Demo gegen Verteidigungsminister Mit dem Schuh gegen Guttenberg

In Berlin haben mehrere hundert Menschen wegen der Plagiatsaffäre gegen Karl-Theodor zu Guttenberg protestiert. Mit Lügennasen verkleidet und Schuhen in der Hand zogen sie vor das Verteidigungsministerium und forderten den Rücktritt des Ministers.
Von Oliver Sallet
Demo gegen Guttenberg in Berlin: "Abtreten, Herr Minister"

Demo gegen Guttenberg in Berlin: "Abtreten, Herr Minister"

Foto: dapd

Berlin - Es ist eine skurrile Szene: Rund 400 Demonstranten kommen auf Berlins Potsdamer Platz zusammen - als Erkennungszeichen halten sie einen alten Schuh in die Luft, ein orientalisches Zeichen der Verachtung. Viele von ihnen tragen selbstgebastelte Lügennasen aus Gips, auf ihren Plakaten steht "Betrug ist keine Fußnote" und "Keine Macht dem Diebstahl".

Im Hintergrund schallen Techno-Beats aus einem Lautsprecher auf Rollen. Die "Hedonistische Internationale", eine Art Spaß-Aktionsbündnis, hat sich entschlossen, die Demo mit Musik zu unterstützen.

Es hat etwas von Karneval, diese Szene mit den Lügennasen, den Schuhen und der Techno-Musik. Aber den Demonstranten am Potsdamer Platz ist nicht nach Spaß zumute. Sie sind empört, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg immer noch im Amt ist, dass seine Beliebtheitswerte immer noch so hoch sind - und jede Kritik anscheinend an ihm abperlt.

Mitten in der Menge steht Michael Hoather, 45, und ruft aufgeregt in sein Megaphon. "Wir wollen nicht von Betrügern regiert werden, Guttenberg muss weg!"

"Vor allem ärgert mich, dass wir als Steuerzahler einem gut bezahlten Bundestagsabgeordneten die Doktorarbeit finanziert haben", sagt Hoather. Guttenberg habe damals schon ein großzügiges Gehalt ausgezahlt bekommen. Dass er dann noch den Wissenschaftlichen Dienst für seine Zwecke verwendet habe, findet Hoather unverzeihlich.

Dann setzt sich der Pulk am Potsdamer Platz in Bewegung. "Hopp-Hopp, Doktorspiele stopp", ruft die Gruppe und hält ihre Schuhe im Rhythmus des Chors gen Himmel. Einige von ihnen tragen Schilder mit der Aufschrift "Berlus-Gutti" und warnen vor "italienischen Verhältnissen". "Politiker mit Medien auf ihrer Seite können sich anscheinend alles erlauben", sagt ein Mann in Anspielung auf den italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi, der in Italien großen Einfluss auf die Medien ausübt. Warum die "Bild"-Zeitung sich so vehement hinter Guttenberg stellt, könne er nicht verstehen.

Angemeldet hatte die Demonstration der Berliner Hans Hübner, 42. Die Idee dazu kam ihm am Frühstückstisch. Da es bislang noch keine Demonstration gegen Guttenberg gegeben habe, entschied er sich der Sache anzunehmen. "Es ist für die Gesellschaft fatal, wenn nur noch nach Opportunismus entschieden wird", sagt Hübner im Hinblick die Kanzlerin, die sich hinter Guttenberg gestellt hat. Dabei sei es ihm egal, ob der Fall justiziabel sei, es sei jedoch ein fatales Signal, wenn jemand betrügt und damit durchkommt. "Ich stelle die charakterliche Eignung des Ministers in Frage, wie soll jemand, der lügt und betrügt, die Verantwortung für Menschenleben übernehmen?", sagt Hübner.

Eine Stunde später kommt der Zug am Verteidigungsministerium an. Am Zaun des Geländes führen die Guttenberg-Gegner ihre mitgebrachten Schuhe ihrer letzten Bestimmung zu, stecken sie auf dessen Spitzen. Auf einer Länge von 20 Metern dekorieren sie den Ministeriumszaun und hinterlassen so ihre Botschaft: "Abtreten, Herr Minister."

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