SPIEGEL-Umfrage Große Mehrheit verurteilt Proteste gegen Corona-Politik

Wer gegen die Corona-Vorschriften demonstriert, kann sich nicht auf die Bevölkerung berufen: Drei Viertel der Deutschen haben kein Verständnis. Nur bei den Anhängern der AfD gibt es einen gegenläufigen Trend.
Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin am vergangenen Wochenende

Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin am vergangenen Wochenende

Foto: Michael Kappeler / dpa

Vom Protest gegen die Anti-Corona-Maßnahmen der Regierung am vergangenen Samstag blieben Bilder von Demonstranten, die Politiker und Wissenschaftler verunglimpften. Und von Corona-Leugnern und Rechtsradikalen, die mit Reichsflaggen die Stufen des Reichstagsgebäudes besetzten. Die rund 300 Extremisten und Mitläufer drohten, am Rande der Proteste in das Parlament einzudringen. 

Dieser aggressive Protest steht im Widerspruch zur insgesamt durchaus erbaulichen Lage in Deutschland und dem Erfolg der bisherigen Maßnahmen. Über den Sommer und mit der Reisezeit stiegen zwar die Infektionszahlen stark an, die Zahl der schwer Erkrankten und Toten hingegen stagniert bislang.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier korrigierte zudem die Konjunkturerwartung für dieses Jahr wieder nach oben. Und die Bundesregierung geht nicht von einem zweiten Lockdown in den kommenden Monaten aus.

Eine große Mehrheit der Deutschen hat dementsprechend kein Verständnis für die Demonstranten. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL.

Rund zwei Drittel der Deutschen lehnen die Proteste entschieden ab, weitere elf Prozent sind eher dagegen. Somit sind 76 Prozent in Summe mit den Demonstrationen nicht einverstanden. Das sind rund zwei Prozentpunkte weniger als im Vormonat, also gewissermaßen unverändert.

Etwa jeder Fünfte hat hingegen "auf jeden Fall" oder "eher" Verständnis dafür. Das sind mit 21 Prozent ebenfalls rund zwei Prozentpunkte mehr als bei der vorigen Erhebung.

Die größte Ablehnung der Proteste kommt von Anhängern der Regierungsparteien. So haben Unions- und SPD-Wähler zu jeweils rund 90 Prozent kein Verständnis für derartige Demonstrationen gegen die Regeln von Bund und Ländern.

Das größte Verständnis zeigen hingegen AfD-Anhänger: Vier Fünftel unterstützen die Demonstrationen. Hier ist die Zustimmung seit dem Vormonat deutlich angestiegen - damals lag der Wert noch bei 67 Prozent.

In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen findet sich die größte Unterstützung für die Proteste; die geringste bei den Jüngeren (18 bis 29 Jahre) und Älteren (ab 65 Jahre).

Das Land Berlin zog Konsequenzen aus den außer Kontrolle geratenen Protesten des vergangenen Wochenendes und führte eine Maskenpflicht für derartige Veranstaltungen ein. Die Rechtsänderung sei "ein wichtiges Signal" an die Veranstalter, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD).

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.