Dementi Trittin hält Schwarz-Grün für unrealistisch

Ironie kann tückisch sein: Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin sagte, er könne sich prinzipiell vorstellen mit der CDU zu koalieren - sofern diese einen Mindestlohn einführe und Atomkraftwerke abschalte. Viele nahmen den Vorschlag für bare Münze.


Hamburg - Jürgen Trittin fühlt sich falsch verstanden: Zu einer möglichen schwarz-grünen Koalition auf Bundesebene sagte der Grünen-Politiker im ZDF-"Morgenmagazin", man müsse "von den Inhalten her diskutieren".

Politiker Trittin, Merkel: Ironie kann tückisch sein
MARCO-URBAN.DE

Politiker Trittin, Merkel: Ironie kann tückisch sein

Wenn er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "beispielsweise einen Mindestlohn einführen kann, Atomkraftwerke abschalten - warum soll ich dann nicht mit Frau Merkel koalieren?" Die Frage stelle sich eher für Merkel, ob sie bereit sei, diese Themen so zu behandeln, wie dies für eine Koalition mit den Grünen notwendig sei.

Nun dementiert Trittin, mit dieser Äußerung der CDU Avancen gemacht zu haben. "Meine Äußerung sollte die Distanz zwischen Schwarz und Grün im Bund illustrieren, keine Offenheit signalisieren", lässt er per Pressemitteilung verlauten. "Hamburg ist kein Modell für den Bund. Wir haben auf unserem Länderrat vor zwei Wochen in Berlin festgelegt, welche inhaltlichen Projekte für uns zentral sind."

Dazu gehörten ein Grundrecht auf Privatheit in der Verfassung, der Verzicht auf den Bau zusätzlicher Kohlekraftwerke sowie das Festhalten am Atomausstieg ohne Abstriche. Ebenso forderten die Grünen einen flächendeckenden Mindestlohn, höhere Regelsätze beim Arbeitslosengeld II und die Bürgerversicherung. Es gebe derzeit keine Signale der CDU im Bund, diese Projekte zu verwirklichen. Im Gegenteil: "AKW-Laufzeiten sollen verlängert und Computer online durchsucht werden", schreibt Trittin.

"Diese Distanz sollte meine ebenso rhetorische wie ironische Bemerkung aus dem betreffenden Interview illustrieren."

ssu



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