Matthias Gebauer

Rechtsextreme im KSK Der Ernstfall

Matthias Gebauer
Ein Kommentar von Matthias Gebauer
Die rechtsextremen Umtriebe im Bundeswehr-Eliteverband KSK sind erschreckend. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer muss jetzt rigoros aufklären. Auf dem Spiel steht das Ansehen des ganzen Landes.
Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK)

Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) 

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Es sind schonungslose Worte, die ein Hauptmann des Bundeswehrverbands KSK an Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer geschickt hat: In seiner Einheit, der absoluten Elite der Bundeswehr, herrsche ein "Kadavergehorsam", der jeglichen Widerspruch gegenüber den Vorgesetzten verstummen lasse. Folglich traue sich nach der straffen Ausbildung niemand der Soldaten mehr, offenkundig rechtsextreme Kameraden oder andere Dienstvergehen innerhalb des KSK zu melden.

Der Hilferuf des Hauptmanns ist mehr als ein Warnsignal. Der zwölfseitige Brief gibt einen düsteren Einblick in die geheime Welt der Einheit, die sich in Calw vom Rest der Bundeswehr abgeschottet hat. Dort haben offenkundig einige der jahrelang trainierten Kämpfer nicht nur den Bezug zur Realität, sondern auch die Bindung an die freiheitliche Grundordnung verloren. Im Verband hat sich ein gefährliches Eigenleben entwickelt.

Keine Einheit ist mehr aufs Töten gedrillt als diese

Die Vorkommnisse im KSK kann man gar nicht hoch genug hängen. Der Verband ist die Speerspitze der Bundeswehr. Keine Einheit ist mehr aufs Töten gedrillt als die Kommandokrieger, die dazu nicht mal eine Waffe brauchen. Alle von ihnen können mit Sprengstoff umgehen. Sie sind in Konspiration geschult, würden wohl selbst unter Folter keine Geheimnisse preisgeben. Wenn es unter diesen Männern auch nur den Verdacht von Rechtsextremismus gibt, ist das eine reale Gefahr, nicht nur ein Problem.

Abseits davon ist das KSK das Aushängeschild der Bundeswehr. Keine andere Einheit ist so viel rund um den Globus unterwegs, trainiert mit anderen Spezialeinheiten, bildet Kommandotrupps von Partnern im Ausland aus. Wenn bei solchen Übungen oder gar scharfen Missionen Männer mitfliegen, die anstelle des Grundgesetzes eine rechtsextreme Agenda haben, steht nicht nur der Ruf der Bundeswehr, sondern der des ganzen Landes auf dem Spiel.

Ein System der Verharmlosung

Auf Annegret Kramp-Karrenbauer kommt nun eine so große wie schwere Aufgabe zu. Die Verteidigungsministerin muss das System von falschem Korpsgeist unter den KSK-Kämpfern und der Geheimhaltung über die Vorkommnisse in Calw zerschlagen. Sie muss herausfinden, wie weit das organisierte Wegsehen über die Missstände in ihr Ministerium hochreicht. Viele Militärs flüsterten ihr in den vergangenen Wochen weiter ein, es handele sich bei erkannten Rechtsextremen in Calw nur um bedauerliche Einzelfälle.

Das System der Verharmlosung hat bisher immer geklappt. Zum Beispiel, als noch unter der ehemaligen Ministerin Ursula von der Leyen eine Horde KSK-Kämpfer auf einem Schießstand mit abgehackten Schweineköpfen um die Wette warfen und später im Suff zu dröhnendem Rechtsrock den Hitlergruß zeigten. Das Heer verharmloste die Skandal-Party später als "geschmacklos". Parallel dazu versuchte man, die einzige Zeugin für den Vorfall zu diskreditieren und raunte gegenüber Journalisten, sie stamme aus dem Hamburger Rotlichtmilieu.

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Heute weiß man, dass die Party im April 2017 weit mehr als geschmacklos war. Ein Soldat ist rechtskräftig verurteilt. Mehrere seiner Kameraden wurden mittlerweile vom MAD als Rechtsextremisten enttarnt. Die Party auf dem Schießstand, sie war eine frühe Chance, den unguten Umtrieben in Calw ein Ende zu machen. Ursula von der Leyen aber fehlte die Kraft, hatte sie sich doch zuvor mit ihrem ungeschickt platzierten Generalverdacht gegen alle Soldaten politisch die Finger verbrannt.

Das KSK muss schonungslos ausgemistet werden

Kramp-Karrenbauer muss nun robuster handeln - und das schnell. Intern sagt sie oft, sie glaube nicht an die Einzelfall-Theorie bei Rechtsextremen in der Truppe, diese Ausflucht kenne sie noch gut aus ihren Zeiten als Innenministerin im Saarland. Gemessen aber wird die Ministerin daran, wie beherzt sie agiert. Sie muss das KSK komplett auf den Kopf stellen, die Führungsriege bis hinunter zu den einzelnen Ausbildern durchleuchten und schonungslos ausmisten.

In dieser Krise wird sich erstmals zeigen, wie sich Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin schlägt. Seit ihrem überraschenden Amtsantritt hat sie nicht viele Spuren im Ministerium oder bei der Truppe hinterlassen. Nun steht sie vor ihrer schwierigsten Schlacht. Kramp-Karrenbauer muss sie gewinnen.

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