Demonstration in Gorleben Massenproteste bremsen Castor-Transport aus

Für die Demonstranten ist es ein Erfolg, für die Polizei ein Debakel: Der Castor-Transport mit Atommüll aus dem französischen La Hague ist noch immer nicht im Zwischenlager Gorleben angekommen. Auf den letzten Kilometern rechnen die Sicherheitskräfte mit neuen heftigen Protesten.


Lüneburg - 14 Stunden Verspätung, heftige Proteste, mehrere Verletzte: Der Atommülltransport aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins Zwischenlager Gorleben hat in der Nacht zum Montag um 1.13 Uhr die Umladestation Dannenberg erreicht. Die Polizei hat damit begonnen, die elf Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll auf Lastwagen umzuladen. Das dauert rund eine Stunde pro Behälter. Gegen Mittag wird das Verladen vermutlich beendet sein.

Die letzten 20 Kilometer in das Zwischenlager legen die Castor-Behälter auf der Straße zurück. Eine der zwei möglichen Castor-Routen zwischen Dannenberg und Gorleben wurde am Sonntagabend von 40 Landwirten mit Traktoren versperrt. Details zur Streckenführung hält die Polizei noch geheim.

In Gorleben selbst blockieren seit Sonntag zwischen 600 und 800 Atomkraftgegner die Zufahrt zu dem Lager. Nach Angaben der Organisatoren will die Polizei sie bis zum Morgen gewähren lassen und dann erst eingreifen. Auf dem Weg zum Zwischenlager in Gorleben werden sich voraussichtlich noch einmal Hunderte Menschen an Sitzblockaden beteiligen.

Seit Samstag war der Zeitplan für den Castor-Transport aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague durch Blockaden und Protestaktionen heftig durcheinandergeraten. Am Samstag ketteten sich drei Demonstranten an der deutsch-französischen Grenze an die Gleise und verzögerten so die Weiterfahrt des Castors um zwölf Stunden. Im Laufe des Sonntags versuchten hunderte Gegner im Wendland erneut, den Transport durch Sitzblockaden, Unterhöhlung des Gleisbetts und brennende Barrikaden aufzuhalten. Am Nachmittag ketteten sich erneut zwei Demonstranten an. Von einer Brücke über der Bahnlinie seilten sich am Abend zwei weitere Atomkraftgegner ab. Kurz vor Mitternacht kletterten drei Demonstranten auf einen der Castor-Behälter.

Bei der Räumung der Blockaden kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Polizei setzte Schlagstöcke, Tränengas und Wasserwerfer ein. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. In Tollendorf trieb die Polizei mehrere Demonstranten in einem Kessel zusammen. Beide Seiten bestätigten, dass der Widerstand dieses Mal deutlich heftiger ausfiel als beim letzten Transport aus Frankreich nach Gorleben vor zwei Jahren. Im Wendland sind rund 10.000 Beamte im Einsatz.

Der Sprecher der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer, Jochen Stay, zeigte sich erfreut über die große Zahl der Demonstranten: "Die Kette der Atommüllskandale und das Gerede von Laufzeitverlängerungen für die Atomkraftwerke hat viele Menschen wachgerüttelt. Statt des Comebacks der Atomenergie erleben wir in diesen Tagen die Renaissance der Anti-Atom-Bewegung".

An der Strecke zwischen Lüneburg und Gorleben gilt ein generelles Demonstrationsverbot. Die Initiativen der Atomkraftgegner halten Blockadeaktionen für die einzige Möglichkeit, gegen längere Laufzeiten der Atomkraftwerke und ein mögliches atomares Endlager Gorleben zu protestieren.

ffr/AFP/Reuters/AP

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Klo, 10.11.2008
1.
Zitat von sysopDie Atomenergie ist wieder intensiv in der Diskussion. Der Castor-Transport mit Atommüll aus dem französischen La Hague bot Anlass zu heftigen Aktionen der Atomgegner. Was bringen die Proteste? Wie soll künftig mit der Atomenergie umgegangen werden?
Die Proteste sind eindeutig gerechtfertigt. Da die Transport- und Endlagerproblematik noch auf viele Jahre nicht gelöst sein wird und die derzeitigen Entsorgungskonzepte in allen Punkten mangelhaft sind, ist der beschlossene Ausstieg aus dieser Technologie nur folgerichtig. Die Kosten für den Steuerzahler für diese Art der Stromproduktion sind einfach zu hoch und es kommt deutlich billiger, einen Umbau der Energiewirtschaft jetzt zu finanzieren, den man früher oder später ohnehin finanzieren muß.
schlob 10.11.2008
2.
Zitat von KloDie Proteste sind eindeutig gerechtfertigt. Da die Transport- und Endlagerproblematik noch auf viele Jahre nicht gelöst sein wird und die derzeitigen Entsorgungskonzepte in allen Punkten mangelhaft sind, ist der beschlossene Ausstieg aus dieser Technologie nur folgerichtig. Die Kosten für den Steuerzahler für diese Art der Stromproduktion sind einfach zu hoch und es kommt deutlich billiger, einen Umbau der Energiewirtschaft jetzt zu finanzieren, den man früher oder später ohnehin finanzieren muß.
Viele wackere leute protestieren in Gorleben gegen die Einlagerung des deutschen Mülls,der von der Wiederaufarbeitung aus Frankreich vertragsgemäss zurückkommt.- Wenn der Müll nicht in Deutschland gelagert werden soll, wo dann?- -Wir können das Zeug ja nicht einfach in den Strassengraben kippen.-Vermeiden geht nicht mehr-der Müll ist da.- Ich schlage vor,dass wir mit Russland einen Vertrag schliessen. Russland hat aus Jahrzehnten Atombomben-Produktion der SU,der Produktion von Atom-U-Booten,aus Kernwaffentests und eigenen Kraftwerken vom Typ Tchernobyl sowieso gewaltige Berge an radioaktivem Müll- hundertmal grössere als Deutschland.- Der Einwand: Wir stehlen uns aus der Verantwortung, darf natürlich nicht gelten.Wir müssen dies Abkommen an Bedingungen knüpfen,dass dieser unser Müll- und der russische sicherer gelagert werden als bisher.-Und wir müssen dies kontrollieren können. -Das geht durchaus.- Schon die SU hat Wirtschaftsverträge immer korrekt eingehalten.- Damit hat dann hat die Sicherheit für beide Völker zugenommen.-In Deutschland haben wir gar keinen Endmüll mehr- in Russland werden die bisherige Müllberge besser gesichert.- Es ist unsinnig,diese Probleme heute national lösen zu wollen.Ebenso unsinnig,wie ein Alleingang beim CO2 wäre. Radioaktive Wolken halten sich nicht an Grenzen.- Wenn Deutschland seinen Müll absolut sicher lagert- und in Russland bleibt der Müll ziemlich schlecht gesichert,ist hiervon die Sicherheit beider Völker bedroht.- Im übrigen lassen wir ja schon unseren Müll in Frankreich aufarbeiten,weil die Grünen Wackersdorf verhindert haben.- Wir schicken also unseren gefährlichen Müll sowieso schon ins Ausland. - Trotzdem wäre wohl eine Änderung des sowieso überholten Atom-Gesetz nötig.- Wer ein besseres Konzept hat,möge sich melden.
diefreiheitdermeinung 10.11.2008
3. Diktat der Ungewaehlten
die ganze Sache ist n ur ein weiterer Beweis, dass das was in Deutschland laeuft oder nicht laeuft immer mehr von ungewaehlten Minderheitsgruppen bestimmt wird. Waehrend wir auf eine teure Energie- und Wirtschaftskrise zusteuern faellt ein paar tausend Exremisten nichts Besseres ein als mehr als 15000 Polizeukraefte zu binden. Wer uebernimmt die Kosten ? Natuerlich der Steuerzahler ? Es ist an der Zeit die Diktatur der Minderheiten zu brechen und diese mit Umlage der verursachten Kosten zu belasten. Nochwas: die Medien scheinen sich darin einig, dass immer die Polizei an dem angeblichen Debakel schuld sei. Was schlaegt sie denn vor ? Rueckzug und Eingehen auf die Forderungen der Minderheit ? Wattebaeusche werfen ?
Ernst August 10.11.2008
4.
Zitat von sysopDie Atomenergie ist wieder intensiv in der Diskussion. Der Castor-Transport mit Atommüll aus dem französischen La Hague bot Anlass zu heftigen Aktionen der Atomgegner. Was bringen die Proteste? Wie soll künftig mit der Atomenergie umgegangen werden?
Die Zahl der aktiven Demonstranten ist dieses Mal wieder enorm hoch. Getrieben sind sie wahrscheinlich durch die Ereignisse um Hessen und durch die Klimakatastrophe. Sie wollen den Wechsel (nicht nur) in der Energiepolitik. Das Change aus den USA macht sie "Yes wir können" wie lange nicht. Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und sie kämpfen für eine bessere Welt - und zwar zuerst in ihrer Heimat. Wo sonst!
luri80 10.11.2008
5.
Zitat von KloDie Proteste sind eindeutig gerechtfertigt. Da die Transport- und Endlagerproblematik noch auf viele Jahre nicht gelöst sein wird und die derzeitigen Entsorgungskonzepte in allen Punkten mangelhaft sind, ist der beschlossene Ausstieg aus dieser Technologie nur folgerichtig. Die Kosten für den Steuerzahler für diese Art der Stromproduktion sind einfach zu hoch und es kommt deutlich billiger, einen Umbau der Energiewirtschaft jetzt zu finanzieren, den man früher oder später ohnehin finanzieren muß.
Proteste? Was hier abgeht hat doch nichts mehr mit Protest zu tun, das sind kriminelle Krawallmacher die allesamt auf Schadensersatz verklagt gehören, für die dutzende Millionen Euro Schaden den sie dem Steuerzahler verursachen. Atomstrom kann mit Abstand am günstigsten hergestellt werden und dabei wird noch nicht einmal CO2 in die Atmosphäre gepumpt. Umstieg ja, aber bitte nicht in Zeiten globaler Wirtschaftsflaute und bitte auch nicht um jeden Preis.
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