Demonstration Potsdamer blockieren Neonazi-Marsch

Mehrere tausend Menschen haben eine Neonazi-Demonstration durch die Potsdamer Innenstadt friedlich verhindert. Sie blockierten eine Kreuzung, 250 Rechtsextremisten mussten an einem Bahnhof am Stadtrand ausharren.


Demonstranten in Potsdam: Friedlicher Aktionstag stoppt Nazi-Marsch
DPA

Demonstranten in Potsdam: Friedlicher Aktionstag stoppt Nazi-Marsch

Potsdam - Abgeschirmt von Polizisten konnten die Rechtsradikalen lediglich eine Kundgebung am Bahnhof abhalten. Nach vierstündiger Wartezeit fuhren sie mit dem Zug nach Berlin. Ein Aufmarsch dort wurde laut Polizei gegen 18.30 Uhr von den Beteiligten abgebrochen. Es habe keine Zusammenstöße gegeben.

Bereits am Mittag waren mehr als 1.000 Potsdamer dem Aufruf von Oberbürgermeister Jann Jakobs zu einem Aktionstag gegen die Neonazis gefolgt. "Wir sind hier, um zu Gewaltfreiheit, Toleranz und einem friedlichen Miteinander Farbe zu bekennen", sagte der SPD-Politiker. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich braune Strukturen etablieren."

In den vergangenen Monaten hatten Mitglieder der rechtsextremen Szene in Potsdam mehrfach Andersdenkende gewalttätig angegriffen. Zu der Gegendemonstration unter dem Motto "Potsdam bekennt Farbe" hatte die Stadt gemeinsam mit einem Bündnis unter anderem aus Gewerkschaften, Kirchen sowie der Industrie- und Handelskammer aufgerufen. Mehr als 2.000 Beamte aus verschiedenen Ländern und von der Bundespolizei waren im Einsatz, um Zusammenstöße zwischen Rechts- und Linksextremisten vermeiden, die ebenfalls eine Gegendemonstration angekündigt hatten. Einem Polizeisprecher zufolge kam es nur zu kleineren Auseinandersetzungen am Rande.

Schon im vergangenen Jahr hatten Gegendemonstranten mit der Blockade einer zentralen Brücke den Marsch der Neonazis durch die Innenstadt verhindert. Diese mussten damals ebenfalls an den Stadtrand ausweichen. In Berlin hatten sich am Abend noch rund 200 der Neonazis zu einem Aufmarsch im Stadtviertel Prenzlauer Berg formiert. Nach etwa einer Stunde wurde die Veranstaltung abgebrochen. Die Sicherheitskräfte seien in großer Stärke vertreten gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Obwohl Mitglieder der linken Szene gegen den Aufmarsch protestiert hätten, sei es zu keinen Zusammenstößen gekommen.



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