Deutsch in der Knesset
Abgeordnete drohen mit Boykott der Köhler-Rede
Beim Besuch von Bundespräsident Köhler in zwei Wochen in Israel droht ein Eklat. Mehrere Abgeordnete protestieren dagegen, dass der Deutsche in der Knesset eine Rede auf Deutsch halten will. Köhler müsse Englisch sprechen, fordern sie, sonst würden sie die Veranstaltung verlassen. Ähnliche Erfahrungen machte Köhlers Vorgänger Rau im Jahr 2000.
Tel Aviv - Die israelische Zeitung "Maariv" berichtet, Gesundheitsminister Dani Naveh habe angekündigt, er wolle die Veranstaltung boykottieren. Anlass der Ansprache Horst Köhlers ist der 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland.
"Solange noch Holocaust-Überlebende unter uns leben, sollte die deutsche Sprache nicht im Parlament gesprochen werden", sagte Naveh nach Angaben des Blatts. Auch der stellvertretende israelische Parlamentspräsident Hemi Doron von der Schinui-Partei kündigte an, er werde eine Absage der Veranstaltung beantragen.
"Mein Fuß hat nie deutschen Boden betreten und ich kaufe keine deutschen Produkte", sagte Doron. Sein Großvater sei von den Nationalsozialisten ermordet worden. "Ich kann es nicht ertragen, diese Sprache im Abgeordnetenhaus des jüdischen Volkes zu hören." Köhler müsse Englisch sprechen.
Als erster deutscher Präsident hatte Köhlers Vorgänger Johannes Rau im Jahre 2000 eine Rede in der Knesset in Jerusalem gehalten. Auch damals hatte es Proteste gegeben.
In einer Rede, die in Israel wie in Deutschland als historisch gewertet wurde, bat Rau vor der Knesset um "Vergebung für das, was Deutsche getan haben". Rau war der erste deutsche Präsident auf Staatsvisite in Israel, der vor dem Parlament in Jerusalem sprechen durfte.
Zu Beginn der Sondersitzung räumte Knesset-Präsident Awraham Burg damals ein, dass ihm die Entscheidung, den Staatsgast auf Deutsch im Parlament reden zu lassen, sehr schwer gefallen sei. Er habe sich schließlich dazu durchgerungen, weil Rau, der das Land schon mehr als 30 Mal besucht hat, "der größte Freund Israels in Deutschland" sei.
Etwa ein Drittel der Knesset-Abgeordneten blieb damals der Sitzung aus Protest gegen den Auftritt des Deutschen fern. "Eine Rede eines deutschen Politikers in deutscher Sprache" vor Israels Parlament sei "eine Schändung des Holocaust-Andenkens", zürnte der ehemalige Knesset-Präsident Dow Schilanski.
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