Deutsch-amerikanische Beziehung "Message from Germany"

Der einflussreiche Verein Atlantikbrücke e.V., in dessen Vorstand auch Guido Westerwelle, Rudolf Scharping und "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann sitzen, will am Sonntag eine Anzeige in der "New York Times" schalten. Der Text mit der Überschrift "Eine Botschaft aus Deutschland" soll die deutsch-amerikanische Freundschaft beschwören. Kosten: 140.000 Dollar.

Von


Arend Oetker, Unternehmer und Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V.
DPA

Arend Oetker, Unternehmer und Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V.

Berlin - Die Solidaritätsanzeige der acht europäischen Länder mit den USA und deren durchschlagende Wirkung muss Beate Lindemann auf eine Idee gebracht haben. Warum nicht auch an die Öffentlichkeit gehen, um die transatlantische Freundschaft zu bekräftigen? Schließlich ist der Brückenbau zwischen den USA, Kanada und Europa seit 50 Jahren die erklärte Mission des einflussreichen Vereins Atlantikbrücke, in dem Lindemann als stellvertretender Vorstand die Geschäfte führt.

"Wann immer es eine Notwendigkeit für eine verbesserte Verständigung gibt, eine Möglichkeit, Netzwerke zu bilden, oder dringende Politikfragen hochkommen, wird die Atlantikbrücke zum Handeln bereit sein", steht in der Zielsetzung des hochkarätig besetzten Klubs. Vorstand und Aufsichtsrat sind gespickt mit prominenten Mitgliedern aus Politik, Medien und Wirtschaft: Rudolf Scharping (SPD) gehört ebenso dazu wie Guido Westerwelle (FDP) und Kurt Biedenkopf (CDU), "BILD"-Chefredakteur Kai Diekmann und "Zeit"-Mitherausgeber Josef Joffe, die Banken-Aufsichtsräte Martin Kohlhaussen (Commerzbank) und Hilmar Kopper (Deutsche Bank).

Konnte so viel geballter Einfluss ungenutzt bleiben? Sollten die Freunde Amerikas untätig zusehen wie die seit 50 Jahren sorgsam gepflasterte Brücke über den Atlantik einstürzt? Nein, entschied der Vorstand. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden, Arend Oetker, dem ehemaligen Vorsitzenden Walther Leisler Kiep und dem Schatzmeister Max Warburg schrieb Beate Lindemann am 11. Februar die Mitglieder und Freunde der Atlantik-Brücke an. Der Inhalt: Angesichts der verschärften Dissonanzen im atlantischen Bündnis wolle der Vorstand eine grundsätzliche Stellungnahme der Atlantik-Brücke in Form einer einseitigen Anzeige in der Sonntags-Ausgabe der "New York Times" vom 16. Februar veröffentlichen.

Diese Treuebekundung ist teuer: 140.000 Dollar kostet die Seite. Deshalb bat der Vorstand, dass jeder Unterzeichner der Erklärung mindestens 100 Euro bezahlen soll. Bedenkzeit: maximal einen Tag. Spätestens am 12. Februar sollten die Zusagen beim Vorstand wieder eingegangen sein.

Aufruf zur Anzeigenaktion: Transatlantiker Walther Leisler-Kiep
AP

Aufruf zur Anzeigenaktion: Transatlantiker Walther Leisler-Kiep

Die Anzeige wurde so moderat formuliert, dass sich Mitglieder und Freunde jeglicher politischer Couleur darin wieder finden dürften. "A Message from Germany" - "Eine Botschaft aus Deutschland", lautet die neutrale Überschrift des Anzeigenentwurfes. Es folgen mehrer Absätze des Dankes an Amerika: Dank für die Befreiung von Nazi-Deutschland, Dank für den Schutz im Kalten Krieg, Dank für die Unterstützung bei der Wiedervereinigung.

Der Text erinnert aber auch an die Solidarität und Unterstützung der Deutschen mit den Amerikanern nach dem 11. September und erwähnt die deutsche Rolle bei der Friedenssicherung und beim Wiederaufbau in Afghanistan.

Angesichts der terroristischen Bedrohung will die Atlantik-Brücke die Bindung zu den Vereinigten Staaten bekräftigen, schreibt der Verein, und tritt dem Verdacht eines deutschen Anti-Amerikanismus entgegen: "Die deutsch-amerikanische Partnerschaft reflektiert eine Wertegemeinschaft. Der Wille zur Verteidigung dieser Werte verbindet Amerika und Deutschland", lautet der Anzeigentext. Und weiter: "Für die überwiegende Mehrheit der Deutschen bleibt die Beziehung zu den Vereinigten Staaten von großer Wichtigkeit. Man darf nicht erlauben, dass die momentanen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Regierungen über die Irak-Frage diese Bindung lösen. Wir, die Mitglieder der Atlantik-Brücke", der ältesten deutsch-amerikanischen Freundschaftsorganisation, die wir die gegenwärtigen und zukünftigen Führer von Deutschland repräsentieren, werden alles tun, um diese Bindung für zukünftige Generationen zu erhalten".

Wie viele und welche der Transatlantiker bislang unterschrieben haben, will der Verein nicht mitteilen. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass sich in der Kürze der Zeit über tausend Unterzeichner fanden, um die Aktion zu finanzieren. Dazu die Organisation: "Den Restbetrag übernimmt die Atlantik-Brücke."



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.