Debatte Kein Kindergeld für Besserverdiener?

Nachdem die Bundesregierung ihren Armutsbericht vorgelegt hat, gibt es Diskussionen über die Verteilung des Kindergeldes. Gewerkschafter und Politiker schlagen vor, dass reichere Familien die Hilfe nicht mehr bekommen sollen. Doch vorerst gibt es nur relativ unkonkrete Willensbekundungen.


Kinder im Bundestagskindergarten: Weniger Kindergeld für Parlamentarier?
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Kinder im Bundestagskindergarten: Weniger Kindergeld für Parlamentarier?

Hamburg - Der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte forderte die Politik dazu auf, Kindergeld nur noch an diejenigen auszuzahlen, die staatliche Hilfe wirklich benötigen. "Ich bin dafür, dass Kindergeld nur die bekommen, die es wirklich benötigen - dann kann es auch mehr sein. Wie man das rechtlich löst, darüber sollten sich die Juristen den Kopf zerbrechen," sagte Schulte in einem Interview mit "Bild am Sonntag."

Die Vorsitzende des SPD-Familienforums, Renate Schmidt, unterstützt diese Linie. "Ich würde mir wünschen, dass Menschen mit hohen Einkommen kein Kindergeld bekommen. Es sollte an die gehen, die es wirklich brauchen", sagte Schmidt. "Besserverdienende, die statt Kindergeld einen Steuerfreibetrag von immerhin rund 4000 Mark netto in Anspruch nehmen, sollten das Geld an Organisationen wie Unicef, Kinderhilfswerk oder den Kinderschutzbund spenden."

Zustimmung gab es auch vom ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel, selbst Vater von drei Kindern: "Für mich wäre ein Verzicht überhaupt kein Problem, wenn es verfassungsmäßig möglich wäre. Ich bin in meinem Alter als Familienvater in einer besseren finanziellen Situation als Ehepaare, die am Anfang von Beruf und Familie stehen. Ich würde gerne darauf verzichten."

Anklang fand der Vorschlag auch bei den Grünen. Die finanzpolitische Sprecherin der Partei, Christine Scheel, sagte: "Ich spende mein Kindergeld seit Jahren an Einrichtungen, wo es Kindern zugute kommt, die es nicht so gut haben wie meine."



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