Deutsche Bischofskonferenz Umweltbeauftragter spricht von "Rinder-Holocaust"

Der Umweltbeauftragte der katholischen Bischofskonferenz, Markus Vogt, nennt die im Zuge der BSE-Krise vorgeschlagene Massenschlachtung von 400.000 Tieren einen "echten Rinder-Holocaust". Daraufhin hagelte es nicht nur interne Proteste. Paul Spiegel vom Zentralrat der Juden sprach von einem Skandal.


Saarbrücken/Berlin - "Der Vergleich von Massenschlachtungen von Rindern mit dem Holocaust, das heißt der staatlich betriebenen, fabrikmäßigen Ermordung von Juden während des NS-Terrorregimes, ist eine Verunglimpfung und Beleidigung der NS-Opfer", antwortete der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, dem Umweltbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Markus Vogt. Dieser hatte dem Saarländischen Rundfunk gegenüber behauptet, dass die Massenschlachtungen nach den in den Medien verbreiteten Bildern "wie ein echter Rinder-Holocaust" wirkten.

Der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz in Bonn, Rudolf Hammerschmidt, meinte zu Vogts Aussage, es handele sich um einen "völlig unangemessenen und nicht akzeptablen Vergleich".

Der katholische Umweltbeauftragte warnte vor Massentötungen von Rindern aus Gründen der Marktbereinigung. "Wenn betriebswirtschaftliche Gründe im Vordergrund stehen, dann ist das Keulen nicht gerechtfertigt", sagte er. Ethisch zu rechtfertigen seien die Massenschlachtungen nur, wenn es wirklich um den gesundheitlichen Schutz der Menschen gehe, betonte Vogt.

Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Michael Müller, sprach sich für ein "Moratorium" aus, durch das die Massentötungen von Rindern zunächst ausgesetzt werden sollen. Den Vorschlag von Politikern, getestetes Rindfleisch ins Ausland zu exportieren, lehnte Müller ab. Auch die designierte Grünen-Chefin Claudia Roth bezeichnete die Idee als "eigenartig und etwas zynisch".

Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) äußerte sich ebenfalls skeptisch zu den Keulungsplänen. "Aus vielen Gründen, glaube ich, sperrt sich alles in einem dagegen, diese Tötungsaktion zu machen", sagte sie im Deutschlandfunk. Es handele sich um eine reine Marktbereinigungsmaßnahme, die mit der Sicherheit der Verbraucher nichts zu tun habe.

Indessen schlug der Bundesverband der beamteten Tierärzte vor, die 400.000 Rinder zu schlachten, anschließend auf BSE zu testen und unverdächtig befundenes Fleisch im Rahmen humanitärer Hilfe in Not- und Krisengebieten zu liefern. Das Verfahren hätte überdies den Vorteil, dass durch 400.000 zusätzliche Untersuchungen ein deutlicheres Bild vom Ausmaß der BSE-Seuche in Deutschland gewonnen würde.



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