Deutsch-iranischer Handel Gute Geschäfte mit den Mullahs

Israels Premier Olmert fordert Deutschland auf, Iran für seine Atompläne auch wirtschaftlich abzustrafen. Doch die deutsche Wirtschaft wehrt sich gegen ein weitreichendes Embargo - es droht der Verlust von Milliardengeschäften.

Berlin - Israels Premier Ehud Olmert sparte bei seinem Deutschland-Besuch nicht mit klaren Worten. Erst outete er sein Land als Atommacht - und dann redete er auch noch vorab den deutschen Politikern und Wirtschaftsbossen ins Gewissen: Deutschland dürfe seine Wirtschaftsinteressen im Iran nicht über "das Leben des jüdischen Volkes" stellen, sagte Olmert. Es könne sein, dass die Deutschen im Iran geschäftliche Interessen hätten, aber sie hätten "noch viel tiefere und fundamentalere moralische Verpflichtungen sich selbst, ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft gegenüber", so der israelische Ministerpräsidenten.

Im Klartext: Israel hält es für sehr fragwürdig, dass Deutschland gut funktionierende Handelsbeziehungen zu einem Land unterhält, dessen Führungsspitze es als Ziel ausgibt, den Judenstaat von der Landkarte ausradieren zu wollen.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Bundesregierung schon mehrfach aufgefordert, gegen den Iran Wirtschaftssanktionen zu verhängen. Die Bundesrepublik solle dem Iran klar machen, dass die Wirtschaftsbeziehungen nur fortgeführt werden könnten, wenn sich politisch etwas ändere, bemängelte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer. Der Kritik am iranischen Präsidenten müssten endlich auch Taten folgen.

Exporte im Wert von 4,4 Milliarden

Die deutsche Wirtschaft sieht solche Forderungen mit Sorge, könnten sie doch einen wichtigen Absatzmark gefährden: Deutsche Unternehmen exportierten im vergangenen Jahr Waren im Wert von 4,4 Milliarden Euro in das Land der Mullahs, darunter viele Maschinen. Rund 12.000 deutsche Firmen unterhalten nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags geschäftliche Beziehungen mit dem Iran, 50 deutsche Firmen haben dort eine eigene Niederlassung. Die Bundesrepublik ist nach den Vereinigten Arabischen Emiraten der zweitwichtigste Handelspartner der Islamischen Republik, vielfach sind staatliche oder staatsnahe Unternehmen im Iran die Geschäftspartner der deutschen Unternehmer.

Auch die Bundesregierung hat ein Interesse an einem reibungslosen Warenverkehr: Sie unterstützt deutsche Unternehmen, die mit dem Iran Geschäfte betreiben, durch so genannte Hermes-Bürgschaften gegen Zahlungsausfälle. Käme es zu einem Totalausfall, beispielsweise durch einen Krieg oder ein striktes Embargo, müsste die Bundesregierung mit fünf Milliarden Euro geradestehen.

"Wirtschaftsbeziehungen sind immer politisch beeinflussbar", sagt Michael Tockuss, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer, zu SPIEGEL ONLINE. Ein Embargo hielte er für "reichlich sinnlos", da sensible Güter ohnehin nicht mehr in den Iran ausgeführt werden. Es könnte jedoch die Stimmung in den traditionell guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Iran verschlechtern. "Wir waren immer ein bevorzugter Partner der Iraner", betont Tokuss.

Doch das harmonische Bild hat jüngst gelitten: Im laufenden Jahr gingen die deutschen Ausfuhren in den Iran gegenüber dem Vorjahreszeitraum erstmals deutlich zurück, laut Deutsch-Iranischer Handelskammer um 11 Prozent. Im Vorjahr hatte es noch einen deutlichen Zuwachs gegeben. Der Rückgang bei Irans Ausfuhren nach Deutschland beträgt sogar rund 18 Prozent.

Sanktionsdruck steigt nur langsam

Iran kämpft mit Strukturproblemen: Das Wirtschaftswachstum schwächt sich ab, die Arbeitslosigkeit steigt, die Inflation ist auf 15 Prozent geklettert. Doch Experten machen auch die zweifelhafte Haltung Ahmadinedschads im Atomstreit und seine Hasstiraden gegen Israel für die Delle mit verantwortlich.

Der Sanktionsdruck der Weltgemeinschaft dürfte sich - zum Vorteil der deutschen Unternehmen - indes nur schrittweise steigern: Der Resolutionsentwurf der Uno gegen den Iran, mit das Land zur Abkehr von seinem Atomprogramm bewegt werden soll, sieht lediglich ein Handelsembargo für atomwaffenfähiges Material vor.

Ahmadinedschad drohte schon einmal vorsorglich selbst mit wirtschaftlichen Sanktionen: Sein Land könne die Beziehungen zu den Europäern "überdenken". Was damit genau gemeint sein könnte, ließ der Präsident unklar: Möglich wäre beispielsweise, dass Iran Importe aus der EU erschweren könnte. Möglich wäre aber auch, dass das Land seine Botschaften schließt und damit deutschen Firmen den Weg ins Land erschwert.

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.