Debatte über Flugsicherheit Passagierselektion macht es Terroristen leicht

Soll man Passagiere nach Risikofaktoren sortieren? Der Vorschlag aus dem Deutschen Flughafenverband ist nicht nur grundgesetzwidrig, sondern auch kontraproduktiv. Denn al-Qaida und Co. rekrutieren längst Kämpfer, die eben nicht auffallen.
Von Peter R. Neumann
Fluggast bei der Kontrolle in Hamburg: Profiling macht Fliegen nicht sicherer

Fluggast bei der Kontrolle in Hamburg: Profiling macht Fliegen nicht sicherer

Foto: dapd

Kampf gegen den Terrorismus

Als Mittel der Terrorismusbekämpfung ist das sogenannte Profiling, durch das Flugpassagiere aufgrund Herkunft und vermeintlicher Religionszugehörigkeit in Risikogruppen eingeteilt werden, nicht nur ineffektiv, sondern erschwert den .

islamistischen Terrorismus

Negativ wirkt sich das Anlegen solcher Profile vor allem langfristig aus. Wer bekämpfen will, der braucht dafür das Vertrauen und die Zusammenarbeit der muslimischen Bevölkerung. Ein Sicherheitsregime, das Menschen mit scheinbar muslimischen Namen zu Bürgern zweiter Klasse macht, ist offensichtlich grundgesetzwidrig. Vor allem aber untergräbt es alle Anstrengungen, muslimische Einwanderer und deren Kinder in Deutschland zu integrieren.

In Amerika haben die Politiker seit dem 11. September 2001 genau aus diesem Grund alle Versuche, das Profiling an Flughäfen einzuführen, verworfen.

Mehr noch: Im dortigen Heimatschutzministerium gibt es mittlerweile eine Abteilung, an die sich amerikanische Muslime wenden können, wenn sie aufgrund ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens an Flughäfen oder Bahnhöfen benachteiligt werden. Die amerikanische Regierung begreift solche Maßnahmen als wichtigen Bestandteil der Terrorismusprävention.

Auch kurzfristig ist das Profiling kontraproduktiv. Jeder Experte weiß, dass islamistische Terroristen nicht unbedingt "muslimisch" aussehen oder islamisch klingende Namen haben. Erst vor zwei Jahren warnte der damalige Innenstaatssekretär Hanning vor der Gefahr durch deutsche Konvertiten, die sich in den pakistanischen Stammesgebieten zu heiligen Kriegern ausbilden lassen.

Vergeudung wichtiger Ressourcen

Sauerlandprozess

Und in der Tat: Im bisher größten deutschen Terrorismusverfahren nach dem 11. September 2001, dem sogenannten , waren zwei der vier Hauptangeklagten deutsche Staatsbürger, die als Christen aufwuchsen und erst später zum Islam übertraten.

Einer hieß Daniel Schneider, der andere Fritz Gelowicz. Schneider hatte bei seiner Festnahme im September 2007 schulterlanges braunes Haar und trug keinen Bart; Gelowicz war blondhaarig und großgewachsen. Weder Name noch Aussehen der beiden hätten bei einer Sicherheitskontrolle am Flughafen irgendeinen Verdacht ausgelöst.

Statt sich gefährlichen Terroristen zu widmen, führt das Profiling dazu, dass die Sicherheitsbehörden Zeit und wichtige Ressourcen damit vergeuden, harmlose Personen mit exotischen Namen oder "falscher" Hautfarbe zu kontrollieren.

Im Gegenteil: Die Terroristen haben es hierdurch eher leichter, denn sie wissen ja, wonach die Sicherheitsbehörden suchen. Berichte aus den pakistanischen Trainingslagern zeigen, dass al-Qaida seit geraumer Zeit vermehrt sogenannte "Clean Skins" rekrutiert - weißhäutige Konvertiten mit westlichen Pässen -, die bei Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen weniger auffallen.

Natürlich müssen wir uns darum bemühen, die Kontrollen an den Flughäfen effektiver zu machen. Profiling nach Herkunft und Religionszugehörigkeit aber ist eine schlechte Idee, die das Fliegen weder bequemer noch sicherer macht.

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