Stefan Kuzmany

Deutsche Diplomatie Weltmarke Merkel

Die Bundeskanzlerin ist zurück vom G20-Gipfel in Buenos Aires. Im kollektiven Bewusstsein wird sie dort bleiben.
Merkel beim G20-Gipfel

Merkel beim G20-Gipfel

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Angela Merkel, Sie haben es bestimmt gelesen, ist in Argentinien gefeiert worden "wie ein Popstar". Dort beginnt gerade der Sommer, und auch sonst ist ziemlich vieles ziemlich anders auf der Südhalbkugel. Hierzulande allseits Missvergnügen, es rotten sich bei Merkels Auftauchen übellaunige Wutbürger zusammen und skandieren, sie müsse "weg".

In Buenos Aires hingegen: Fiesta! Spontane Hochrufe auf "Angela!" beim Verlassen eines Steaklokals. Daheim in Deutschland schreibt ein SPON-Leser ins Forum: "Soll sie doch am besten gleich dableiben". Tatsächlich wird sie bleiben.

Am kommenden Freitag wird Angela Merkel als Parteivorsitzende der CDU abgelöst, es wird nach dieser Wahl nicht mehr allzu lange dauern, bis auch ihre Kanzlerschaft endet. Sie hat angegeben, danach kein politisches Amt mehr anzustreben. Deutschland wird seine denkbar beste internationale Repräsentantin verlieren, einen Exportschlager: die Weltmarke Merkel.

"Lasst uns Jens dazuholen"? Undenkbar.

Als Donald Trump vergangene Woche von der "New York Post" auf die neue Eskalation im Ukrainekonflikt angesprochen wurde, hatte er ausnahmsweise mal eine gute Idee: "Angela, let's get involved Angela" - "Lasst uns Angela dazuholen", sprach der US-Präsident. Wenn überhaupt jemandem zuzutrauen ist, Wladimir Putin und Petro Poroschenko zur Vernunft zu bringen, dann Angela Merkel, das weiß jedes Kind und mittlerweile sogar Donald Trump.

Es wird eine ganze Weile dauern, bis einmal jemand auf die Idee kommt, "Let's get involved Annegret" zu sagen, wenn es um Angelegenheiten von Weltrang geht. Oder nach "Friedrich" zu verlangen. Völlig unvorstellbar ist es, dass jemals irgendjemandem der Vorname "Jens" in diesem Zusammenhang einfallen wird.

Vom Aktienheini Merz weiß man, dass er zur Begrüßung im Restaurant schon mal das Personal rundmacht, um zu zeigen, was Sache ist. Einen Merz'schen Wutanfall angesichts einer defekten Regierungsmaschine möchte man sich lieber gar nicht erst vorstellen.

Von der Weltmarke Merkel gibt es Fotos an Bord der ersatzhalber bestiegenen Iberia-Linienmaschine. Merkel habe einen Joghurt gegessen, ein wenig in einem Buch gelesen und geschlafen, berichtet ein argentinischer Mitreisender der Presse. Und sie habe immer so nett herübergelächelt.

Wer bekommt ein Küsschen?

Politik ist auch eine Stilfrage, das gilt besonders für die internationale Diplomatie. Beim Empfang der Staats- und Regierungschefs auf den Eingangsstufen des wunderschönen Teatro Colón durch den argentinischen Präsidenten Mauricio Macri und seine Gattin konnte man instinktiv die Stellung eines Gastes in der Weltgemeinschaft erspüren. Wem kommt man entgegen, wer bekommt nur einen Handschlag, wer eine Umarmung, wer ein Küsschen oder zwei? Als Angela Merkel ankam, mit zwölf Stunden Verspätung, aber gerade noch rechtzeitig vor Beginn des Kulturprogramms, war es, als würde eine alte Freundin zur Türe hereinkommen, die von ihrem blöden Missgeschick bei der Anreise berichtete.

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Danach verlor sie keine Zeit. Als die TV-Kamera kurz darauf die Aufstellung der Staatsgäste zum traditionellen Familienfoto einfing, da konnte man Angela Merkel dabei beobachten, wie sie bereits ohne Unterlass auf den neben ihr stehenden Wladimir Putin einredete. Der Russe setzte ein wächsernes Fotolächeln auf, aber Merkel interessierte sich augenscheinlich nicht für das Gruppenbild. Sie hatte etwas zu besprechen. Die Weltmarke Merkel bei der Arbeit.

Wenn demnächst die Außerirdischen kommen

Es ist selbstverständlich vollkommen ausgeschlossen, dass Angela Merkel sich aus der Weltpolitik zurückzieht, nachdem ihr das deutsche Kanzleramt abgenommen worden ist. Sie wird noch dringend gebraucht. Irgendwer muss doch diesen Laden zusammenhalten, der sich Weltgemeinschaft nennt. Wenn die Menschheit demnächst Kontakt mit Außerirdischen aufnimmt, wer soll mit denen vernünftig reden, wenn nicht sie?

Es sind Bilder wie die von diesem G20-Gipfel, die von Angela Merkel in Erinnerung bleiben werden. Selbst wenn sie irgendwann geht, wird sie im kollektiven Bewusstsein der Welt dort bleiben: Auf dem internationalen Parkett, als Sachwalterin der deutschen und europäischen Interessen, für das Gute der Menschheit wirkend. 12.000 Kilometer entfernt vom Berliner Nieselregen, wo einmal mehr der Dieselgipfel tagt. Schauen Sie bitte kurz aus dem Fenster. Wann nach Argentinien abhauen, wenn nicht jetzt?

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