Demografische Studie Migranten bekommen nicht mehr Kinder als Deutsche

Nicht nur bei deutschen Frauen sinkt die Geburtenzahl, sondern auch bei Zuwanderern. Das hat eine Wissenschaftlerin der Universität Rostock festgestellt. Demnach passen sich Frauen mit Migrationshintergrund der zweiten Generation dem Geburtenverhalten westdeutscher Frauen an.

Türkische Frauen mit Kindern: "Dem Geburtenverhalten deutscher Frauen fast angepasst"
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Türkische Frauen mit Kindern: "Dem Geburtenverhalten deutscher Frauen fast angepasst"


Rostock - Frauen mit ausländischer Herkunft bekommen nicht mehr Kinder als deutsche Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsarbeit, über die die Universität Rostock am Dienstag berichtete. "Frauen der zweiten Migrantengeneration haben sich dem Geburtenverhalten von deutschen Frauen nahezu angepasst", fand die Soziologin Nadja Milewski heraus. Sie untersuchte das Geburtsverhalten von Zuwanderinnen aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, Griechenland, Italien und Spanien.

Sie widerlegte mit ihrer Arbeit die Annahme, Migrantinnen wiesen höhere Geburtenzahlen auf. Allerdings werden Migrantinnen im Vergleich zu westdeutschen Frauen rund zwei Jahre früher Mutter, mit etwa 27 Jahren.

Ebenso wie für deutsche Frauen gelte auch für Migrantinnen: Je höher der Bildungsabschluss, desto länger schieben Frauen ihren Kinderwunsch auf. Die Wissenschaftlerin führt das unter anderem darauf zurück, dass mit zunehmender Bildung auch die Erwerbstätigkeit steigt.

Während Migrantinnen, die heute nach Deutschland kommen, oft eine hohe Qualifikation haben, sei dies vor einigen Jahren noch anders gewesen. Die Frauen der ersten Migrantengeneration arbeiteten meist nicht, was eine frühe Familiengründung und eine höhere Kinderzahl begünstigte.

22 Prozent der Frauen der zweiten Zuwanderergeneration bleiben kinderlos

Frauen der ersten Zuwanderergeneration hatten die höchsten Erstgeburtenraten: 50 Prozent von ihnen bekamen ihr erstes Kind etwa vier Jahre nach dem Umzug nach Deutschland. Etwa 17 Prozent blieben kinderlos, während der Anteil bei den westdeutschen Frauen bei 24 Prozent lag.

In den ersten beiden Jahren nach dem Umzug war die Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu bekommen etwa 2,5mal so hoch wie für Frauen in Westdeutschland. Bei den Frauen der zweiten Zuwanderergeneration dreht sich dieses Muster allerdings um: Sie werden seltener und später Mutter als die der ersten Generation. Etwa 22 Prozent bleiben sogar kinderlos. Die Wahrscheinlichkeit ein Kind zu bekommen, ist bei ihnen im Vergleich zu westdeutschen Frauen nur 1,2mal höher.

Zwar neigen laut Milewski auch heute noch vor allem türkische Frauen in der zweiten Migrantengeneration zu einer frühen Eheschließung, die dann mit der Geburt des ersten Kindes einhergehe. Dennoch gebe es einen "Anpassungstrend" an die demografischen Muster in Deutschland. Dies unterstreiche, dass sich der gesellschaftliche Kontext mit seinen seit Jahrzehnten andauernden niedrigen Geburtenraten auch auf Zuwanderinnen und deren Familien auswirke, befand die Forscherin.

luk/dpa/ddp



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