"Welt"-Korrespondent Yücel Türkisches Gericht erhält Haftbefehl aufrecht

Der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sitzt bis auf Weiteres im Gefängnis. Ein türkisches Gericht hat den Einspruch gegen den Haftbefehl abgelehnt. Yücels Berichtserstattung könne "nicht als Journalismus interpretiert werden".

Demonstration für Deniz Yücel
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Demonstration für Deniz Yücel


Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel bleibt weiter in Untersuchungshaft. Ein türkisches Gericht hat den Einspruch gegen den Haftbefehl abgelehnt. Das bestätigte Veysel Ok, ein Anwalt Yücels, am Mittwoch.

Die Berichterstattung Yücels könne "nicht als Journalismus oder im Rahmen der Pressefreiheit interpretiert werden", hieß es zur Begründung des Richters in einem Dokument. Vor mehr als zwei Wochen hatte ein Haftrichter in Istanbul nach 13 Tagen Polizeigewahrsam Untersuchungshaft für den "Welt"-Korrespondenten angeordnet. Diese kann fünf Jahre dauern, bis es zur Freilassung oder zum Prozess kommt. Yücel wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Volksverhetzung vorgeworfen.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte die türkische Regierung erneut auf, der deutschen Botschaft die Betreuung Yücels zu ermöglichen. Deutsche Diplomaten dürfen bislang nicht mit Yücel sprechen - obwohl der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim dies Kanzlerin Angela Merkel persönlich zugesichert hatte.

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt sagte, seit Wochen appelliere die Zeitung an die türkischen Behörden, Yücel eine faire, rechtsstaatliche Behandlung zu gewähren. "Nach den zuletzt wiederholt vorgetragenen Vorverurteilungen durch den Staatspräsidenten und einige Mitglieder des Kabinetts fällt es bedauerlicherweise zunehmend schwer, daran zu glauben."

Freunde, Kollegen und prominente Unterstützer haben in Berlin die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten gefordert. Der Publizist Michel Friedman, der Autor Shahak Shapira und die Journalistin Özlem Topcu lasen am Mittwochabend im Festsaal Kreuzberg Texte von Yücel vor, per Videoeinspielung schlossen sich der Schauspieler Robert Stadlober und der TV-Satiriker Jan Böhmermann an.

Als letzten Text verlasen die Veranstalter einen Brief des Inhaftierten. Darin schreibt Yücel, dass es ihm psychisch und physisch gut gehe. "Weder meine eigene Situation, noch die dieses Landes, das ich trotz allem liebe, werden so bleiben wie sie sind."

mja/dpa



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