Macht dieser aber tatsächlich über seine Generäle hat, weiß man weder in Berlin noch den anderen europäischen Hauptstädten.

Für einen Ministerbesuch, normalerweise eine eng terminierte Abfolge von politischen Gesprächen, bekommt Maizière in Mali ziemlich viel zu sehen. Von der Hauptstadt Bamako aus rast er am Nachmittag noch nach Koulikoro. 90 Minuten rumpelt die Wagenkolonne durch bettelarme Dörfer am Niger entlang, dann geht es in das künftige Lager der deutschen und europäischen Ausbilder.

Dort hat sich in den letzten Monaten einiges getan: In der Nachmittagssonne streichen lokale Arbeiter die Unterkünfte für die erwarteten Ausländer. Auf dem ehemaligen Fußballplatz planieren ihre Kollegen eine Fläche, auf die später Zelte für die malische Armee gesetzt werden sollen. Selbst ein Empfangskommando steht in Reih und Glied. Der Minister zeigt sich "beeindruckt".

Den französischen Brigadegeneral Francois Leconte, er leitet die EU-Mission, freut der hohe Besuch aus Deutschland. Er würde am liebsten sofort mit der Ausbildung loslegen. Auch eine Sorge kann der schneidige Franzose dem Gast aus Deutschland gleich nehmen. "Die Sicherheitslage hier in Koulikoro ist gut, es besteht keine Gefahr von Anschlägen", sagt er bei einem Rundgang durch die Anlage. Der französische Oberst Nouhoum Traore, der seit vielen Jahren mit den Deutschen in Mali zusammen gearbeitet hat, wird noch ein bisschen überschwänglicher. "Ich will hier ein deutsches Produkt schaffen", sagt er fast ohne Akzent.

De Maizière ist zu diesem Zeitpunkt schon komplett durchgeschwitzt und doch zufrieden. "Wir fangen jetzt hier erstmal an", sagt er dann wieder etwas vage, "im Herbst sehen wir dann, wie wir weit wir gekommen sind".

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 18.03.2013
1.
Zitat von sysopDPAStippvisite in Mali: Noch vor dem Start der deutschen Ausbildungsmission reiste Thomas de Maiziére in den Krisenstaat. Der Verteidigungsminister erlebte hautnah, dass es bei der neuen Aufgabe für die Bundeswehr noch viele Unklarheiten gibt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/de-maiziere-in-mali-crashkurs-mit-vielen-unbekannten-a-889616.html
Wow! Wie toll! Die Franzosen haben quasi im Alleingang Mali mit 2500 Mann zurückerobert und das innerhalb weniger Tage. Und die Deutschen? Die schaffen es gerademal 80 Mann für eine Ausbildungsmission zu organisieren ... und benötigen dafür fast 2 Monate! Einfach lachhaft und oberpeinlich!!!! Die Bundeswehr ist und bleibt in weiten Teilen eine Operettenarmee.
ANDIEFUZZICH 18.03.2013
2. Un des(s)ert africaine
Zitat von vox veritasWow! Wie toll! Die Franzosen haben quasi im Alleingang Mali mit 2500 Mann zurückerobert und das innerhalb weniger Tage. Und die Deutschen? Die schaffen es gerademal 80 Mann für eine Ausbildungsmission zu organisieren ... und benötigen dafür fast 2 Monate! Einfach lachhaft und oberpeinlich!!!! Die Bundeswehr ist und bleibt in weiten Teilen eine Operettenarmee.
Das erzählen sie mal den deutschen Soldaten in Afghanistan, die dort täglich ihren Kopf hinhalten müssen für unrealistische Konzepte der Politiker. Nicht die Bundeswehr ist operettenhaft, sondern die politische Führung.
maxderzweite 19.03.2013
3. Eine Unverschämtheit!
Die Bundeswehr braucht nur solange bzw. ist nicht so gut ausgerüstet, weil die Politik komplett unfähig ist, sich endlich mal darauf zu einigen das die Bundeswehr keine Verteidigungsarmee ist!
pacificwanderer 19.03.2013
4. Wie im Irrenhaus:
kein klarer Auftrag, keine Ahnung von den 'Azubi' und ihrer Staerke, keine qualifizierten Gespraechsspartner. Aber: Wir fangen erst mal an... Wie bei der Bw. ....Die Truppe tut mir leid, bei solch einem Minister.
korpulenterlangweiler 19.03.2013
5. @vox veritas
Aha... Worauf stützt sich denn ihre Behauptung ab? Als offensichtlich Außenstehender derartige Kommentare von sich zu geben wirkt allenfalls lächerlich. Die Bundeswehr braucht so lange, um ihre Frauen und Männer zu entsenden, da eine Order diesbezüglich seitens der politischen Verantwortlichen fehlt. Die Soldaten sind für diesen Einsatz bereits ausgebildet und warten nur auf den Abflugtermin. Zudem ist ein solches Unternehmen immer auch von anderen politischen Akteuren (hier die EU-Staaten) abhängig, meint Abstimmung untereinander. Zum Stichwort Frankreich kann ich nur sagen, dass sich unsere französischen Freunde seit mehr als einem Jahrhundert dort vor Ort mit Truppen und schweren Gerät befinden. Afrika ist deren ureigenster Interessenbereich. Im Gegensatz zu uns! Und darüber hinaus beteiligt sich Frankreich in AFG mit einem deutlich geringeren nicht messbaren militärischen Beitrag und verfügt somit über die notwendigen Kräfte in MALI!
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