Gerichtsentscheid in der Türkei Schadenersatzklage Yücels wegen Haft wird geprüft

Ein Gericht in Istanbul hat entschieden, dass die Schadenersatzklage von Deniz Yücel doch geprüft werden muss. Der Journalist hatte geklagt, weil er ein Jahr ohne Anklageschrift in einem türkischen Gefängnis saß.

Deniz Yücel
Michael Kappeler/ DPA

Deniz Yücel


Die Schadenersatzklage des deutschen "Welt"-Reporters Deniz Yücel wegen seiner einjährigen Untersuchungshaft in der Türkei wird nun doch geprüft. Das habe ein Berufungsgericht in Istanbul entschieden, wie Yücels Anwalt, Veysel Ok, der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag bestätigte.

Ein untergeordnetes Gericht hatte die Schadenersatzklage Yücels im September abgelehnt, mit der Begründung, dass der Prozess gegen Yücel noch nicht abgeschlossen sei. Das Berufungsgericht entschied nach Angaben von Ok nun, dass die Entschädigungsklage auch ohne Urteil im Verfahren gegen Yücel bewertet werden müsse. Zunächst hatte die "Welt" darüber berichtet.

Yücel verklagte die türkische Regierung auf gut 440.000 Euro

Yücel war bis Februar 2018 ein Jahr lang ohne Anklageschrift im Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul inhaftiert gewesen. Er hat deshalb die türkische Regierung zu einer Zahlung von 2,98 Millionen Lira (rund 440.000 Euro) Entschädigung verklagt. Die Summe setzt sich nach Angaben des Anwalts aus Entschädigungen für die Verdienstausfälle und Anwaltskosten sowie Schmerzensgeld wegen Freiheitsberaubung zusammen.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis durfte Yücel ausreisen. Gleichzeitig wurde Anklage wegen Terrorpropaganda und Volksverhetzung erhoben. Der Prozess gegen den Journalisten wird am 16. Juli in Istanbul fortgesetzt.

kev/höh/dpa



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