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Karl-Theodor zu Guttenberg: Meister der Inszenierung

Foto: Yves Logghe/ AP

Debatte über Guttenberg Das Orakel von Kulmbach

Der frühere CSU-Star Guttenberg macht aus seinen Zukunftsplänen ein großes Geheimnis. Pünktlich zum Jahreswechsel werden neue Spekulationen um ein Comeback in der Bundespolitik laut. Doch ist der Freiherr in seinem Wahlkreis überhaupt noch willkommen?

Berlin - Der gefallene Shootingstar, der größte Polit-Skandal 2011, das überraschendste Comeback: Kein Jahresrückblick kommt ohne Karl-Theodor zu Guttenberg aus. Fast scheint es, als wäre der Ex-Verteidigungsminister nie wirklich weggewesen, ausgeschieden aus allen Ämtern, ausgewandert nach Connecticut. Dafür gesorgt hat Guttenberg selbst: Gerade einmal drei Monate hielt er es in der Ferne aus, bis er sich als Außenpolitik-Experte wieder zu Wort meldete, ein Interviewbuch herausbrachte und wenig später als Internetberater für die EU-Kommission vorstellig wurde.

Pünktlich zum Jahreswechsel werden Spekulationen um seine Rückkehr in die Bundespolitik nun angefacht. Denn die Option, in seinen Wahlkreis Kulmbach  in Oberfranken zurückzukehren, um 2013 zur Bundestagswahl anzutreten, hatte sich Guttenberg stets offengelassen.

Der CSU-Landrat im oberfränkischen Lichtenfels, Christian Meißner, brachte das Thema zwischen den Jahren wieder aufs Tapet. "Die Basis erwartet, dass sich Guttenberg endlich bekennt", sagte er dem Magazin "Focus". Die Frage stehe im Raum: Will Guttenberg noch mal ins Rennen gehen oder nicht? Man müsse das in einem persönlichen Gespräch klären, und zwar möglichst schnell, forderte er.

Meißner ging gegenüber SPIEGEL ONLINE davon aus, dass ein Treffen mit Guttenberg in den kommenden Wochen stattfinden werde. "Wir müssen zeitnah mit ihm über seine politischen Zukunftspläne sprechen", erklärte er. Ein konkreter Termin stünde noch nicht fest.

"Er würde mit offenen Armen empfangen werden"

Klar ist: Will Guttenberg noch einmal über ein Direktmandat in den Bundestag, muss er sich rechtzeitig um seine Aufstellung als Kandidat bemühen. Bei der Bundestagswahl 2009 brachte er es mit knapp 70 Prozent noch zum deutschen Erststimmen-König. Jetzt ist sein Wahlkreis verwaist. Gegenwärtig betreuen die CSU-Abgeordneten Thomas Silberhorn und Hans Michelbach das Gebiet, das sich über die Landkreise Bamberg, Kulmbach und Lichtenfels erstreckt.

Der Wahlkreis gilt als sichere CSU-Bastion. Doch ist Guttenberg nach allem, was passiert ist, überhaupt noch willkommen in seiner politischen Heimat? Der 40-Jährige hatte der CSU den Status einer Volkspartei abgesprochen und ihr vorgeworfen, sie habe "Spinnweben" angesetzt. Damit verärgerte er nicht nur Teile der Basis, sondern auch die Führungsspitze.

In Oberfranken gehen die Meinungen auseinander. Dass bislang niemand offen Interesse an einer Kandidatur gezeigt habe, wertet Landrat Meißner als "Beleg, dass die Basis Guttenberg zurückhaben will". Jetzt liege der Ball auf Guttenbergs Seite: "Wenn er zurückkommt und kandidiert, dann ist ja alles in Ordnung, dann wird er mit offenen Armen empfangen."

Falls sich Guttenberg dagegen entscheide, müsse man aber die Gelegenheit bekommen, rechtzeitig einen neuen Kandidaten zu finden. "Wir brauchen irgendwann mal ein Signal", so Meißner. "Das ist ein Gebot der Fairness."

Ist Guttenberg noch glaubwürdig?

Kaum Grund zur Hektik sieht hingegen der Bundestagsabgeordnete und Bamberger CSU-Kreischef Silberhorn. "Es ist nicht so, dass diese Frage unter oberfränkischen Christbäumen im Mittelpunkt gestanden hätte", bemerkte er trocken.

Zudem sei ein Treffen mit Guttenberg und den beteiligten Kreisvorsitzenden mit ihm bislang nicht vereinbart worden, sagte Silberhorn SPIEGEL ONLINE. Eine Entscheidung über den Direktkandidaten stehe "nicht vor Herbst 2012" an. "Hier wird künstlich ein Zeitdruck aufgebaut, der nicht existiert."

Guttenberg könne sich "zu gegebener Zeit" dazu äußern, ob er in seinem Wahlkreis wieder zur Verfügung stehe, so Silberhorn weiter. Für die Basis zähle im Moment aber vor allem eines: "Dass Guttenberg seine Glaubwürdigkeit wiederherstellt."

Der Freiherr selbst hüllt sich über konkrete Pläne weiter in Schweigen. Vertrauten erzählte Guttenberg kurz nach seinem Rücktritt von einem "politischen Sabbatical" von mindestens zwei Jahren, erfuhr der SPIEGEL damals. Eine Rückkehr in die Politik für die Zeit danach schloss er nicht aus. Auch seine Äußerungen, Deutschland mangele es an herausragendem Führungspersonal, kann man durchaus als Botschaft lesen: An mir kommt man nicht vorbei.

Manch einer im oberfränkischen Bezirksverband will im Zeitpunkt der Rückkehrdebatte, ausgerechnet in der nachrichtenarmen Zeit zwischen den Jahren, keinen Zufall sehen. Und vermutet gar, Guttenberg selbst habe beim Ruf nach einer klaren Stellungnahme etwas nachgeholfen.

So oder so: Eine guttenbergfreie Phase ist auch ohne Strippenzieherei im Hintergrund kaum zu erwarten. Ende Januar will er beim Aachener Karnevalsverein auftreten, Kameras und Aufmerksamkeit sind ihm gewiss. Auch bei der Klausurtagung der CSU in Wildbad Kreuth in der kommenden Woche dürfte die Personalie ein Thema sein. Selbst wenn der Ex-Minister gar nicht persönlich anwesend ist.