Demo-Tourismus Zu wenig Bier für eine bessere Welt

Große Veränderungen beginnen mit langen Reisen: Moses durch den Sinai. Gandhi durch Indien. Attac-Sonderzug zum G-8-Gipfel von Salzburg nach Rostock. Pünktlich zur Demonstration kam er heute Morgen an: Ein Protokoll aus der Höhle der Globalisierungskritiker.

Von Ingo Arzt


München, 21.04 Uhr, Anfahrt zum Zug

"Eine bessere Welt ist möglich", lautet der Slogan der Globalisierungskritiker. Samstag ist ihr großer Tag, die Demonstration in Rostock. Ein Fanal soll an die Welt gesandt werden: So viele sind wir, die wir die Welt besser machen wollen und ihr G-8-Chefs seid - na, eben nur acht.

Am Abend davor, an Gleis sechs des Ostbahnhofs in München, sind die Kritiker jedenfalls schon deutlich in der Überzahl. 150 ungefähr, der bayerische Verband der Globalisierungskritiker, sie warten auf den Sonderzug von Salzburg über München nach Rostock. Ein ziemlich unsortierter Haufen: Alte, Junge, Kapuzenpulli- und Ché-Guevara-T-Shirt-Träger, grünhaarige Punks mit Bierdosen in der Hand. Die meisten jedoch sehen total normal aus und sind mit Gitarren, Trommeln, Fahnen und kommunistischem Liedgut bewaffnet: "Hoch die internationale Solidarität" singen ein paar, rot-schwarze Fahnen schwenkend, als der Zug gemütlich in den Bahnhof einrollt.

München, 21.08 Uhr

Er saugt den Menschen-Knäuel vor seinen Türen auf, der Zug, nur mich nicht. Ich trau mich nicht rein. Wie mag es im Inneren eines globalisierungskritischen Zuges aussehen? Vielleicht schlafen alle in einem großen Wagen, nackt, der freien Liebe frönend? Oder die Wagen sind entkernt, man sitzt auf Strohballen und diskutiert die ganze Nacht über herrschaftsfreie Gesellschaftsformen. Wer schläft, verhält sich unsolidarisch und fliegt raus?

München, 21.10 Uhr

Ein Kameramann entsteigt dem immer noch wartenden Zug, schlaff trägt er sein Aufnahmegerät auf der Schulter. ZDF. Der Mann hat zwei Stunden lang 100 österreichische Globalisierungskritiker in einem Zug für 700 Personen gefilmt. Und wirkt entspannt. Ich steige ein.

Wagen 10, 21.12 Uhr

Mist, falscher Zug, scheint eine Kaffeefahrt zu sein. In den Abteilen sitzen grauhaarige, alte Menschen, einige haben die Köpfe auf die blauen Kopfstützen gelehnt und schlummern friedlich. Der Rest dreht Kippen. Hm. Ein Schild erklärt, es handele sich um den Ruhewagen für Ältere. Man solle sich solidarisch erklären und nicht laut sein. Kein Problem.

Wagen 9-5, 21.30Uhr

Ob Gandhi eher zu Fuß nach Rostock gelaufen wäre? Egal. In meinem Abteil wohnen zwei Homöopathinnen aus München, Maria und Heike, Anfang 40. Irgendwo nebenan spielt man Killer-Mau-Mau. Sonst herrscht Klassenfahrt-Stimmung: Hie und da ein bisserl Punkrock, ein Joint und Bier. Bier? Bei einem Zugrundgang will ich eigentlich eine Umfrage zum Thema "was ist Globalisierung" starten. Standart-Antwort: "Verkaufen die eigentlich auch Bier hier?" Scheint ein echtes Problem zu werden.

Wagen 5, 21.40 Uhr

Der Zerberus der Toiletten heißt Julia: Sie lässt nur Leute ihre Notdurft verrichten, die vorher mit ihr Foxtrott oder Samba tanzen. Eine circa zwei Meter große, Ehrfrucht gebietende junge Frau steht ihr bei. Sie trägt ein gelbes Oberteil und einen gelben Turban.

Speisewagen, 22 Uhr

Das Herz des Zuges, der Schmelztiegel der Revolution. Keine Tische, keine Stühle, momentan jedoch sitzen auf dem Boden nur vereinzelt Raucher im Schneidersitz. Hinter dem Tresen bewachen zwei stoische Bahn-Angestellte eine leere Kaffeekanne. Sie verkaufen kein Bier und auch sonst nix, behaupten aber frech, halbe Hähnchen in jedes Abteil des Zuges zu liefern.

Wagen 8, 22.05 Uhr

Nichts los, ich will zurück zu den beiden Homöopathinnen, als mich eine Frau im schmalen Gang voller Menschen nach einer Zigarette fragt. Norma aus Wien, 22 Jahre alt. Sie lockt mich in ihr Abteil und verwickelt mich in ein anregendes Gespräch über kulturelle Anthropologie.

Wagen 8, 22.30 Uhr

Ich frag mich immer noch, was kulturelle Anthropologie ist, als zwei Punks aus Österreich ins Abteil treten. Hagere, bleiche Typen, aus ihrem MP3-Player erklingt melodiös ein Akkordeon. "Techno" erklärt der eine, der die wohl originale Brille von Woody Allen und eine Schirmmütze mit Totenkopf-Aufdruck trägt. Der andere entpuppt sich als der erste Mensch, der anschaulich erklären kann, was Anarchie ist: "Was ma brauchn, mach ma selbst und was ma net brauchn, mach ma net. Es geht auch ohne Kieberer." Kieberer? Ösi-Slang für Polizisten.

Wagen 8, 22.40 Uhr

"G-8-Gipfel, warum bist du vor meiner Tür / G8-Gipfel, warum bist du so groß / Acht Leute, was machen die hier bloß." Improvisiertes Liedgut erklingt aus einem Abteil. Eine Menschentraube hat sich darum gebildet, der Gitarrist schrubbt Akkorde, ein geschätzter Hamburger Jung singt durch eine Flüstertüte.

Nürnberg, 23.40 Uhr

Romantik. Während der Zug dem Bahnhof entgegeneilt, flattern rote Fahnen im Wind, fahle Lichter der Stadt werden von einem orangefarbenen Mond überstrahlt. 15 Minuten Aufenthalt. Wer laufen kann, kauft Bier im Bahnhofsupermarkt und trägt es stolz wie ein Fischer einen dicken Fang zurück zum Zug. "Hoch die internationale Solidarität" schallt es von den Zugfenstern auf den Bahnsteig. Soll heißen: Gib mir mal ein Bier.

Nürnberg, 23.50 Uhr

Auf dem Bahnsteig behauptet einer der Mitreisenden, bei der CSU zu sein. Ein kantiger, kleiner Mann mit kurzen grauen Haaren und braungebranntem, zerfurchtem Gesicht. Könnte Heiner Geißler sein. Wobei der vermutlich keine mexikanische Tonflöte um den Hals trägt. CSU? Hier? Ich will ein Exklusivinterview. "Na gut, I bin a Grüner", bekennt er schließlich.

Speisewagen, 0.30- 2.00 Uhr

Es brodelt, sozusagen. Der Tresen ist mittlerweile herrschaftsfreie Zone - die DB-Mitarbeiter haben sich stoisch in ein Abteil zurückgezogen. Bongo-Spieler trommeln, zwei Typen mit löchrigen Jeans tanzen dazu schamanisch, als wäre irgendwo ein Kriegsbeil vergraben. Die Frau mit dem gelben Turban hat jetzt auch gelbe Augen und tut sich schwer, auf Fragen zu antworten. Woody Allen nuckelt auf dem Boden glücklich an einem Bier. Heiner Geißler sitzt auf dem Tresen und erzählt von seiner Arbeit als Schriftsteller. Daneben FDJ-Gesang: "Der Rosa Luxemburg haben wir's geschworen." Der Flüstertüten-Sänger erzählt von grün angestrichenen Panzern, die gegen Demonstranten in Berlin eingesetzt werden. Der Spiegel-TV-Kollege gilt mittlerweile als "putzig" und kann ungestört filmen. Toilettenfrau Julia macht HipHop. Ein bärtiger Schwabe erzählt, das Allgäu sei ein unterdrückter Landstrich.

2.20 Uhr, Wagen 9

Das Lied der "Arbeiter-Einheitsfront" ertönt. Im ganzen Zug, aus den Bordlautsprechern. Zurück in meinem Abteil bei den beiden Homöopathinnen zwänge ich mich gerade in meinen Schlafsack, als es losgeht. Rein musikalisch keine schlechte Vorstellung. "Und das war ein Lied der Kasachen-Front aus Augsburg" sagt einer, nachdem der letzte Ton erklungen war. "Und gute Nacht."

8.00 Uhr, Rostock

Alles sauber, der Müll eingesammelt, nichts kaputt: Als der Zug in Rostock ankommt, ist der einzige mitgereiste Mitarbeiter der privaten Firma, die den Zug betreibt, erstaunt über die gute Organisation. Attac-Mitarbeiter haben schon vor der Ankunft in Rostock Zettel mit Nummern für die Rucksäcke verteilt. Am Bahnhof ist bereits eine Gepäckaufbewahrung organisiert - fünf extra angemietete LKW stehen bereit.

Schließlich entleert sich der Zug, Menschen mit Fahnen, Alte und Junge verlieren sich in der Menge der Demonstranten, die aus ganz Deutschland angereist sind.



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zen, 02.06.2007
1. Ganz schön tendenziös...
Globalisierungskritik als kunterbunte Freakshow, Klassenfahrt der Bierseligen, Sauftour der Solidarischen, Aufmarsch der ahnungslosen Antagonisten und Konferenz der komplett konzeptlosen Weltverbesserer: "Dagegen!" lautet anscheinend die leere Devise, glaubt man dem Bild, das hier gezeichnet wird. Komplementär dazu kann man sich das aufgeräumte, ordentliche, streng dem Protokoll folgende Szenario der vermeintlichen Kompetenz, ausgezeichnet durch stringenten Dress-Code und kollektive Abkehr vom Großteil archaischer, menschlicher Impulse -- wie z.B. tanzen, trommeln, singen und irgendwie anderweitig ausgelassen sein -- nur zu gut vorstellen. Es steht jedem frei, einer dieser Perspektiven den Vorzug vor der anderen zu geben, aber Fakt ist: Nur eine der zwei Seiten hielt es für notwendig, sich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu verschanzen, und Fakt bleibt: Echte Volksvertreter scheuen den Kontakt zum Volk nicht. Augenscheinlich gibt es eine nicht unbedeutende Teilmenge der Bevölkerung, die lieber singt, tanzt und dabei mit ein paar Bier und einem überfüllten Zugabteil zufrieden ist, anstatt auf elitären Konferenzen die egoistische Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen voranzutreiben. Ist denn daran etwas auszusetzen? Abgesehen von einigen wenigen Profiteuren der Globalisierung, vertreten durch die verängstigten Insassen des Fort Heiligendamm, lehnt die Bevölkerung die Globalisierung ebenso ab wie die jüngsten authoritären Versuche, jedwede Proteste aus ihrem Umfeld zu verbannen. Ganz gleich wie lange die zunehmende Ausbeutung auch von loyalen Erfüllungsgehilfen als fortschrittlich und notwendig verkauft werden -- solange die Tatsachen unverblümt eine andere Sprache sprechen, solange werden die leeren Slogans leere Slogans bleiben. Und das begreifen auch die Bürger, die keine unmittelbare Alternative in peto haben. Doch die Alternativen gibt es -- des Spiegels, als auch aller anderen "Leitmedien" Unwillen, sie zu thematisieren, wird daran nichts ändern. Der "Neoliberalismus" -- letztlich nichts als ein Euphemismus für globalen Neofeudalismus -- er wird in absehbarer Zeit ebenso Geschichte sein, wie es der historische Feudalismus schon lange ist. Feudalismus bedurfte des Glaubens an die göttliche Authorität, um zu funktionieren; Neofeudalismus bedarf des Glaubens an die kapitalistische Authorität, um zu funktionieren. Die nächste Renaissance frohlockt...
Mathesar 02.06.2007
2. Friedliche Demonstranten für eine bessere Welt...
So starten Veränderungen in der Welt: Ein friedliches bei- und nebeneinander, den Kopf voll Ideen und Vorstellungen für eine bessere Welt. Wie schade, daß deren Engagement und arbeit durch gewaltbereite negiert wird. Es gibt so viel zu tun..
Tobermory, 03.06.2007
3.
Zitat von zenGlobalisierungskritik als kunterbunte Freakshow, Klassenfahrt der Bierseligen, Sauftour der Solidarischen, Aufmarsch der ahnungslosen Antagonisten und Konferenz der komplett konzeptlosen Weltverbesserer: "Dagegen!" lautet anscheinend die leere Devise, glaubt man dem Bild, das hier gezeichnet wird. Komplementär dazu kann man sich das aufgeräumte, ordentliche, streng dem Protokoll folgende Szenario der vermeintlichen Kompetenz, ausgezeichnet durch stringenten Dress-Code und kollektive Abkehr vom Großteil archaischer, menschlicher Impulse -- wie z.B. tanzen, trommeln, singen und irgendwie anderweitig ausgelassen sein -- nur zu gut vorstellen. Es steht jedem frei, einer dieser Perspektiven den Vorzug vor der anderen zu geben, aber Fakt ist: Nur eine der zwei Seiten hielt es für notwendig, sich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu verschanzen, und Fakt bleibt: Echte Volksvertreter scheuen den Kontakt zum Volk nicht. Augenscheinlich gibt es eine nicht unbedeutende Teilmenge der Bevölkerung, die lieber singt, tanzt und dabei mit ein paar Bier und einem überfüllten Zugabteil zufrieden ist, anstatt auf elitären Konferenzen die egoistische Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen voranzutreiben. Ist denn daran etwas auszusetzen? Abgesehen von einigen wenigen Profiteuren der Globalisierung, vertreten durch die verängstigten Insassen des Fort Heiligendamm, lehnt die Bevölkerung die Globalisierung ebenso ab wie die jüngsten authoritären Versuche, jedwede Proteste aus ihrem Umfeld zu verbannen. Ganz gleich wie lange die zunehmende Ausbeutung auch von loyalen Erfüllungsgehilfen als fortschrittlich und notwendig verkauft werden -- solange die Tatsachen unverblümt eine andere Sprache sprechen, solange werden die leeren Slogans leere Slogans bleiben. Und das begreifen auch die Bürger, die keine unmittelbare Alternative in peto haben. Doch die Alternativen gibt es -- des Spiegels, als auch aller anderen "Leitmedien" Unwillen, sie zu thematisieren, wird daran nichts ändern. Der "Neoliberalismus" -- letztlich nichts als ein Euphemismus für globalen Neofeudalismus -- er wird in absehbarer Zeit ebenso Geschichte sein, wie es der historische Feudalismus schon lange ist. Feudalismus bedurfte des Glaubens an die göttliche Authorität, um zu funktionieren; Neofeudalismus bedarf des Glaubens an die kapitalistische Authorität, um zu funktionieren. Die nächste Renaissance frohlockt...
Nein, solange die nur "mit ein paar Bier" singen und tanzen, statt Steine zu werfen. Ein Tip: Machen Sie sich mal über die verschiedenen G8-Treffen der letzten Jahre kundig. Es gab auch solche der G8-Außenminister, wo Deutschland von einem geläuterten ehemaligen Steinewerfer vertreten wurde. Da wurden z.B. 1999 Maßnahmen gegen den "illegalen Diamantenhandel" und die "die unkontrollierte Verbreitung von Kleinwaffen" beschlossen. Von der "Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen" sehe ich weit und breit nichts in den Protokollen der G8-Gipfel vergangener Jahre. Im Gegenteil: "11. Juni 2005 Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen und Rußlands (G8) haben am Samstag in London einen hundertprozentigen Schuldenerlaß für einige der ärmsten Länder der Welt vereinbart. (...) Deutschlands Finanzminister Hans Eichel hat den Schuldenerlaß als einen historischen Beschluß bezeichnet. (...) Über zehn Jahre gesehen umfasse der Schuldenerlaß 15,6 Milliarden Dollar, für die nächsten drei Jahre 3,6 Milliarden Dollar. Auf Deutschland kämen damit in den nächsten drei Jahre Zusatzlasten von 130 bis 150 Millionen Euro zu beziehungsweise 700 bis 950 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre, fügte Eichel an." Nur ein Beispiel aus der "elitären" Geschichte dieser Konferenzen. Mit Verlaub, Sie haben, wie so viele hier im Forum und in den "überfüllten Zugabteilen" keine Ahnung, wovon Sie reden. Das polemische Geschwätz vieler ahnungsloser "Kritiker" bietet den noch hirnloseren Randalieren leider den willkommenen Grund für ihren unkontrollierten Einsatz von "Kleinwaffen" in Form von Steinen.
ssommerf 03.06.2007
4.
Zitat von zenGlobalisierungskritik als kunterbunte Freakshow, Klassenfahrt der Bierseligen, Sauftour der Solidarischen, Aufmarsch der ahnungslosen Antagonisten und Konferenz der komplett konzeptlosen Weltverbesserer: "Dagegen!" lautet anscheinend die leere Devise, glaubt man dem Bild, das hier gezeichnet wird. Komplementär dazu kann man sich das aufgeräumte, ordentliche, streng dem Protokoll folgende Szenario der vermeintlichen Kompetenz, ausgezeichnet durch stringenten Dress-Code und kollektive Abkehr vom Großteil archaischer, menschlicher Impulse -- wie z.B. tanzen, trommeln, singen und irgendwie anderweitig ausgelassen sein -- nur zu gut vorstellen. Es steht jedem frei, einer dieser Perspektiven den Vorzug vor der anderen zu geben, aber Fakt ist: Nur eine der zwei Seiten hielt es für notwendig, sich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu verschanzen, und Fakt bleibt: Echte Volksvertreter scheuen den Kontakt zum Volk nicht. Augenscheinlich gibt es eine nicht unbedeutende Teilmenge der Bevölkerung, die lieber singt, tanzt und dabei mit ein paar Bier und einem überfüllten Zugabteil zufrieden ist, anstatt auf elitären Konferenzen die egoistische Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen voranzutreiben. Ist denn daran etwas auszusetzen? Abgesehen von einigen wenigen Profiteuren der Globalisierung, vertreten durch die verängstigten Insassen des Fort Heiligendamm, lehnt die Bevölkerung die Globalisierung ebenso ab wie die jüngsten authoritären Versuche, jedwede Proteste aus ihrem Umfeld zu verbannen. Ganz gleich wie lange die zunehmende Ausbeutung auch von loyalen Erfüllungsgehilfen als fortschrittlich und notwendig verkauft werden -- solange die Tatsachen unverblümt eine andere Sprache sprechen, solange werden die leeren Slogans leere Slogans bleiben. Und das begreifen auch die Bürger, die keine unmittelbare Alternative in peto haben. Doch die Alternativen gibt es -- des Spiegels, als auch aller anderen "Leitmedien" Unwillen, sie zu thematisieren, wird daran nichts ändern. Der "Neoliberalismus" -- letztlich nichts als ein Euphemismus für globalen Neofeudalismus -- er wird in absehbarer Zeit ebenso Geschichte sein, wie es der historische Feudalismus schon lange ist. Feudalismus bedurfte des Glaubens an die göttliche Authorität, um zu funktionieren; Neofeudalismus bedarf des Glaubens an die kapitalistische Authorität, um zu funktionieren. Die nächste Renaissance frohlockt...
Wie objektiv argumentiert. Nach dem Feudalismus kam allerdings etwas viel Schlimmeres, der böse, böse Kapitalismus. Sehen wir mal in 30 Jahren wer noch da ist, die neuerlichen 68 oder die Wurzel allen Übels. Wenn die Geschichte eine ganz seltsame, sprich ungewöhnliche, Wendung nimmt dann sitzen die sog. Protstler von heute in den Aufsichräten von morgen oder wie wäre es mit dem Amt des Außenministers? Nun gut die Hoffnung stirbt zuletzt. Die genauen Pläne für die "andere Welt" die da möglich wäre liegen anscheinend irgendwo hinter schweren Tresortüren. Gezeigt werden die der unaufgeklärten Öffentlichkeit nun nicht allzuoft. Das liegt, natürlich, an der Pressemafia die von den in verrauchten Hinterzimmern agierenden Verschwörern der G8 gesteuert werden. Wäre allerdings sehr interessant zu sehen was Kirchenvertreter und linksradiakale AntiImps für eine gemeinsame Vision von einer "anderen" Welt entwickeln...
zen, 03.06.2007
5. Verschwörung ist laut Statistik eins der häufigsten Verbrechen
Tobermory, ganz ohne Verlaub: Dass sie die angeführten Gesten der G8 nicht als die Augenwischerei erkennen, die sie waren, spricht nicht unbedingt für ihre Auffassungsgabe. Wenn sie tatsächlich nichts sehen von der systematischen Mehrung materieller Güter in den Händen einiger weniger, dann sollten sie anstatt der freundlichen Formulierungen der G8-Protokolle einmal der ungeschönten Sprache der Fakten lauschen. Die Schuldenerlässe, von denen sie sprechen, sind geringfügig gegenüber den Schuldenlasten, die danach weiter auf den Entwicklungsländern lasten, und das in direkter Konsequenz des Diktats globalistischer Institutionen wie des IWF und der Weltbank -- der Weltbank, dem nach Paul Wolfowitz nun bald R. Roellick, der nächste neokonservative Hardliner vorsitzen wird. Es wäre naiv, sich blenden zu lassen von dem notwendigerweise benevolenten Anstrich, den sich diese Strukturen geben. ssommerf, genau, sehen wir mal, was die Zukunft bringt. Leider kann ich Belege für die Existenz der verschworenen "Pressemafia" auf diesem Wege nicht vorbringen, da selbige nach meiner persönlichen Erfahrung die hiesige Moderation nicht passieren. Der Spiegel, er spiegelt eben leider nur wieder, was sie sehen sollen. XI/IX
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